Italien und Deutschland: auf den ersten Blick eine einseitige Liebe. Die Deutschen bewundern die Italiener für ihre Lebensfreude, ihr Selbstbewusstsein, ihre Raffinesse. Ah, ihr Götter, welch schöne Küsten, was für eine üppige Landschaft. Und die Italiener? Es wird gemunkelt, man beneide die Deutschen um Michael Schuhmacher. Aber sonst? Vielleicht noch die disziplinierte Müllabfuhr und das effiziente öffentliche Verkehrssystem.

Brot und Liebe - Da Salvo Brotmanufaktur

Salvatore Giunta hat sich einen gastronomischen Traum erfüllt

In Krefeld offenbart sich das ganze Dilemma seit Anfang April jeden Morgen ab sieben Uhr in einer kleinen Bäckerei an der Rheinstraße. Großfamilien, Paare, einzelne Passanten – sie alle stehen lachend und gestikulierend vor den gut gefüllten Vitrinen und an den Stehtischen. Kaffeetassen wandern über die Theke, es ist laut, lustig und fröhlich. Wangenküsse und Scherze fliegen durch die Luft. Mit einer Selbstvergessenheit, die auch den überzeugtesten Müsliesser vor Neid erblassen lässt, werden gefüllte Cremehörnchen und Schokoladen-Croissants gefrühstückt. Für die Mittagspause schnell noch ein Stück Pizza oder Focaccia eingepackt, und der Tag kann kommen. Unüblich in deutschen Bäckereien; Alltag in der Brotmanufaktur Da Salvo.

Der Inhaber dieser charmanten italienischen Enklave ist in Krefeld kein Unbekannter. Sein Restaurant „Da Salvo“ gegenüber dem Krefelder Sprödentalplatz kennen und lieben viele Seidenstädter seit Jahren. Mit der Brotmanufaktur führt Salvatore Giunta jetzt in vierte Generation das Bäckerhandwerk seiner Familie fort. Nur eben nicht auf Sizilien, sondern bei uns am linken Niederrhein. „Ich wollte ein weiteres Stück Italien im Herzen von Krefeld verankern“, erzählt der 53-jährige Gastronom und bietet zum Kaffee köstliche Mini-Patisserie mit kandierten Mandeln an. „Wir Italiener essen ab und zu auch Müsli“, verrät er, „aber nur heimlich Zuhause. Im Café möchten wir gemeinsam das Leben genießen!“ Am Wochenende sind die mit 15 verschiedenen Broten und über 20 unterschiedlichen sizilianischen Gebäckspezialitäten gut gefüllten Verkaufstheken deshalb gleich doppelt so gut gefüllt wie wochentags üblich. „Wir bringen zu Einladungen gerne Obst und Gebäck als Gastgeschenke mit“, erklärt Salvatore Giunta diese notwendige Vorsorgemaßnahme und fügt lachend hinzu: „Samstagabends ist zuverlässig nichts mehr übrig.“

Seit 42 Jahren ist er inzwischen in Krefeld. Mit seiner Brotmanufaktur hat sich der Küchenchef einen Traum erfüllt. Er und sein Team beliefern inzwischen sogar andere Restaurants mit ihren italienischen Backwaren. Auch Geburtstags- und Hochzeitstorten sind auf Bestellung von Meisterhand zu haben. Eine Wendeltreppe führt hinab ins Herz der Manufaktur. In der Backstube haben Leonarda Bianco und Nunzio Scipione ihre Schicht begonnen. Sie übernehmen hier das Tagesregiment, nachdem Marco Sebastianelli nachts die Brotspezialitäten gebacken hat.  Das Ehepaar ist ein eingespieltes Team. Unter ihren Händen entstehen gerade mit Mascarpone-Vanille-Creme gefüllte Hörnchen und Windbeutel. Glücklicherweise ist die sizilianische Patisserie auch für deutsche Gaumen nicht zu süß, sondern genau richtig. Verwendet werden in Variation meist Mandeln, Pistazien und Haselnüsse. Vergessen sind Schwarzbrot und Erdbeerkuchen; zumindest für den Moment. In der Ecke knetet eine riesige Maschine friedlich etliche Kilo Ciabatta-Teig.

„Nunzio besteht darauf, alles selbst zu machen, sogar den Blätterteig, was sehr aufwändig ist“, kommentiert der Chef stolz den hohen Anspruch seines Freundes aus Kindertagen. „Und wir sind beide überzeugt davon, dass unsere Gäste das schmecken können. Außerdem ist es viel gesünder, alles frisch aus besten Zutaten herzustellen. Das hat die italienische Küche immer schon ausgemacht.“ Hier in Krefeld arbeiten sie jetzt wieder gemeinsam und haben sichtlich Spaß an ihren schmackhaften Kreationen. Beide haben sowohl kulinarische, als auch gastronomische Auslandserfahrungen, kochten und buken in renommierten Restaurants auf der ganzen Welt. Geblieben sind sie jedoch in Krefeld.

„Von hier aus sind wir schnell einmal in Italien“, sagt Salvatore Giunta, „da meine komplette Familie allerdings inzwischen hier in der Umgebung lebt und arbeitet, ist mein Lebensmittelpunkt in Deutschland.“ Interne Amtssprache der Brotmanufaktur ist selbstverständlich trotzdem Italienisch. Noch sprechen die meisten Gäste auch Italienisch, doch immer mehr Menschen wissen einen Kurzurlaub in dem kleinen Steh-Café mit der weißen Vespa vor der Türe zu schätzen. Bei gutem Wetter kann draußen über Cappuccino und Mandelgebäck hinweg das Treiben in der Innenstadt beobachtet werden. Zusätzlich zu den Stehtischen soll es bald auch gemütliche Sitzgelegenheiten geben, um die kleine Auszeit perfekt zu machen. Wer dann ab 19 Uhr immer noch nicht genug hat vom Dolce Farniente, der spaziert gemütlich die Rheinstraße in Richtung Sprödentalplatz hoch und bekommt von Salvatore Giunta noch einen Nachschlag Dolce Vita serviert. Das Leben kann so schön sein, auch in Deutschland.

Da Salvo Brotmanufaktur, Rheinstraße 130, 47798 Krefeld, 
Telefon: 02151 6545304, www.dasalvo-brotmanufaktur.de, 
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7.00 – 19.00 Uhr, 
Samstag von 8.00 – 15.00 Uhr