Streift man mit offenen Augen durch die Straßen Krefelds, erhält man bisweilen ambivalente Eindrücke. An vielen Orten staunt man über die Spuren der einstigen Blütezeit der Seidenstadt: charmante Altbauten mit prunkvollen Fassaden, Denkmäler als steinerne Zeitzeugen und kostbare Schätze in Kellern und Dachböden. An anderen Stellen hat der Krieg, der Wiederaufbau und der Zahn der Zeit hässliche Spuren hinterlassen. Weitestgehend im Verborgenen und abseits der medialen Öffentlichkeit kämpft Christoph Tölke seit bereits 25 Jahren gegen diesen Zerfall des Schönen und haucht alten Schätzen neues Leben ein. Anlässlich des Jubiläums gewährt der passionierte Restaurator nun Einblicke in seine Arbeit und lädt im Juni zu einer großen Jubiläumsauktion ein.

Der heutige Standort der Restaurierungswerkstatt könnte nicht passender gewählt sein. Die historische Shedhalle in einem Hinterhof auf der Rossstraße bietet dank Tageslicht und viel Platz nicht nur beste Arbeitsbedingungen für das Team rund um Christoph Tölke, sondern liegt auch nur wenige Straßen entfernt vom Geburtstort des bekennenden Krefelders. „Ich bin in diesem Viertel aufgewachsen und erfreue mich bis heute am einmaligen Charme und dem großen ästhetischem Potenzial, das in den Straßen und Gebäuden liegt“, sagt Tölke während er aus seinem Büro, in dem früher ein Vorarbeiter das Geschehen in der Weberei überwachte und das heute eher einer Bibliothek gleicht, hinunter auf die emsige Betriebsamkeit der Werkstatt blickt. Gerade ist sein achtköpfiges Team damit beschäftigt, antike Holzfenster instand zu setzen – eine besondere Spezialität des Betriebs.

Fleißig und mit akribischer Detailverliebtheit wird gefeilt, gehobelt und gestrichen, solange bis die Fenster wieder in ihren ursprünglichen optischen Zustand versetzt sind und eben doch den heutigen technischen Ansprüchen genügen – eine kleine Zeitreise. „Jedes Projekt ist stets eine gemeinschaftliche Anstrengung. Sei es die Restauration von Einzelstücken, die Denkmalpflege ganzer Gebäude oder das Erstellen von Gutachten – all unsere Leistungen setzen großes Fachwissen in den unterschiedlichsten Disziplinen voraus. Von der Kunsthistorie über die Naturwissenschaften bis hin zur Bauphysik greift stets sehr viel ineinander. Und natürlich ist nicht zuletzt auch technisches und handwerkliches Geschick vonnöten“, erläutert der staatlich geprüfte Restaurator, der sein Team im Laufe der Jahre so aufgestellt und geschult hat, dass es jedes noch so komplexe private oder öffentliche Projekt bewältigen kann.

„Ich interessierte mich schon früh für historische Gegenstände und den Werkstoff Holz. Nach dem Abitur und der anschließenden Tischlerlehre erwog ich daher, in der Forstwirtschaft oder im Holzhandel zu arbeiten.“

