Wie ein Wasserfall präsentiert sich die Glasfront des Haupteingangs zur Agentur für Arbeit an der Philadelphiastraße 2 von draußen. Drinnen, aus der Mitte der vier Etagen hohen, lichtdurchfluteten runden Eingangshalle mit dem großen Glasdach, wachsen stattliche Laubäume in die Höhe und bilden einen schönen Kontrast zu den Wänden aus rotbraunem Klinker. Die Atmosphäre hat nichts von einer verstaubten Behörde. Bei unserem Besuch möchten wir mehr über das Online-Angebot der Agentur für Arbeit erfahren, denn das sei, laut Pressesprecher Peter Kraps, noch viel zu wenig bekannt. 

Online vorbereiten und persönlich profitieren - Das Online-Angebot der Agentur für Arbeit


Anica Borgers (rechts), Teamleiterin „Eingangszone“: „Je detaillierter die persönlichen Daten online erfasst sind, desto effektiver ist das Beratungsgespräch.“

Der berühmte „Kloß im Hals“, den viele Arbeitssuchende vor dem ersten Gang zur Arbeitsagentur verspüren, verschwindet bei der Anmeldung. Hier beginnt mit Anica Bongers, der Teamleiterin „Eingangszone“, und ihren Kollegen der Weg zu qualifizierter Information, individueller Beratung und erfolgreicher Vermittlung. Bei unserem „Selbsttest“ besuchen wir die Datenselbsteingabe (DSE) der Jobbörse und klicken uns im Berufsinformationszentrum (BIZ) durch den attraktiv gestalteten „Berufe-Entdecker“, der nach den PC-Gewohnheiten junger Menschen kreiert wurde.

Ein erstes Fazit vorweg: Die Online-Angebote sind so detailliert und individuell auf alle Fragen rund um die persönliche Jobsuche abgestimmt, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein umfangreiches Profil mit Fähigkeiten und Wünschen des Arbeitssuchenden ergibt. Das ermöglicht ein qualifiziertes Beratungsgespräch. Anica Bongers ergänzt: „Wir kennen keine Wartezeiten. Das Klischee überfüllter Arbeitsamtflure gehört seit Jahren der Vergangenheit an.“ Damit schickt sie einen indirekten „Gruß“ an Undercover-Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und seine RTL-Reportage im März zum angeblichen Scheitern der Jobcenter.

Selbsttest in der Datenselbsteingabe (DSE)
Mein Selbsttest beginnt. Durch die Glastüre mit der Aufschrift „DSE“ betrete ich das freundlich gestaltete Großraumbüro und setze mich an einen der sieben Netzwerk-PCs. Auffällig sind die sauberen Tastaturen – ein Zeichen dafür, dass sich hierher noch nicht viele Ratsuchende getraut haben? Schwellenangst ist völlig unbegründet. In der Nähe sind immer zwei Mitarbeiter, die „Fachassistenten Eingangszone“. Sophia Marcopoulou bietet ihre Hilfe an. Ich hatte aber schon die „Checkliste für die Datenselbsteingabe“ auf dem Tisch entdeckt und versuche es selbst. Zwischen 15 Minuten und einer Stunde liegt die Verweildauer in der „Datenselbsteingabe“.

„Der ,Berufe-Entdecker‘ ist ein richtiger Kracher für junge Menschen.“

Ich klicke „Jobbörse“ an. Nach Eingabe meiner aktuellen Arbeitssituation werden  persönliche Daten abgefragt: zur letzten Tätigkeit, zum voraussichtlichen Beginn der Arbeitslosigkeit und zur gewünschten Tätigkeit. Die Anwendung leitet mich automatisch zur Erfassung aller wichtigen Daten für den Lebenslauf. Sollte ich Lücken feststellen, kann ich den Fragebogen auch auf meinem PC zuhause weiter ausfüllen und an die Arbeitsagentur mailen. Meine Log-in-Passwörter habe ich ja notiert.

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Isabel Prießen (19) studiert Arbeitsmarktmanagement und verbringt gerade vier Monate ihres dualen Bachelor-Studiums in der Arbeitsagentur. Sie kennt sich bestens aus mit sämtlichen Online-Möglichkeiten.

