Das erste Geld, das allererste Geld, das man sich selbst verdient hat: diesen Lohn in Händen zu halten, ist etwas ganz Besonderes. Bekannte Krefelder Persönlichkeiten in Spitzenpositionen verraten KR-ONE, womit sie sich ihrer ersten Taler verdient haben: vom Brötchen-Austragen übers Cello-Spiel bis hin zum Trecker-Fahren und Rüben-Ernten. Womit fast alle glücklich waren – alle, bis auf einen…


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“Dr. Birgit Roos, 56,
Vorsitzende des Vorstandes bei der Sparkasse Krefeld:
„Mein erstes Geld habe ich als Briefträgerin bei der Deutschen Post verdient. Nach meinem Abi 1977 hatte ich mich beim Postamt in Meerbusch-Büderich beworben, denn bis zum Beginn meines Studiums war noch Zeit, und ich hatte gehört, dass man als Briefträgerin ganz gut verdient. Die Post sagte zu, und so war ich von montags bis samstags als Briefträgerin im Einsatz. Um sechs Uhr früh musste ich im Postamt sein. Dort habe ich die Briefe für den Bezirk, in dem ich ausliefern sollte, nach Straße und Hausnummer vorsoriert, dann alle Briefe gebündelt, in zwei große Taschen am Gepäckträger meines Post-Fahrrads gepackt, und los ging’s. Ich fand den Job prima, war viel an der frischen Luft und kannte mich bald immer besser in meinen Bezirken aus, so dass ich immer früher Feierabend machen konnte. Schon den ersten Lohn habe ich zurückgelegt, um mein Studium der Volkswirtschaftslehre in Münster zu finanzieren. Selbst als die Uni losging, habe ich parallel weitergearbeitet als Briefträgerin – so fleißig, dass ich damit meine ersten Semester alleine finanzieren konnte.“

 


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“Robert Haake, 46,
Geschäftsführer 
der Krefeld Pinguine:
„Als Schüler habe ich meine Ferien immer auf dem Bauernhof meiner Großeltern in Friedrichskoog in Dittmarschen verbracht. Und obwohl ich frei hatte, habe ich dort immer bei der Weißkohlernte geholfen und habe die ab­geschnittenen Kohlköpfe auf dem Feld in eine Holzkiste ge­packt. Außerdem habe ich bei der Rübenernte geholfen: mit einem Trecker bin ich neben dem Rüben-Roder über den Acker getuckert, während die Bauern die Rüben in den Hänger meines Treckers packten. Ich habe das alles eigentlich just for fun gemacht. Eines Tages, ich war zwölf Jahre alt, kam ein Bauer und gab mir einen Briefumschlag in die Hand. Darin waren 240 DM, die ich mir in zehn Ferientagen verdient hatte! Der Bauer sagte, ich würde arbeiten wie ein Erwachsener, also sollte ich auch Geld bekommen. Toll! Das Geld habe ich gespart und von da an auch sonst alles, was ich neben der Schule verdiente. Mit 16 konnte ich mir meinen ersten Vespa-Roller davon kaufen. Das vergesse ich nie, das bleibt hängen für immer.“

 


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“Frank Tichelkamp, 53,
Vertriebsleiter der Brauerei Königshof:
„Mit 16 hatte ich einen Traum: eine Radtour durch Belgien mit meinen Freunden! Ich komme aus einer großen Familie und musste mir daher das Geld für den Urlaub selbst verdienen. Der ,Stadtspiegel Krefeld‘ und das ,Oppumer Wochenblatt‘ suchten damals Zeitungsausträger. Ich meldete mich! Zweimal pro Woche – donnerstags und samstags – düste ich bei jedem Wetter auf meinem Fahrrad los. Mein Drahtesel schwankte, so schwer waren die Seitentaschen links und rechts am Hinterrad, vollgepackt mit mehreren hundert Ausgaben. Wenn es Beilagen gab, bekam ich pro Beilage einen halben Pfennig mehr. Wenn ich dann monatlich meine Lohntüte aus einem VW-Bus auf dem Parkplatz des Krefelder Zoos abholte, waren schon mal bis zu 100 D-Mark drin – damals für einen Schüler ein Reichtum! An den Samstagen stand ich im Morgengrauen auf, um 5.30 Uhr! Ich weiß es noch genau: die Samstagstour endete bei ,Lebensmittel Schroers‘ in Oppum, und der Inhaber, Johannes Schroers, hatte immer eine warme Milch mit Honig für mich. Das machte das frühe Aufstehen wieder wett!“

