Was kostet der? 
Wie schnell läuft der denn? 
Und was verbraucht der so?
Wenn Sie einen Oldtimer-Restaurator so richtig auf die Palme bringen möchten, dann stellen Sie ihm diese Fragen und benutzen zusätzlich den abgedroschenen Begriff „altes Schätzchen“. Zumindest bei Jörg Enger vom Oldtimerservice wäre dann die (Auto)Türe zu.

Der „Oldtimer-Versteher“: 
Der Oldtimerservice von Jörg Enger

Jörg Enger organisiert seit fünf Jahren auch die Talkshow „Lott ens schwaade!“

 

Begehrlichkeit ist ein großes, emotionales Thema auf dem Oldtimermarkt. „Ob ein Auto 10.000 Euro oder eine Million Euro kostet, ist völlig uninteressant, es sei denn, man will es kaufen“, sagt der Mittvierziger, der seine Ausbildung zum Autosattler vor vielen Jahren mit Bestnoten abgeschlossen hat und dann Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung der ehemaligen Deutschen Fibrit in Grefrath wurde. Die Firma produzierte Fahrzeuginterieur. Kurze Zeit später machte Jörg Enger in einem Oldtimerbetrieb in Brüggen-Bracht seinen Traum von der Arbeit mit alten Autos wahr.
Seit 1994 sitzt er im eigenen Unternehmen am Steuer. Einziger Mitarbeiter seit 15 Jahren ist Sergej Nowikow aus Kasachstan, ebenfalls Autosattler. Beide haben kürzlich neben dem Tagesgeschäft den Umzug vom Gewerbegebiet Fichtenhain in die City gestemmt. Das bisherige Gebäude wurde für die Firmenexpansion eines Nachbarn gebraucht. Die neue Licht durchflutete Halle befindet sich an der Moerser Straße 75. Ein Glücksgriff. Am Ende der unspektakulären Einfahrt zur Oldtimerhalle steht die 41 Jahre alte beigefarbene Mercedes Benz 200 Strich 8-Limousine von Jörg Enger – für ihn ein ganz normales Alltagsvehikel, für Besucher schon ein erster Hingucker. Davon warten drinnen einige mehr – wenn man etwas Phantasie hat. Denn fertig restaurierte Autos findet man bei Jörg Enger selten. „Die sind meist keine Stunde später weg“, schmunzelt der Restaurator und beschreibt damit einen Wesenszug seiner Kunden: „Sobald ein Fahrzeug in Auftrag gegeben worden ist, beginnt bereits das Warten. Manche können ganz schön ungeduldig sein, vor allem, wenn es dem Ende zugeht. Ein Kunde kam jeden Tag in die Werkstatt, um sich vom Fortschritt zu überzeugen“, erzählt der Oldtimer-Fachmann.
Das sei manchmal anstrengend, ist aber auch nachvollziehbar. Denn im Gegensatz zu einer konventionellen Autoreparatur geht es hier um etwas ganz anderes: Oldtimerliebhaber gehen mit ihrem Fahrzeug eine emotionale Bindung ein. Es weckt Erinnerungen an ihre Kindheit oder Jugend. Und sie sind Individualisten mit hohem Qualitätsanspruch. Da möchte man eben auch schon einmal bei der Handfertigung zuschauen. Die wird gerade einem wuchtigen dunkelgrünen Bentley S2 Convertible zuteil. Durch die noch glaslosen Fensteröffnungen erkennt man das hölzerne Armaturenbrett, das dem Namen „Brett“ wirklich alle Ehre macht.

