Sof. Sophie Voigt-Chadeyron

„Ich bin mit dem Stift in der Hand geboren worden!“, lacht Sophie Voigt-Chadeyron, fragt man sie nach ihrem Werdegang. Ein Besuch in ihrem Hülser Atelier zeugt davon, dass es nicht dabei geblieben ist, sondern dass hier eine Künstlerin ihrem scheinbar nie versiegenden Schaffensfluss freien Lauf lässt.

Sof. Sophie Voigt-Chadeyron

1969 auf der südwestfranzösischen Halbinsel Medoc geboren, ist Sophie Voigt-Chadeyron diplomierte Betriebswirtin, ihre Passion war jedoch von klein auf die bildende Kunst, in der sie sich privat hat ausbilden lassen

Gleich beim Betreten des Vorraums weiß man gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen soll: Zu den vielen Kleinformaten, die sortiert in einem Regal ihren Dornröschenschlaf abwarten, bis sie wieder hervor geholt werden und vielleicht den Besitzer wechseln? Oder zu den witzigen Objekten, bei denen scheinbar nicht miteinander zu Vereinbarendes eine fantasievolle, bisweilen ironische neue Einheit bildet? Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, der Sog zieht einen weiter in den ersten geräumigen Ausstellungssaal, Großformate schmücken die hohen Wände des Gründerzeit-Baus einer ehemaligen Seidenweberei, die – nachdem bereits ein Unternehmen für Kleinelektronik hier untergebracht war – seit gut anderthalb Jahren die neue Kreativheimat von Sophie Voigt-Chadeyron ist. Farbe, viel bunte Farbe bringt den Raum zum Leuchten, und wahrscheinlich ist dies auch der rote Faden, der sich durch das Leben der gebürtigen Französin zieht: „Die Vielfalt bewahre ich mir. Das ist wie im Leben, immer das Gleiche, das ist doch langweilig.“ Womöglich ist der Werdegang der Künstlerin, die seit etwa 2014 mit ihrem Spitznamen Sof signiert, ausschlaggebend, dass sie sich nicht in eine akademische Schule oder einem bestimmten Stil verschrieben fühlt: „Ich habe Kunst nicht in dem Sinne studiert, ich bin Diplom-Betriebswirtschaftlerin, war Gasthörerin an der renommierten Académie des Beaux Arts in Paris und habe Privatunterricht bei Professor Rémi Leprince an der Kunsthochschule Penninghen genommen.“ In ihrer Kindheit waren die Impressionisten, allen voran die Bilder von Monet, Manet und van Gogh ihre Leidenschaft, von denen Poster in ihrem Zimmer hingen. Aber auch das kräftige, expressionistische Kolorit eines Macke prägte Sof.

„Ich habe immer verschiedene Projekte gleichzeitig um mich herum stehen, und wenn ich an einem nicht weitermachen möchte, gehe ich einfach zum nächsten.“

