Rein statistisch betrachtet, kracht es im Krefelder Straßenverkehr 23 Mal am Tag. Im Jahr 2017 sind insgesamt 841 Personen verletzt worden. Fünf Menschen sind tödlich verunglückt. Ein historischer Tiefstwert, der auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen ist. Polizeiliche Präventivmaßnahmen gegen Handy am Steuer („Lenk dich nicht App“) oder gegen Kinderunfälle (Initiative „Krefelder Fairkehr“) sind dafür ebenso verantwortlich wie konsequent durchgeführte Geschwindigkeitskontrollen und die Entschärfung sogenannter Unfallhäufungsstellen.

 

Einmal jährlich bestimmen und analysieren Vertreter der Polizei, der Straßenbaubehörde und der Verkehrsbehörde im Rahmen einer Unfallkommission die Orte der Seidenstadt, an denen es am häufigsten kracht. Während die Polizei Daten zuliefert und vor allem Ursachen benennt, sind die städtischen Behörden anschließend für etwaige bauliche Veränderungen zuständig. „Ob eine Kreuzung als Unfallhäufungsstelle deklariert wird, hängt von Anzahl und Schwere der Unfälle in Relation zum Verkehrsaufkommen ab“, erklärt Polizeihauptkommissar Frank Ishorst, der als Stellvertreter der Führungsstelle Verkehr und Mitglied der Unfallkommission über die neuesten Zahlen verfügt. Mit ihm und Pressesprecherin Katrin Wentker haben wir noch vor der offiziellen Analyse vier der fünf Hauptverkehrsbrandherde in Augenschein genommen und die Unfälle rückblickend aufgearbeitet.

 

Berliner Straße/Essener Straße (sechs Unfälle)

An der Kreuzung Berliner Straße/Essener Straße haben sich 2017 sechs Unfälle ereignet. Ein Mensch ist dabei tödlich verunglückt und ein weiterer leicht verletzt worden. Bei den anderen Unfällen ist glücklicherweise nur Sachschaden entstanden. Auffällig ist hierbei die Häufung der Unfälle am Vormittag bei tiefem, ungünstigem Sonnenstand, der vor allem die von der Essener Straße auf die Autobahn fahrenden Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt. „Alle Unfälle fanden auf der Kreuzung und nicht an der Ampel statt. Daraus folgern wir, dass Autofahrer aufgrund der blendenden Sonne das Rotlicht übersehen haben könnten und auf die Kreuzung aufgefahren sind“, erklärt Ishorst und verweist auf einen weiteren unfallfördernden Umstand: „Oft ist hier auch überhöhte Geschwindigkeit ein Thema. Grundsätzlich gilt: Je höher die Geschwindigkeit, desto größer die Unfallfolgen.“ Wentker rät: „Wer an eine Verkehrsstelle mit schlechten Lichtverhältnissen kommt, sollte langsam fahren.“

 

Europaring/An der Rennbahn (sechs Unfälle)

In den zurückliegenden 12 Monaten sind an der Verbindung zwischen Europaring und der Straße An der Rennbahn vier Menschen bei sechs Auffahrunfällen stadtauswärts leicht verletzt worden. „Völlig unerklärlich“, sagt Ishorst. „Warum sich genau an dieser Stelle die Unfälle häufen, ist schwer herzuleiten. Sie ereigneten sich zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten über das Jahr verteilt.“ Mögliche Ursache sei eine erschwerte Wahrnehmung der Ampel durch das Dämmerlicht des angrenzenden Waldes in Kombination mit erhöhter Geschwindigkeit. „Daher raten wir: Fahren Sie vorausschauend und halten Sie ausreichend Abstand. Bei Tempo 70 kann ein Unfall schon schlimmere Folgen haben.“, erklärt Ishorst.

 

 

Papendyk/Nieper Straße/Steeger Dyk (drei Unfälle)

An dieser Kreuzung haben sich im vergangenen Jahr drei Unfälle mit zum Teil erheblichen Folgen ereignet. „Hier sind die Ursachen wahrscheinlich multifaktoriell“, so Ishorst, „denkbar ist überhöhte Geschwindigkeit in Verbindung mit dem Nicht-Erkennen der Kreuzung. Erfahrungsgemäß fahren die Leute hier zu schnell. Wenige Meter hinter der Kreuzung steht ein Tempo-70-Schild, das möglicherweise Verkehrsteilnehmer dazu veranlasst, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Deshalb kontrollieren wir hier verstärkt.“ Besonders Verkehrsteilnehmern, die von Papendyk oder Steeger Dyk auf die Nieper Straße einbiegen oder sie kreuzen, rät der Polizeihauptkommissar zu erhöhter Vorsicht. Ob eine bessere Kenntlichmachung der Kreuzung notwendig ist, bleibt von der Polizei unkommentiert, da diese Beurteilung außerhalb der eigenen Zuständigkeit liege.

 

Reepenweg/Leidener Straße (drei Unfälle)

2017 hat es an der Kreuzung Reepenweg/Leidener Straße drei Unfälle gegeben, bei denen Autofahrer beim Abbiegen Radfahrer übersahen und diese in der Folge leicht verletzten. „Zum Glück ist es hier noch nicht zu schweren Unfällen gekommen, Grund dafür könnte die Dreißigerzone in Reichweite der nahegelegenen Schule sein“, sagt Ishorst. „Gerade zur Mittagszeit, wenn die Schüler mit ihren Fahrrädern nach Hause fahren, bitten wir alle um erhöhte Vorsicht.“ Doch nicht nur die Autofahrer fordern die Polizisten zu mehr Umsicht auf. „Auch die Fahrradfahrer sind angehalten, reflektierende Kleidung zu tragen und Richtungswechsel frühestmöglich anzuzeigen“, sagt Wentker. Grundsätzlich seien es dennoch die Autofahrer, die mehr Rücksicht auf schwächere Verkehrsteilnehmer nehmen und sich öfter an den Schulterblick erinnern müssten, so die Experten.

 

 

Hinweis: Erst Mitte Mai hat die Unfallkommission die Unfallhäufungsstellen des vergangenen Jahres ermittelt und klassifiziert. Wie eingangs erwähnt, steht die offizielle Analyse, in der Muster erkannt und Maßnahmen initiiert werden, noch aus. Kennen Sie weitere Stellen, an denen es ungewöhnlich oft kracht? Dann schreiben Sie uns: redaktion@kr-one.de

 

 

 

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