„Mich interessiert alles, außer Fußball und wie mein Computer funktioniert.“

Daneben verliert sich fast der Rumpf eines Nash Metropolitan. Nackt, nur mit Haftgrund versehen, steht er da und wartet auf seine weitere Restaurierung. „Das ist mein allererster Oldtimer“ sagt Jörg Enger leise und erinnert sich an seine 1.500 Kilometer lange Schwedenreise in den 1990er Jahren, als dieser „Föppi“ (O-Ton Enger) seine Frau und ihn zu einem Oldtimertreffen gebracht hat. Auf der Rückfahrt quoll dann schwarzer Rauch aus dem Auspuff. Krefeld haben die drei aber noch erreicht.
Weil Kundenaufträge vorgehen, muss der Nash Metropolitan noch auf seine Fertigstellung warten. Die dunkelrote Borgward Hansa 2400 Stromlinien-Limousine hat es da besser. Ihr späteres Aussehen ist schon jetzt deutlich zu erkennen. Außerdem warten – teilweise unter Decken – auf ihre Restaurierung ein Alfa Romeo 1900 S Worblaufen Roadster in Blaumetallic, ein Mercedes-Benz 380 SLC R107 und eine Mercedes-Benz 220 W187 Limousine, die allerdings noch sehr offen dasteht.
Eine echte Herausforderung ist der Neuzugang: ein Mercedes Benz 220 Cabriolet aus dem Jahr 1954. Eigentlich ist es nur das Skelett eines künftigen Autos. Es wurde gerade von einem niederländischen Kunden aus Florida über den Großen Teich verschifft. „Er hatte meinen Materialgroßhändler ausfindig gemacht und ihn dann gefragt, ob er jemanden kennen würde, der ihm sein Auto wieder zusammenbaut. So bin ich an den Auftrag gekommen“, erzählt Jörg Enger und fügt hinzu: „Bei dem Projekt darf nichts schiefgehen. Es muss innerhalb von einem Jahr die EU wieder verlassen, sonst muss der Kunde zweimal Zoll zahlen: für den Import nach Deutschland und für den Export in die USA. Für die sogenannte ,Lohnveredelung‘ habe ich genau 12 Monate Zeit.“ Als erfahrener und cleverer Restaurationsprofi hat er sich bereits im Vorfeld alle Ersatzteile besorgt, die er eventuell gebrauchen könnte. Jetzt läuft die Zeit.

Der „Oldtimer-Versteher“: 
Der Oldtimerservice von Jörg Enger

Und damit rückt die Fertigstellung seines Nash Metropolitan noch ein Stück weiter in die Ferne. Mehr Aufmerksamkeit dagegen bekommen die Ledermuster und Stoffbahnen aus der riesigen Kollektion von Jörg Enger, die als Muster für laufende Restaurationen dienen. 180 verschiedene Restlederstücke bisheriger Aufträge in vielen Grautönen, aber auch in Rot, Gelb und Grün, dienen Kunden als Orientierung. „Ich kann noch weitaus mehr bestellen“, betont der Autosattler. Hunderte Stoffmuster-Rollen füllen ebenfalls die Regale. Manche sind von Stofffirmen ausgemusterte, teilweise 25 Jahre alte Rollen. So auch die Sonderanfertigung des italienischen Industriedesigners Pinin Farina aus dem Jahr 1929. Der Clou: In einem Fahrzeug verwendete man drei verschiedene Muster eines Stoffes in Taubenblau-Creme – für die Sitze Zacken, für die Türinnenverkleidung eine Kombination aus Streifen und Punkten.

Bei verrückten Farbwünschen seiner Kunden schaltet sich der „Oldtimer-Versteher“ übrigens ein und besteht auf seiner Fürsorgepflicht: „Ich muss sie vor Schaden bewahren. Wenn jemand sein Auto in Rosa mit gelben Tupfen lackiert haben möchte und sich innen grünes Leder mit weißen Streifen wünscht, dann würde ich aus finanziellen Gründen davon abraten. Denn man investiert unglaublich viel Geld in etwas, das später niemand mehr haben will. Meistens zieht das Argument.“

Der Oldtimerservice GmbH, Jörg Enger, Moerser Straße 75, 
47803 Krefeld, Telefon: 02151-3612138, www.deroldtimerservice.de