„Es gab unheimlich viele Dinge, die nicht funktionierten. Nach der Meisterschaft 2003 ging es sportlich immer weiter bergab. Viele Fans hatten den Eindruck, dass aus der Meisterschaft zu wenig gemacht wurde, und bei vielen entwickelte sich Unmut. Da spielte auch die Angst mit, dass der ganze Eishockey-Standort Krefeld den Bach runtergehen würde“, schildert Christoph Fleckenstein die Situation, in der es bei den Krefeld Pinguinen um die Existenz zu gehen schien.

Christoph Fleckenstein: 32 Jahre Tribünen-Pinguin mit Leib und Seele

Dem gebürtigen Münchener, der am Hülser Berg aufgewachsen ist, ging das damals sehr nah, denn seine Biografie ist untrennbar mit dem Krefelder Eishockey verbunden. „Mit 18 bin ich zum ersten Mal in der Rheinlandhalle gewesen. Das hat bei mir angefangen wie bei vielen anderen wahrscheinlich auch. Irgendein Kumpel hat mal gesagt, ich soll mitkommen, und dann bin ich mit. Und von dem Tag an war ich eigentlich immer da“, erzählt Christoph Fleckenstein, wie er mit dem schwarz-gelben Virus infiziert wurde. Lediglich seine Position im Stadion hat der heute 50-Jährige verändert, er ist von der Nordtribüne mit ihren treuesten Anhängern auf die Haupttribüne gewechselt, wo er schon bald in Kontakt mit den Offiziellen des damaligen KEV und der heutigen Krefeld Pinguine kam. „Es kam damals die Idee auf, dass man während des Spiels und in den Pausen Musik in der Halle spielen könnte. Heute ist das natürlich längst gang und gäbe, aber zur damaligen Zeit war das etwas völlig Neues. Damals habe ich in einigen Krefelder Diskotheken aufgelegt, und plötzlich saß ich in der Sprecherkabine und habe neben Moderator Axel Thiele die Spiele musikalisch begleitet“, erinnert sich Christoph Fleckenstein. Und auch außerhalb Krefelds waren für ihn freie Tage ohne die Pinguine bald schon mehr eine Ausnahme als die Regel: „Auswärts habe ich fast alles mitgemacht. Damals gab es noch Aufstiegsrunden gegen Mannschaften aus dem Süden. Dann hab ich halt 14 Tage Urlaub gemacht und fuhr nach Kaufbeuren, Bayreuth oder an den Rießersee. Das war schon fast Usus damals“, schwärmt der Mann mit der hohen Stirn.

Diese Erinnerungen liegen viele Jahre zurück. Deutlich präsenter ist Fleckenstein der Nach-Meisterschafts-Blues. Nichts lief mehr richtig, und es keimte bei den Fans die Gewissheit auf, dass sich etwas tun muss. Sie wollten eine Stimme bekommen, ernst genommen werden. Just in dieser Periode gab der seinerzeit qua Amt und Persönlichkeit mächtige CDU-Politiker Winfried Fabel ein Interview, in dem er anbot, dass jeder, der möchte, Gesellschafter werden kann. „Daraufhin haben wir die Aktion ‘1.000 PS, 1.000 Pinguine Supporters’, ins Leben gerufen. Jeder, der mitmachen wollte, musste einmalig 20 Euro in den Topf schmeißen. Wir haben nicht im Traum daran gedacht, dass es klappen könnte. Aber so ist tatsächlich das nötige Kapital zusammengekommen, und die Supporters konnten Gesellschafter werden“, erzählt Fleckenstein und strahlt dabei immer noch. Die Pinguine sind seitdem der einzige Profiklub im deutschen Sport, bei dem die Fans stimmberechtigte Mitgesellschafter der Betreiber-AG sind. Mit Wirtschaftsprüfer Christian Weyers kann ein Mitglied der Fangemeinschaft jetzt bei allen wichtigen Fragen mitreden. Die Pinguine Supporters unterstützen aber nicht nur die Profimannschaft der Krefeld Pinguine, sondern engagieren sich auch in beträchtlichem Maß für den Nachwuchs: „Wir haben in den letzten Jahren eine hohe fünfstellige Summe für den KEV 81 aufgebracht“, berichtet Fleckenstein.

Christoph Fleckenstein: 32 Jahre Tribünen-Pinguin mit Leib und Seele

„Es kam damals die Idee auf, dass man während des Spiels und in den Pausen Musik in der Halle spielen könnte. Heute ist das natürlich längst gang und gäbe, aber zur damaligen Zeit war das etwas völlig Neues.“

Er selbst gehört, anders als zur Gründerzeit der Supporters, nicht mehr dem Vorstandsteam der Truppe an. Unterschiedliche Auffassungen über die Positionierung der Eishockeyfreunde waren vor rund zwei Jahren der Grund für Fleckenstein, sich zurückzuziehen. „Ich bin der Auffassung, dass die Pinguine Supporters eine ganz klare Aufgabe haben. Nämlich an die Öffentlichkeit zu treten, ganz klare Meinungen zu vertreten und diese auch einzufordern. Einfach etwas lauter sein. Ich bin derjenige, der die Piratenflagge hochzieht“, beschreibt Fleckenstein seine direkte Art, für die es im Vorstand der Supporters zuletzt keine Mehrheit mehr gab.

Dabei findet es der einstige Lockenkopf gerade in der jetzigen Situation wichtig, dass die Fans wieder lauter werden. Im derzeitigen Streit mit den Betreibern des Königpalasts sieht nicht nur Fleckenstein den DEL-Standort Krefeld in seiner Existenz bedroht. „Die Situation ist zwar insofern besser als nach der Meisterschaft, weil die Pinguine diesmal nicht innere Grabenkämpfe austragen, sondern mit einer anderen Partei Streit haben, aber kleinreden sollte man das Problem trotzdem nicht“, findet er. Bis zum 15. Februar müssen die Pinguine einen gültigen Mietvertrag vorweisen, lagen aber zuletzt noch mit dem Königpalast im Clinch. Es geht um Mieteinnahmen aus den Logen, um Cateringverträge und vermeintlich nicht mehr zeitgemäße Bedingungen am DEL-Standort Krefeld. Ginge es nach Fleckenstein, würden die Pinguine Supporters mit 1.000 Anhängern vor das Rathaus ziehen und sich deutlich positionieren. Doch egal, ob sie unter lautem Protest oder mithilfe von stiller Diplomatie herbeigeführt wird: Eine Einigung zwischen den Pinguinen und dem Königpalast wünschen sich alle Fans. Damit in Krefeld nicht mehr über die Finanzen, sondern wieder mehr über Auswärtsfahrten diskutiert wird: nach Kaufbeuren, Bayreuth oder an den Rießersee.