Heshima Kinderförderung

„Egal, wo man hilft, man hilft!“ Mit dieser erschreckenden Erkenntnis über die Gesellschaftsstruktur in Kenia macht es sich der in Krefeld ansässige gemeinnützige Verein „Heshima-Kinderförderung e.V.“ zur Aufgabe, Kindern in der Metropolregion Mombasa ein Zuhause zu bieten. Dabei ist sein Leitmotiv, auch vom Niederrhein aus die Kontrolle über sämtliche Zuwendungen zu haben und so transparent wie möglich zu arbeiten.

Alles begann mit einem Treffen im Jahr 2010 in der Kult-Kneipe „Quincy“. Die temperamentvolle Wahl-Krefelderin Lucy Riewoldt hatte von ihrer Heimat Kenia und den vielen armen Straßen- und Waisenkindern erzählt. Sie selbst stammt aus dem Hochland des ostafrikanischen Staates und kam der Liebe wegen nach Deutschland. Nach einer schicksalshaften Begegnung mit einem bettelnden Jungen unterhielt sie aus der Ferne mit ihrer vor Ort lebenden Mutter bereits ein kleines Waisenhaus.
Für Franz-Peter Janßen waren dies bekannte Geschichten, lebte er in den 1980er und 1990er Jahren doch selbst dort und kannte Land und Leute. Der Gedanke, nicht bloß Spenden an Hilfsorganisationen zu überweisen, bei denen man nicht nachvollziehen kann, ob und wie sie den Bedürftigen zukommen, sondern selbst auf dem Gebiet der Entwicklungsarbeit tätig zu werden, war geboren – und mit ihm die Vereinsgründung von „Heshima“, was auf Suaheli so viel heißt wie Würde oder Respekt. Würde und Respekt den besonders Hilflosen, nämlich den Kindern, die auf sich allein gestellt sind und im und von Müll leben, entgegenzubringen, haben sich die ehrenamtlich tätigen Seiden­städter auf die Fahne geschrieben. „Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich ist in Kenia gigantisch“, berichtet Franz-Peter Janßen. „Nairobi beispielsweise ist eine supermoderne Stadt, der dortige Slum ist jedoch neben dem südafrikanischen der größte.“ Ein armes Land sei Kenia nicht, allerdings korrupt, erläutert Janßen weiter und verdeutlicht dies an Anekdoten aus dem touristischen Alltag. Sein Sohn Patrick ergänzt lachend: „Wenn meine Brüder und ich auf Englisch mit Händlern verhandeln, versuchen sie uns über den Tisch zu ziehen. Packt mein Vater jedoch seine Sprachkenntnisse aus, wird er gleich wie einer von ihnen behandelt. Die unglaublich warmherzigen Menschen dort begrüßen ihn dann gleich mit Sätzen wie ,Wir wussten gar nicht, dass du unser Bruder bist!‘“.

 

Franz-Peter Janßen, 1. Vorsitzender des Heshima-Kinderförderung e.V.

Franz-Peter Janßen, 1. Vorsitzender des Heshima-Kinderförderung e.V.

„Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich ist in Kenia gigantisch!“

Die Auswahl der Bewohner erfolgt nach den Kriterien der Bedürftigkeit
Die Akzeptanz bei den Einheimischen trägt sehr zum Gelingen der verschiedenen Projekte bei, die der Verein bisher realisiert hat. Dabei hat sich der Kerngedanke Waisenhaus nie geändert, sodass dieses bereits 2014 eröffnet werden könnte. „Von Anfang an hatten wir vor, Volontären aus Deutschland die Möglichkeit zu geben, beispielsweise nach dem Abitur für einige Monate einen Auslandsaufenthalt in unserer Einrichtung zu verbringen. Lucys Heimatstadt im Hochland ist von Europa aus nur sehr mühsam zu erreichen, daher haben wir mit Mtapwa bei Mombasa einen anreisefreundlicheren Standort gewählt, der sich gleichzeitig mit seinem Strand am Indischen Ozean für Urlaubstage eignet“, erklärt Franz-Peter Janßen. Lucy Riewoldt fand ein geeignetes Grundstück und überließ es dem Verein für zwanzig Jahre zur Nutzung. Die Auswahl der Kinder, die in das Waisenhaus einziehen dürfen, erfolgt zum einen auf Vorschlag der Schulleiterin der benachbarten Primary School, zum anderen nach Kriterien der besonderen Bedürftigkeit. Oder das Schicksal führt die Kinder zum „Heshima“-Waisenhaus, wie im Fall von Mohamed und seiner Zwillingsschwester ­Mwanaisha: Der Junge wurde völlig ausgehungert gefunden und zum Haus gebracht. Als er Vertrauen gefasst hatte, fragte er, wo seine Schwester sei. Über Mund-zu-Mund-Propaganda wurde diese zwei Tage später auf einer 40 Kilometer entfernten Müllhalde gefunden und umgehend medizinisch versorgt. Hätte die Suche nur ein wenig länger gedauert, wäre Mwanaisha unter menschenunwürdigen Umständen gestorben.