 


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“

Professor Rudolf Leuwer, 53,
Ärztlicher Direktor des Helios-Klinikums Krefeld:
„Als ich 14 war, bekam ich kurz vor Weihnachten einen Anruf vom Pfarrer der Gemeinde St. Marien in Bonn, wo ich geboren wurde. Der Pfarrer fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Heiligabend in seiner Kirche im Streichquartett Cello zu spielen – gegen Geld! Man nennt das auch ,Mugge‘: ,Musik gegen Geld‘. Klar konnte ich mir das vorstellen! Seit meinem achten Lebensjahr spielte ich Cello und war auch schon bei Wettbewerben für ,Jugend musiziert‘ aufgetreten. Irgendwie hatte sich das wohl zu dem Pfarrer herumgesprochen – und so kam ich zu meinem ersten Job. Ein paar Tage habe ich gemeinsam mit den anderen Musikern der Gemeinde die Messe von Bach geprobt, die aufgeführt werden sollte. Der Auftritt selbst an Heiligabend hat dann nur 20 Minuten gedauert. Meine Eltern waren auch mit in der Kirche und ganz stolz. Aufgeregt war ich überhaupt nicht beim Auftritt, es hat einfach nur Spaß gemacht. Ich liebe Cello, das hat eine tolle Tonlage; klingt nicht so nervig wie Geige. Für den Auftritt gab es 50 D-Mark. Die habe ich komplett in polnische Kuhbonbons angelegt.“

 


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“Michael Grosse, 53,
Generalintendant am 
Theater Krefeld und Mönchengladbach:
„Mein Vater war Schauspieler am Deutschen Theater Berlin. Eines Tages erzählte er von einem Aushang im Theater: Ein Ostberliner Künstlerclub namens ,Die Möwe‘ suchte Aushilfen für seine Leihbücherei mit Büchern über Theatergeschichte. Ich war 15 und wusste damals schon, dass ich später etwas mit Theater machen wollte, ich wusste nur noch nicht genau, was. Ich bewarb mich für die Sommerferien und wurde genommen. Ich gebe zu, ich hätte vielleicht etwas effektiver arbeiten können, immer wieder geriet ich ins Schmökern. Andererseits faszinierte mich auch die Systematik einer Bibliothek, die damals natürlich ohne Computer funktionierte: mit Karteikarten, Leseausweisen und Stempeln für die Ausleihzeit. Nach zwei Wochen hatte ich 220 DDR-Mark zusammen – mein erstes selbstverdientes Geld! Noch in denselben Ferien bin ich von meinem Lohn mit Freunden nach Ungarn getrampt: zum Camping am Balaton. Das werde ich nicht vergessen: mein erster Urlaub, den ich mit eigenem Geld bezahlt hatte, und das ich – wenn auch im weiteren Sinne – mit Theaterarbeit verdient hatte! Ich war einfach nur stolz.“

 


Krefelder Prominente erzählen: „Mein Erstes selbstverdientes Geld“Prof. Dr. Hans-Hennig von Grünberg, 49, 
Präsident der Hochschule Niederrhein:
„Als Schüler in Kiel-Schilksee habe ich Brötchen im Nachbardorf ausgetragen, für mein erstes selbstverdientes Geld. Dieses in die Hand gedrückt zu bekommen, war aber nicht gerade ein Brüllererlebnis. Ich war 15, meine Mutter hatte den Job auf einem Aushang beim Bäcker entdeckt und mir die Idee nahegelegt. Und ich habe ahnungslos und treuherzig die Idee ausgeführt. Meine Aufgabe bestand darin, jeden Samstagmorgen etwa 50 Kunden vor sieben Uhr in der Früh eine vorab genau festgelegte Zahl von frischen Brötchen anzuliefern. Ich war zu keinem Moment glücklich mit dieser Aufgabe. Jeden Samstag kamen Beschwerden, weil ich den einzelnen Haushalten nicht immer die richtige Zahl an Brötchen gebracht oder nicht rechtzeitig geliefert hatte. Schließlich habe ich den Job verloren, weil der Sturm an einem Tag meinen Fahrradanhänger umgeblasen hatte und die Brötchen auf der nassen Straße verteilt lagen. Ich habe an jenem Morgen nasse Brötchen ausgeliefert. Der Bäcker hat dann sehr, sehr viele Anrufe bekommen und ich nur noch einen letzten, aber vom Bäcker persönlich. Unangenehm!“

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