Die Annehmlichkeiten eines derart breit aufgestellten Teams genoss Tölke, der als Einzelkämpfer begann, jedoch nicht immer. „Ich interessierte mich schon früh für historische Gegenstände und den Werkstoff Holz. Nach dem Abitur und der anschließenden Tischlerlehre erwog ich daher, in der Forstwirtschaft oder im Holzhandel zu arbeiten. Letztlich entschied ich mich aber für ein Studium am Alfred René Goering Institut in München, der damals deutschlandweit ersten und einzigen Fachakademie für Restauration“, erinnert sich Tölke, der sich nach dem erfolgreichen Abschluss und einer Zeit als angestellter Restaurator Anfang der 90er-Jahre mit einer kleinen Werkstatt im ehemaligen Konvent in Hüls selbstständig machte. „Bereits am ersten Tag erhielt ich einen großen Auftrag und dann hörte es einfach nicht mehr auf“, lacht Tölke. „Seither ist mein Betrieb organisch immer weiter gewachsen. Ich bin davon überzeugt, dass eine Unternehmung zwangsläufig Erfolg hat, wenn man mit der nötigen Begeisterung dabei ist“, betont er und man merkt ihm seinen Enthusiasmus und Idealismus, den er sich bewahrt hat, deutlich an. Zum Beispiel dann, wenn ein antikes Möbel in seine Werkstatt gelangt und er sich in seinen deckenhohen Bücherregalen auf die akribische Spurensuche nach Herkunft, Alter und Wert begibt – eine wiederkehrende Aufgabe, denn neben den beiden Hautpfeilern seines Betriebs, der Restaurierung und der Denkmalpflege, handelt der Krefelder Kunstliebhaber und Vorsitzende des Vereins „Kunst und Krefeld“ auch leidenschaftlich mit Antiquitäten aller Art.

Von den dabei über die Jahre zusammengetragenen Kostbarkeiten können sich Interessierte im Juni ein Bild machen. Am Samstag, den 30.06.20184 , lädt das Team der Restaurierungswerkstatt Tölke anlässlich des 25. Firmenjubiläums zu einer großen Jubiläumsauktion ein. In den Räumlichkeiten der traditionsreichen Krefelder Werkstatt steht dann eine breite Palette an Möbeln, Gemälden, Grafik, Kunstgewerbe, Schmuck, Armbanduhren, Silber, Skulpturen, Chinesischen Vasen und Büchern zur Auktion. „Unter dem Auktionsgut befinden sich Highlights wie Gemälde von Isaac van Ostade, Elias Pieter van Bommel, Pieter Meulener sowie gestempelte Möbel aus Paris von P.J Pioniez, Lardin und IP. Letelier“, schwärmt der Kunstkenner beim Durchblättern des vorläufigen Katalogs. Die Auktionsgegenstände stammen zum einen aus einem umfangreichen Nachlass eines anonymen Krefelder Kunstsammlers. Der Reinerlös dieser Gegenstände kommt zu 100 Prozent der Krefelder Herzstiftung zu Gute. Zum anderen werden Gegenstände auktioniert, die beim kürzlich veranstalteten Krefelder Schätzetag abgegeben wurden. Acht Prozent der Provision der Versteigerung dieser Objekte fließt in ein Ankaufprojekt der Kunstmuseen Krefeld, das noch bekanntgegeben wird. Darüber hinaus werden aber natürlich auch Gegenstände aus dem üppigen Bestand von Christoph Tölke selbst versteigert. Mitveranstalterin der Auktion ist die Auktionatorin Anne-Katrin Hoffmann, die nicht zuletzt bekannt ist als Expertin in der ZDF-Fernsehsendung „Bares für Rares“.

 

 

Restaurierungswerkstatt Tölke
Roßstraße 222 
47798 Krefeld
Tel.: 0177 7359910

Jubiläumsauktion am Samstag, den 30.06.2018, 11.00 – 18.00 Uhr. Bieter haben beim Zugang zur Auktion Vorrang, Vorreservierungen auf die bevorzugten Plätze können an folgende Emailadresse geschickt werden: info@toelkerestaurator.de.
Ab Mai sind die eingelieferten Objekte auf der Internetauktionsplattform https://lot-tissimo.comzu sehen. Dort können auch online bis zwei Tage vor der Auktion Vorgebote abgegeben werden. Weiter steht die Objektliste ab Mai auf folgenden  Internetseiten: www.classicism-antiques.de, www.versteigerin.de.Schriftliche Vorgebote müssen bis zwei Tage vor der Auktion an der Geschäftsadresse vorliegen (ohne Gewähr).