Kempkens Juweliere, Gebäude

Ein Stückchen Krefeld: Das markante Eckhaus an der Rheinstraße ist seit 1934 in Familienbesitz

Es gibt Geschäfte, die aus dem Stadtbild nicht wegzudenken sind. Das Juwelier-Haus Kempkens an der Krefelder Rheinstraße mit seinem markanten, hoch über der Straße thronenden Firmenschild aus goldenen Lettern, zählt fraglos dazu. Das 1891 in Süchteln gegründete und seit 1934 in Krefeld ansässige familiengeführte Traditionshaus gehört zur Seidenstadt wie kaum ein anderer Einzelhändler und wird künftig von einer neuen Generation der Familie geführt. Dass dieser Generationswechsel gelingen konnte und das für die Stadt so prägende Geschäft weiterlebt, war dabei keinesfalls selbstverständlich. 

„Der Anfang des Jahres war für uns eine Zeit voller Fragezeichen. Um ganz ehrlich zu sein, dachten wir, dass wir für immer schließen müssen“, erinnert sich Detlef Kempkens, der in den vergangenen Jahrzehnten die Geschicke des Ladens leitete, an den dramatischen Jahresbeginn. „Die Rheinstraße wurde in der Vergangenheit zunehmend leerer, nicht zuletzt aufgrund der vielen Baustellen. Hinzu kamen allgemeine Probleme der Branche, wie der wachsende Online-Handel. Es stand fest, dass wir sehr viel umstrukturieren müssen, um am Markt bestehen zu können“, ergänzt Tochter Charline Kempkens, die das Geschäft gemeinsam mit ihrer Schwester Cosima in Zukunft nach und nach übernehmen wird. Der Befreiungsschlag aus der scheinbar hoffnungslosen Situation war ein überraschend positiver Räumungsverkauf, wie Detlef Kempkens ausführt: „Meine Töchter haben klar entschieden, dass sie nur dann ins Geschäft einsteigen, wenn alle Vorraussetzungen stimmen, um unser Haus komplett neu zu denken. Erst der große Abverkauf unserer Waren machte dies möglich.“

Kempkens Juweliere, Familie Kempkens

(v.l.n.r.) Cosima Kempkens, Detlef Kempkens, Gabriela Neiss-Kempkens und Charline Kempkens

„Meine Töchter haben klar entschieden, dass Sie nur dann ins Geschäft einsteigen, wenn alle Vorraussetzungen stimmen, um unser Haus komplett neu zu denken…“

Doch auch jenseits der finanziellen Notlage war der Fortbestand der Krefelder Juwelier-Institution keinesfalls gesichert, denn während die Goldschmiedegesellin Cosima Kempkens schon länger im elterlichen Betrieb arbeitete und fest entschlossen war, das Familienunternehmen zu übernehmen, wollte ihre Schwester eigentlich in die Finanzbranche. „Wenn man von klein auf in einem Familienbetrieb groß wird, kennt man alle Vor- und Nachteile“, erzählt Charline Kempkens und ergänzt: „Ich konnte mir daher lange Zeit nicht vorstellen, in die Juwelier-Branche einzusteigen.“ Erst ein schicksalhafter ehrenamtlicher Auslandsaufenthalt auf Mauritius, bei dem die 24-jährige Betriebswirtin nach ihrem Studium einem einheimischen Schmuck-Start-Up auf die Beine helfen sollte, änderte allmählich ihre beruflichen Pläne. „Es war schon verrückt. Vor dem Projekt wusste ich nicht, was meine Aufgabe sein wird, und dann ging es ausgerechnet um Schmuck. Es war wohl ein Wink des Schicksals“, erinnert sich die Krefelderin, die nach ihrem Auslandsaufenthalt mehrere Praktika bei verschiedenen renommierten Juwelieren absolvierte und dort endgültig ihre Leidenschaft für die Branche entdeckte.

Läuft man durch die kernsanierten Verkaufsräume in der ersten und zweiten Etage des Kempkens-Hauses, sind die baulichen Veränderungen nicht zu übersehen: Ein modernes, helles und geradliniges Interieur kennzeichnet die einladenden Räumlichkeiten und verschafft optisch mehr Platz als zuvor. Die geschickte Integration von Möbeln aus altem Bestand und Familienfotos hingegen schlägt im neuen Einrichtungskonzept die Brücke zur 125-jährigen Firmentradition. Auch im Außenbereich wurde vieles verändert, wie Cosima Kempkens, die maßgeblich für die Gestaltung verantwortlich ist, erläutert: „Wir haben die Fassade optisch entkernt und die dort angebrachte Werbung drastisch reduziert. Dabei haben wir uns weitestgehend an die von Herrn Professor Beucker von der Hochschule Niederrhein vorgeschlagenen Gestaltungsrichtlinien für die Krefelder Innenstadt gehalten. Darüber hinaus haben wir auch die Technik des Hauses auf den neuesten Stand gebracht.“

Neben den baulichen Veränderungen sind es aber nicht zuletzt auch große inhaltliche Umwälzungen, mit denen es gelingen soll, den veränderten Marktbedingungen gerecht zu werden. „Für mehr Tiefe haben wir unser Produktportfolio konzentriert und spezialisiert. Wir möchten nicht mehr der Juwelier für alle sein und das bisherige Kaufhausprinzip hinter uns lassen. Stattdessen verstehen wir uns jetzt als Juwelier, mit dem man sich identifizieren kann“, erläutert Charline Kempkens das veränderte Motto des Familienbetriebs. Ein erweiterter Trauring-Bereich in der ersten Etage ist der neue Schwerpunkt des Traditionsunternehmens, während es im Erdgeschoss weiterhin hochwertigen Schmuck und Uhren renommierter Marken geben wird. Auch die Werkstätten in den oberen Etagen wurden modernisiert, um weiterhin den gewohnt umfangreichen Service zu bieten. „Unser Ziel war es, die guten Eigenschaften des bisherigen Geschäfts weiter auszubauen, aber auch neue innovative Ideen einfließen zu lassen“, erläutert Cosima Kempkens, „daher arbeiten wir zum Beispiel derzeit mit Hochdruck an einer eigenen Kempkens-Schmucklinie, die wir hier im Haus entwerfen, fertigen und verkaufen werden.“

Dann holt die junge Schmuckexpertin eine Kette der als Flaggschiff ins neue Sortiment integrierten Marke Wellendorff aus einer Glasvitrine und gerät ins Schwärmen: „Wellendorff steht einerseits für langlebige Materialien, innovative Produkte und eine tolle Technik und ist somit eine Marke, die perfekt unsere Werte verkörpert. Zudem haben alle Wellendorff-Produkte eine seidig-samtige Qualität, da feine Goldstränge zu stoffähnlichen Kordeln geformt und als Wiedererkennungsmerkmal in alle Schmuckstücke integriert werden.“ Schmuck wie Samt und Seide – das gehört ab sofort zu Krefeld wie das prägnante Gold Kempkens-Schild auf den Dächern der Stadt.

Kempkens Juweliere, Rheinstraße 99, 47798 Krefeld
Telefon: 02151-62570, www.kempkens-juweliere.de