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Gemeinsam mit den derzeit zehn jungen Bewohnern leben eine studierte Sozialarbeiterin sowie Lucy Riewoldts Schwester und deutsche Volontäre in dem von Hand gebauten Haus. Ein Koch und eine Küchenhilfe sind ebenfalls dort angestellt. Sämtliche Lohnkosten werden vom Verein getragen. Schatzmeister Bernd Gröbell schlüsselt die Zuwendungen auf: „Neben diesen Gehältern und den Lebenserhaltungskosten bestreiten wir aus unseren Einnahmen insbesondere die Schulgelder für unsere Kinder. Sie müssen sich die Schulen so vorstellen: Öffentliche Schulen sind kostenfrei, in einer Klasse sind gut 120 Schülerinnen und Schüler, bisweilen findet der Unterricht unter einem Baum statt. Da wir jedoch für eine nachhaltige Ausbildung ­sorgen, besuchen unsere Schützlinge eine Privatschule.“ Hier bestünden die Klassen etwa aus zwanzig Kindern. Nach acht Jahren wechseln die Bewohner des Waisenhauses auf eine Secondary School, die als Internat jedoch bedeutend teurer sei. Dennoch ließe sich per Patenschaft und einem Spendenbeitrag von monatlich 29 Euro an „Heshima“ alles finanzieren. „Unser ältestes Kind ist schon lange kein Kind mehr und studiert mittlerweile Betriebswirtschaftslehre, die Nächstälteste besucht eine Gastronomieschule“, ergänzt Franz-Peter Janßen nicht ohne eine gewisse Zufriedenheit.

Bernd Gröbel, Schatzmeister des Heshima-Kinderförderung e.V.

Bernd Gröbel, Schatzmeister des Heshima-Kinderförderung e.V.

„Mit nach unseren Maßstäben wenig Geld können wir Leben glücklich machen!“

Heshima Kinderfördeung Broschüre

Sämtliche Kosten werden vom Verein getragen
„Sie müssen einmal dorthin fahren, es ist die Belohnung schlechthin!“, fährt Bernd Gröbel fort. „Mit nach unseren Maßstäben wenig Geld können wir Leben glücklich machen!“ Daher lässt er sich immer neue Fundraising-Ideen einfallen, um über den täglichen Bedarf hinaus finanzielle Mittel für zusätzliche Vorhaben zu sammeln – so zum Beispiel eine Charity-Kooperation mit dem Eishockeyclub Pinguine Hüls 1975, der vier Freundschaftsspiele von November bis März zugunsten von „Heshima“ veranstaltet. Dank solcher Aktionen konnte im März dieses Jahres ein eigener Brunnen auf dem Grundstück des Waisenhauses in Betrieb genommen werden. „Es gibt zwar eine städtische Wasserversorgung, die ist jedoch unzuverlässig. Die Rohre sind eine Verschwendung“, bringt es Patrick Janßen, der sich erstmals 2012 ein Bild von der Vereinsarbeit in Mtapwa gemacht hat, auf den Punkt. Im kommenden Januar soll mit dem Bau eines reinen Jungenhauses begonnen werden, auch ist geplant, eine Solar-Werkstatt einzurichten, in der Jugendliche eine Anstellung finden können. „Eine namhafte Stiftung ist auf uns zugekommen, um mit uns gemeinsam diese Idee zu verwirklichen, sie wird einen Großteil der Finanzierung übernehmen“, verrät Franz-Peter Janßen: „Zudem konnten wir das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung von diesem Projekt überzeugen, 75 Prozent der Gesamtkosten wird daher der Bund zahlen.“ Hierzu beigetragen hat sicher auch, dass das Waisenhaus seit einem halben Jahr den offiziellen Status eines staatlich anerkannten Rescue Centers innehat. Diese sind in Mombasa, wo rund 50.000 Straßenkinder leben und schätzungsweise noch einmal so viele in ihren Familien misshandelte Kinder, lebensnotwendig. Gleichzeitig muss man sich vor Augen halten, dass die Hafenstadt in vielen Punkten weitaus fortschrittlicher ist als unser europäischer Lebensstandard: „Überall dort ist wesentlich besseres Internet als hier“, weiß Patrick Janßen. Bezahlt wird über das Handy, eine Methode, die in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, bei der Kenia jedoch weltweit Vorreiter war. So wundert es nicht, dass zwischen dem Vereinsvorstand und dem Team vor Ort täglicher Kontakt über die sozialen Medien besteht. Vieles kann so ganz unbürokratisch, aber effektiv und nachvollziehbar geklärt werden. „Jeder Cent, der uns zuteil wird, fließt aufgrund unseres ehrenamtlichen Engagements ausschließlich in die Kinderförderung. Selbst die Reisekosten von gut 2.000 Euro pro Person, die wir für unsere Besuche aufbringen, zahlen wir aus eigener Tasche“, betont Schatzmeister Bernd Gröbel. Aber vor allem möchten er und Franz-Peter Janßen persönlich über ihr Engagement informieren: „Wir haben eine tolle Story, wir sind begeistert und wir können über unsere Herzenssache sprechen – sei es vor Kleingruppen oder Schulklassen! Man darf uns gerne kontaktieren.“

 

Heshima-Kinderförderung e.V.,
Hülser Straße 135, 47803 Krefeld
Tel.: 02151/150315,
E-Mail: info@heshima.de

www.heshima.de