Auf den Spuren Krefelder Innovationskraft

Krefelder Produkthaus

 

Der „Krefelder Perspektivwechsel“, das zentrale Maßnahmenpaket des Krefelder Stadtmarketings, steht in diesem Jahr unter der Überschrift „Made in Krefeld“. Getreu dem Motto rücken zahlreiche Aktionen, Produktionen und Ausstellungen die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Innovationskraft der Seidenstadt ins Licht der Öffentlichkeit. Das Krefelder Produkthaus wird dabei im Mai zur Zentrale und beherbergt gleich mehrere Ausstellungen und Aktionen. Darunter auch den „Patentraum“, eine Dauerausstellung, in der 7.000 in Krefeld angemeldete Patente in Miniaturform mit einer Lupe an den Wänden zu begutachten sind. Doch was genau sind überhaupt Patente, wie kommen sie zustande und was leisten sie? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Karla Kaminski an der Hochschule Niederrhein tagtäglich und trägt damit dazu bei, dass auch heute viele Patente in der Seidenstadt ihren Ursprung nehmen.

Karla Kaminski

Karla Kaminski ist Patentscout an der Hochschule Niederrhein

Nicht nur die Lage ihres Büros in direkter Nachbarschaft zum Präsidium unterstreicht den hohen Stellenwert der Aufgabe von Karla Kaminski, die seit Februar 2016 offizieller Patentscout der Hochschule Niederrhein ist. Denn worin sonst, wenn nicht in der Innovation selbst, ihrem Schutz und ihrer Verwertung, liegt der Kern von Wissenschaft und Forschung – insbesondere an einer Fachhochschule? Sich dieser Tatsache bewusst, legte das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung im Jahr 2015 das NRW-weite Projekt „PatentScouts“ auf und stellte bis 2017 insgesamt eineinhalb Millionen Euro zur Verfügung. „Als Patentscout bin ich Ansprechpartnerin für Professoren, Mitarbeiter und Studierende der Hochschule. Ich stehe ihnen bei allen Fragen rund um den Schutz und die Verwertung ihrer Erfindungen und Entdeckungen beratend zur Seite und begleite den gesamtem Prozess aktiv“, erläutert die 46-Jährige, die als Diplom-Biologin über eine breite naturwissenschaftliche Ausbildung verfügt – unerlässlich, um auch fachfremde Innovationen bearbeiten zu können.

Dass ein „Lotse im Dschungel der Schutzrechte“, wie sich die sympathische Patent-Managerin selber sieht, nötig ist, wird bereits beim ersten Blick auf das komplexe Feld klar. „Man unterscheidet zunächst grob zwischen dem Patentrecht, dem Designrecht, dem Markenrecht und dem Urheberrecht“, sortiert die Patent-Expertin die hochkomplexe Materie und erläutert weiter: „Das Patentrecht greift bei technischen Lösungen für Probleme und ist somit bei uns als Fachhochschule mit Fachrichtungen wie Elektro- oder Textiltechnik besonders relevant. Das Designrecht bezieht sich auf die zwei- oder dreidimensionale Erscheinungsform eines Erzeugnisses. Das Markenrecht schützt Zeichen aller Art, die geeignet sind, eine Ware oder Dienstleistung von anderen zu unterscheiden. Das Urheberecht schließlich entsteht automatisch, umfasst auch rein geistige Erzeugnisse und muss nicht formell geschützt werden.“ Dann greift Kaminski zu einer Glasflasche und macht deutlich, dass die zuvor genannten Schutzrechte in Produkten sehr oft ineinandergreifen: „Bei so einer Flasche sind mindestens die Gesamterscheinung, der Markenname und auch die technische Lösung für das Problem des Verschließens geschützt. Es greift das Design-, Marken- und Patentrecht.“ Was bei einer Glasflasche noch recht anschaulich ist, wird bei einem Smartphone für den Laien unüberschaubar, denn dort, so Kaminski, seien bis zu 600 unterschiedliche Schutzrechte manifestiert.

Vom Prototypen bis zum rechtskräftigen Patent ist es aufgrund dieser Komplexität ein langer und zeitaufwändiger Weg, der ohne Hilfe für einen Wissenschaftler, der eben auch andere Aufgaben hat, überhaupt nicht zu bewältigen wäre. Hier kommt Karla Kaminski ins Spiel. „Kommt zum Beispiel ein Professor der Hochschule zu mir, gilt es zunächst, seine Erfindung zu sichten und hinsichtlich ihrer Patentfähigkeit zu bewerten. Dafür gibt es bestimmte Patentdatenbanken“, schildert sie den ersten Schritt. „Oftmals gibt es die abwegigsten Dinge schon, manchmal ist die Lage unklar. Nach Abstimmung mit dem Erfinder und der Klärung, ob die Hochschule die Erfindung beanspruchen will, wird das Patent dann an Experten der sogenannten ‚Proventis Agentur‘ übergeben. Dort arbeiten Experten verschiedener Professionen und recherchieren detailliert.“ Gibt es nach eingängiger Prüfung grünes Licht, kann das Patent angemeldet werden. Der gesamte Prozess kann in Deutschland drei bis vier Jahre dauern – ein Zeitraum, in dem jemand anderes die gleiche Idee haben könnte oder schlicht kopiert. „Bei Erfindungen gilt daher: Die erste Regel lautet: schweigen. Die zweite Regel lautet: schweigen. Und die dritte Regel lautet: schweigen“, lacht Kaminski.

Urkunde, SiegelDoch nicht nur der Schutz der Innovationen, sondern auch der Transfer in die Wirtschaft gehört zum breiten Aufgabenbereich der engagierten Patent-Expertin: „Natürlich ist ein Patent für einen Wissenschaftler etwas Emotionales, aber es geht uns auch darum, Patente an die Wirtschaft zu veräußern. Angestellte der Hochschule erhalten einen Anteil, Studenten erhalten den vollen Betrag, müssen jedoch auch die Kosten selber tragen.“ Diese Kosten ergeben sich daraus, wo etwas geschützt werden soll und können bei entsprechender Reichweite extrem hoch werden.

Im Jahr 2016 landeten 18 Erfindungsmeldungen von Hochschulangehörigen auf dem Schreibtisch der Patent-Managerin. Daraus resultierten letztlich nur zwei Patentanmeldungen aus den Bereichen Chemie und Textiltechnik. Trotz dieser vermeintlich geringen Anzahl zählt die Hochschule Niederrhein damit zu den besten drei Fachhochschulen in ganz NRW. Indes verwundert es nicht, dass Kaminski die gewaltige Anzahl von 7.000 ausgestellten Patenten im Krefelder Produkthaus überrascht. Ebenfalls überraschend, aber folgerichtig: In der Ausstellung wird neben weiteren auch ein Audio-Mitschnitt des diesem Text zugrundeliegenden Interviews zu hören sein. Und so erhält Karla Kaminski ebenfalls Einzug in den Patentraum, der die Ideen und Erfinder Krefelds würdigt.

Das Krefelder Produkthaus am Albrechtplatz 15 hat bis zum 21. Mai zu allen Veranstaltungen und zusätzlich donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr und samstags zwischen 14 und 19 Uhr geöffnet. Infos zum gesamtem Programm, das die Videoinstallation „Krefeld 65.0“, einen Poetry Slam, ein Gin Tasting, einen Tango-Schnupperkurs und viele weitere Aktionen umfasst, unter: www.krefelder-perspektivwechsel.de/projekt/krefelder-produkthaus-made-in-krefeld

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