Im nächsten Schritt, „Fähigkeiten“, werde ich gebeten, unter anderem meine Sprach­kenntnisse zu konkretisieren. Unter „Deutsch“ klicke ich an: „verhandlungssicher“ und unter „Englisch“ „erweiterte Kenntnisse“. Sogar 40 deutsche Dialekte stehen zur Auswahl, von Allgäuisch bis Wienerisch. Was auf den ersten Blick kurios klingt, ist bis ins Detail durchdacht. Gesetzt den Fall, ich würde bei der „Kronen Zeitung“ in Wien eine Stelle finden: Da wäre es sicher hilfreich, wenn ich den Wiener Dialekt beherrschte, um einen schnelleren Zugang zu Kollegen und späteren Gesprächspartnern zu finden. Dieses Beispiel zeigt: je detaillierter der Arbeitssuchende Auskunft über sich gibt, desto höher ist die Chance, dass er einen Job findet, der zu ihm passt. Unter „Stellengesuch“ gebe ich an, was ich suche: Arbeit, eine Stelle als Fachkraft oder Führungskraft, eine Ausbildung, ein Praktikum Traineeprogramm oder die Selbständigkeit. Vergesse ich eine Angabe, weist mich der Online-Assistent darauf hin. Zum Schluss sende ich meinen Datensatz auf den PC des Betreuers in der DSE. Gajryl Ademi prüft alles und bucht für mich einen Termin bei einem Arbeitsvermittler. Meine vollständige Bewerbungsmappe muss zehn Tage vorher bei der Arbeitsagentur eingegangen sein. So kann sich der Vermittler auf das Beratungsgespräch vorbereiten. „Dieses Prozedere spart Zeit und ermöglicht beiden Seiten, das Gespräch intensiv zu nutzen. Vielleicht kann man schon im Anschluss einige Bewerbungen verschicken“, sagt Anica Bongers.

Arbeitslosengeld bequem online beantragen
Seit 2013 bietet die Arbeitsagentur den Service „Arbeitslosengeld online beantragen“. Nachdem man sich spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit persönlich bei der Arbeitsagentur gemeldet hat – das ist gesetzlich vorgeschrieben –, lässt sich der Rest prima von zuhause aus vorbereiten. Großer Vorteil der Online-Antragstellung ist die „Assistenzfunktion“. Sie verhindert Fehler, und der Antrag ist schneller bearbeitungsreif, weil er direkt auf dem PC des Bearbeiters landet.

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Christin Horn (20) studiert ebenfalls Arbeitsmarktmanagement und erzählt, dass zu ihrem Studiengang auch Psychologie und Gesprächsführung gehörten. Das sind neben juristischem und praktischem Wissen die Qualifikationen der Arbeitsvermittler von heute.

Geballte Informationsdichte im Berufsinformationszentrum (BIZ)
Eine umfangreiche Online-Informationsbörse rund um Beruf, Bildung und Arbeitsmarkt bietet das neu gestaltete Berufsinformationszentrum (BIZ). Das Großraumbüro mutet an wie eine moderne Bücherei. An einem der stylischen Informations-PCs mit Edelstahl-Tastatur und Touchpad sowie einem Drucker, der an das Kochfeld eines Hightech-Induktionsherdes erinnert, teste ich den „Berufe-Entdecker“. Der setzt genau da an, wo viele künftige Schulabgänger stehen, nämlich bei der Frage „Was willst Du werden?“

Die meisten klicken den Button an „Ich habe noch keine Ahnung“. Nun erscheinen Bilder, die Arbeits-bereiche aus verschiedenen Berufswelten vorstellen. Sie müssen jeweils an- oder abgewählt werden. Auf dieser Basis schlägt der „Berufe-Entdecker“ Felder vor, die die Jugendlichen näher erkunden können: Azubis berichten über ihren Arbeitsalltag, Experten geben Auskunft über Trends und Anforderungen. Im „Tätigkeiten-Check“ „liken“ die Nutzer, welche Aufgaben sie interessant finden und welche nicht. Je nach Verteilung der „Likes“, erscheint im letzten Schritt eine Liste mit passenden Berufen. Den „Berufe-Entdecker“ gibt es auch als App auf der Webseite www.planet-beruf.de

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Peter Kraps, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, Krefeld: „Der ‚Berufe-Entdecker‘ ist ein richtiger Kracher für junge Menschen.“

Unser Besuch hat gezeigt: Kein Arbeitsloser, kein Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und kein Beschäftiger, der sich beruflich verändern möchte, braucht Hemmungen zu haben, die Arbeitsagentur zu besuchen, sei es persönlich oder online. Man wird immer professionell begleitet: durch freundliche, kompetente Mitarbeiter und sehr gute Online-Anwendungen.

Agentur für Arbeit, Philadelphiastraße 2, 47799 Krefeld, Tel.: 02151-92-1154 (Anica Bongers), Öffnungszeiten von Jobcenter und Berufsinforma-tionszentrum (BIZ): montags bis freitags: 8-13 Uhr, www.arbeitsagentur.de