Atze Schröder über die Leistungsgesellschaft, Entschleunigung und Nächstenliebe im Alltag.

Atze Schröder gehört zu den ganz Großen in der deutschen Comedy-Szene und gilt als einer der absoluten Sympathieträger der Branche. Sein frecher Ruhrpott-Charme, den er immer mit einem intelligenten Unterton versieht, macht die Kultfigur Atze Schröder seit vielen Jahren zu einem gerngesehenen Gast auf deutschen Bühnen und in diversen Talkshows. Der legendäre Sprücheklopfer mit dem Lockenhelm stellt das Publikum in seinem neuen Programm „Turbo“ vor die Problemthemen der Selfie-Gesellschaft und des beschleunigten Alltags. Seine Feststellung: „Hört doch auf zu jammern, es geht uns doch saugut!“ Anlässlich seines Auftritts im KönigPALAST am 12.01.2018 haben wir uns mit dem sympathischen Vollblut-Comedian unterhalten.

// Das neue Programm heißt „TURBO“ – worauf spielt der Titel an?
Atze: Ich wollte einen Begriff finden, um meine ganze „Atzewelt“ in einem Wort zusammenfassen. Da kam mir Turbo in den Sinn. Ich bin dann auf die Suche nach Zeitgeistthemen gegangen und habe festgestellt, dass alle so sehr unter Druck stehen. Das heißt: Turbogesellschaft, Turbo-Abi, Turbo­kommunikation. Alles „turbo“.

//„Turbogesellschaft, Turbo-Abi, Turbokommunikation“ – glaubst du, dass unserer Gesellschaft der Sinn für entspannten Genuss und die „einfachen Freuden des Alltags“ abhandenkommt?
Ja. Und auch für die Sinnlichkeit. Deshalb sage ich in meinem Programm auch: „Lehnt euch zurück, genießt mal ’ne entspannte Zeit.“ Ich biete zwei Stunden echte Liebe. Das ist sozusagen mein Beitrag zur Entschleunigung.

// Du sprichst von Sinnlichkeit und Genuss. Was kannst du so richtig ­genießen?
Ich komme gerade von einer zweimonatigen Weltreise zurück und war nur in „Easy-Going-Ländern“ unterwegs. Neuseeland zum Beispiel. Dort habe ich mich total treiben lassen. Das habe ich sehr genossen und es hat mich wahnsinnig entspannt.

// Ertappst du dich selber denn nie dabei, vom Strom mitgerissen zu werden? Dein Job bringt das doch sicher mit sich…
Absolut. Als ich von der Reise wiederkam, ging ich direkt auf Promotour. Da war ich bei Lanz in der Talkshow, habe pro Tag acht Interviews gegeben und stand sofort wieder auf der Bühne. Ich war das gar nicht mehr gewöhnt.

// Und was machst du, um dem entgegenzuwirken?
Todesverachtend absagen (lacht). Nee, nicht ganz so krass. Aber ich versuche, weniger Tour-Termine zu machen und meinen beruflichen Alltag generell etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich habe jetzt viele Jahre Turbo gemacht. 2003 habe ich den Fernsehpreis gewonnen. Da dachte ich „Lass es noch zwei, drei Jahre so weitergehen, es macht so Spaß!“ Das ist jetzt vierzehn Jahre her…

// Das neue Programm beinhaltet also Gesellschaftskritik: „Statussymbole ersetzen keine anständige Gesinnung!“, heißt es in der Programmbeschreibung. Was ist für dich „anständig“? Anständige Gesinnung heißt für mich vor allem: Nächstenliebe, Leute nicht hängen lassen, christliche Werte. Liebe deinen Nächsten. Sei hilfsbereit!

// Wo, findest du, macht sich denn das Gegenteil im Alltag bemerkbar?
Das sieht man gerade bei den kleinsten Begebenheiten. Wenn du eine E-Mail nach drei Stunden nicht beantwortet hast, giltst du schon als ­klinisch tot. Wenn im Supermarkt die zweite Kasse aufmacht, geht es auch nur noch um „Sein oder nicht Sein“. Man ist ja bereit, bis aufs Blut seinen Platz zu verteidigen. Das Reisverschlussverfahren auf der Autobahn, auch so ein Beispiel…

// Ich habe auch gelesen, „TURBO“ sei dein persönlichstes Programm – inwiefern?
Direkt am Anfang spreche ich über meine erste Prostatauntersuchung. Persönlicher geht’s nicht (lacht). Alles ist so „turbo“, da muss man sich auch mal um sich selber kümmern, und das merke ich ja auch.

// Früher hattest du eine eigene Serie und warst in Kinofilmen zu sehen – glaubst du, dass du in Zukunft wieder Filme machen wirst oder bist du mittlerweile ganz und gar Live-Künstler?
Ich sach’s mal ganz offen: Fernsehen gehört zu den Dingen, über die man sich eigentlich lustig macht auf der Bühne. Deshalb bin ich voll und ganz Live-Künstler. Für die Bühne schlägt mein Herz. Stand-Up mach‘ ich richtig gerne!

// Du warst ja auch schon ein paar Mal in Krefeld – was hast du für einen Eindruck von unserer Stadt und den Leuten hier?
Krefeld hat eine sehr interessante Geschichte, wie ich finde. Als alte Seidenweber- und Textilstadt. Das Letzte, was ich über Krefeld gelesen habe ist, dass die Firma Hermès ihren Ursprung in Krefeld hat. Der Gründer hat da eine Sattlerlehre gemacht. Irgendwann ist er dann umgezogen nach Paris. Und Dujardin hat genau den umgekehrten Weg gemacht. Ist das nicht fantastisch (lacht)? Krefeld, das Monaco der Bundesrepublik! Nein, das bessere Paris! Sowas finde ich super, da könnte ich so drauf abfeiern! Und das Publikum ist auch einfach immer super. Ich freu‘ mich auf den Abend im KönigPalast.

Krefeld freut sich auch auf dich! Vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Esther Jansen