Nach Deutschland kam sie 1994, sie ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. Selbstständig machte sie sich 2003, und da zum freischaffenden Künstlerdasein mehr gehört als die Tage und Nächte im Atelier, kann sie ihren kaufmännischen Hintergrund gewinnbringend nutzen: „Die Logistik, die hinter einer Ausstellung steht, ist enorm. Ich muss nicht nur die Verbindungen herstellen, sondern vor allem auf die finanzielle Ausgewogenheit achten. Allein, wenn ich Großformate transportieren muss – die sind schon mitunter 200 mal 300 Zentimeter groß – das geht immer öfter nicht ohne Mietwagen. Dazu noch die ganze Vorbereitungszeit sowie die Fahrt- und Unterbringungskosten, die werden von den wenigsten Ausstellern getragen. Das Ganze kostet einfach Zeit und Geld. Und niemand garantiert mir, dass meine Werke hinterher auch Abnehmer finden.“ Wertvolle Hilfe erhält die lebenslustige Frau auch von ihrer Krefelder Galerie Egon Heidefeld und Partner. Um sich ihre Werkstätte unabhängig vom Familienbesitz zu ermöglichen, hat Sof hier auch Wohnräume eingerichtet, teils mit Antiquitäten, teils mit eigenen Objekten, jedoch immer mit ihren Gemälden. Diese atmosphärischen Zimmer vermietet sie als Ferienwohnung über Airbnb Krefeld-Hüls für Touristen und Messegäste, nutzt sie aber auch für Gruppenausstellungen mit befreundeten Künstlern. Dass ihr ein einziges Tätigkeitsfeld nicht ausreicht, spiegelt sich auch in ihrem alltäglichen Arbeiten: „Ich habe immer fünf, sechs, sieben verschiedene Projekte gleichzeitig um mich herum stehen, und wenn ich an einem nicht weitermachen möchte, gehe ich einfach zum nächsten. Dabei sind es immer unterschiedliche Stile, die ich bediene.“ Inspiration findet Sof überall: „Ich stehe beim Malen immer auf Pappe, manchmal schaue ich herunter und eine neue Idee springt mich förmlich an.“ Nicht nur Papier, auch Bauabfall, der aus der Restaurierung ihres Ateliers stammt, Treibholz aus dem Mittelmeer und andere Naturmaterialien kombiniert sie mit technischen Elementen wie dem Kettenblatt eines Fahrrads oder einem Wasserhahn zu pfiffigen Montagen. Besonders einfallsreich ist ebenso die Weiterverarbeitung ihrer Palettenreste. Eingetrocknet bilden sie eine farbprächtige Ausgangsbasis für Kunst auf der Schnittstelle von zweidimensionaler Malerei und dreidimensionaler Plastik, mal abstrakt auf ausladenden Leinwänden, mal figürlich-konkret im minimalistisch-weißen Holzrahmen.

,Menschliche Figuren, sei es im realistischen Portrait oder als anonymer Schattenriss, sind ohnehin immer wieder das Hauptthema in Sofs mannigfaltiger und virtuoser Bandbreite. Da wundert es nicht, dass ihre auch die Kunstvermittlung an Klein und Groß durch spezielle Veranstaltungen für Schüler wie für Erwachsenengruppen am Herzen liegt: „Regelmäßige Kurse möchte ich nicht anbieten, dafür ist meine Zeit einfach zu knapp. Stattdessen werde ich sporadisch Abendveranstaltungen für Erwachsene anbieten: Meine so genannten ,Mal mal Mal’Events‘. Die finden gewöhnlicher Weise am Freitagabend von 18.00 bis etwa 23.00 Uhr für bis zu 15 Teilnehmer statt.“ Buffet, Getränke und Malmaterialen sind inklusive. Für die Kleineren wird sie in den Herbstferien 2018 erstmals beim Landesprojekt Kulturrucksack die Projektwoche „Bienvenue – Erlebe Malen und Erschaffen mal anders“ ganz ,à la Sof‘ durchführen.

Die Stille ihrer weitläufigen Räumlichkeiten möchte sie ferner unter anderem mit Klängen von und für Besucher füllen und hat daher eine Konzertreihe ins Leben gerufen. In unregelmäßigen Abständen lädt sie Musiker verschiedenster Herkunft ein, in ihren stimmungsvollen Ausstellungshallen das Spannungsfeld Farbton und Tonfarbe zu erforschen, was vom Publikum mit großer Begeisterung angenommen wird. „Der nächste Termin ist am 9. Dezember 2017“, lächelt Sof und fügt hinzu: „Ich freue mich über viele Besucher, natürlich auch, wenn ihnen neben der Musik meine Werke gefallen.“

 

 Sof. Sophie Voigt-Chadeyron,
Am Brustert 61a,
47839 Krefeld-Hüls
Tel.: 0157 751 60 926,
atelier@sophieart.de,
www.sophieart.de

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