Am zweiten Wochenende im Juni verwandelt die bereits siebte Auflage des Stadtfestivals „Kultur findet Stadt(t)“ die Krefelder Innenstadt einmal mehr in einen kulturellen Hotspot. Die Straßen, Plätze und Geschäfte werden dabei zu einer gemeinschaftlichen Bühne für die kulturelle Vielfalt der Seidenstadt. Tanz, Literatur, Streetart, Urban Dance und Live Musik unterhalten die Besucher bis in den späten Abend, und ein großer Kreativ- und Kulturmarkt lädt zum Stöbern ein. Neben bewährten Aktionen und Akteuren darf man sich 2017 erstmalig auch auf einen sogenannten Koffermarkt freuen, der rund um das Behnisch Haus stattfinden wird. 

Kultur findet Stadt(t): DaWanda zum Anfassen„Beim Begriff Koffermarkt denkt man natürlich zunächst einmal an eine Verkaufsaktion für Reise-Utensilien“, sagt Ulrike Meyerhöfer-Wolf, Inhaberin des Teefachgeschäfts „Das Teehaus“ und klärt auf: „Das ist jedoch ein Trugschluss. Tatsächlich sind Koffer bei dem innovativen Konzept nur die Präsentationsfläche für die eigentlichen Waren.“ Das Prinzip ist gleichermaßen überraschend wie einfach: An etwa 50 Ständen rund um das Behnisch Haus präsentieren kreative Köpfe aus Krefeld und umliegenden Städten ihre handgemachten Waren und bieten sie zum Verkauf an. Die einzigen beiden Bedingungen sind, dass alle angebotenen Produkte selbst hergestellt sein müssen und in einem oder mehreren Koffern präsentiert werden. „Nachdem wir für die Veranstaltung geworben hatten, erhielten wir überwältigend viele und überraschend hochwertige Bewerbungen. Da war es gar nicht so leicht, eine Auswahl zu treffen“, fasst Meyerhöfer-Wolf, ihres Zeichens Mit-Initiatorin des Koffermarktes, die Bewerbungsphase zusammen und strahlt beim Gedanken an die vielen kleinen Kostbarkeiten: „Es werden Buchbinder, Portrait-Maler, Schmuck-Hersteller und viele weitere Kunsthandwerker verschiedenster Sparten ausstellen. Darunter wird es sowohl hauptberuflich Kunstschaffende, als auch viele Hobby-Handarbeiter geben.“ Neben der Möglichkeit, die Unikate zu erwerben, wird zudem der schönste Koffer öffentlich prämiert. Doch auch ein erzieherischer Aspekt wohnt dem Event inne, wie die engagierte Geschäftsfrau erklärt: „Wir wollen Kinder- und Jugendliche für Handarbeit begeistern und das angestaubte Image des Selbstgemachten überwinden. Daher wird es Mitmach-Aktionen geben, bei denen einige der Aussteller ihre Handarbeit präsentieren.“

„Beim Koffermarkt geht es darum, die Akteuere und ihre Unikate raus aus dem Internet auf die Straße zu holen. Ich nenne es deshalb auch gerne DaWanda zum Anfassen.“

Handarbeit ist natürlich nie wirklich aus der Mode gekommen, doch in den letzten Jahren ist ein Trend hin zum anonymen Verkauf im Internet zu beobachten. „Beim Koffermarkt geht es darum, die Akteure und ihre Unikate raus aus dem Internet auf die Straße zu holen. Ich nenne es deshalb auch gerne DaWanda zum Anfassen“, scherzt Meyerhöfer-Wolf mit Blick auf den beliebten Internet-Marktplatz für Selbstgemachtes. Die Idee für den Koffermarkt kam der Krefelderin, die in ihrer Freizeit selbst hochwertige Foto-Alben und Karten aus Papier herstellt, als sie im vergangenen Herbst ihre Tochter in Trier besuchte. Was ein Koffermarkt ist, wusste sie zu diesem Zeitpunkt nicht und geriet bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter zufällig hinein. „Stände mit bunten Schirmen, antike Koffer mit handgefertigten Kostbarkeiten – es war eine einmalige Atmosphäre. Als ich über den Markt schlenderte, war ich sofort Feuer und Flamme und dachte: Wenn Trier so etwas auf die Beine stellen kann, kann Krefeld das auch“, erinnert sich Meyerhöfer-Wolf und öffnet vergnügt einen Karton mit Sonnenschirmen, die im Juni die Stände rund um das Behnisch Haus bunt einfärben werden. Dass die Wahl des passenden Ortes auf das moderne Gebäude in der Innenstadt fiel, war dabei kein Zufall. „Natürlich ist der Koffermarkt primär eine Veranstaltung für Frauen. Da muss man sich nichts vormachen“, lacht die Initiatorin und fügt hinzu: „Das Behnisch-Haus mit seiner zentralen Lage und den vielen Gastronomien ist deshalb ideal. So kann die Begleitung dem bunten Treiben bei Bedarf auch ausweichen.“

Mit der Einschätzung, dass der Koffermarkt in der Seidenstadt auf fruchtbaren Boden fallen wird, sollte Meyerhöfer-Wolf recht behalten, denn beim Krefelder Stadtmarketing stieß die bekennende Krefelderin auf offene Türen: „Gemeinsam mit meinen Mitstreitern Susanne Dostert und Torsten Feuring konnte ich die Stadt schnell vom Konzept überzeugen und war überrascht, auf derart viel Gegenliebe zu stoßen.“ Beim Blick in das Programm des Kulturfestivals überrascht dieser Umstand nicht, denn der Koffermarkt fügt sich nahtlos in das bunte Programm ein, wie Organisator Uli Cloos vom Stadtmarketing ausführt: „Kultur findet Stad(t) war von Anfang an darauf bedacht, Entertainment nicht von außen einzukaufen, um Menschen zu bespaßen. Stattdessen will das Event Kultur aus Krefeld komprimiert auf die Straße bringen, die an 365 Tagen im Jahr an unterschiedlichen Orten in der Stadt stattfindet. Der Impuls von Frau Meyerhöfer-Wolf passte dabei perfekt in unser Gesamtkonzept. Wir freuen uns auf einen tollen ersten Krefelder Koffermarkt.“

„Kultur findet Stad(t)“: am 9. und 10. Juni an verschiedenen Stellen in der Krefelder Innenstadt. www.krefeld.de/de/stadtmarketing/kultur-findet-stadt-t/

Der Koffermarkt als Teil des Festivals findet statt am Samstag, 10. Juni, rund um das Behnischhaus an der Petersstraße in 47798 Krefeld statt.