Liebe Krefelder,

Ständig hören wir, wie schwierig es sei, in Krefeld etwas auf die Beine zu stellen, dass wir es hier mit ganz besonders schweren Bedingungen zu tun hätten und dass die hier lebenden Menschen das aufgebrachte Engagement nicht angemessen honorieren würden. Vor dem Hintergrund dieses skizzierten Szenarios entsteht der Eindruck, der Ausdruck „If you can make it there you can make it anywhere“ wäre nicht für New York, sondern für die Seidenstadt verfasst worden.

Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die diese Haltung Lügen strafen. Menschen wie Volko Herdick (S.06). Den meisten Krefeldern als Pächter der Rennbahn bekannt, hat sich der Veranstaltungsveteran dieser Tage einer Mammutaufgabe angenommen: Ab dem 01.10.2016 wird die altehrwürdige Königsburg unter seiner Führung neu eröffnet werden. Skandalen und Schlägereien zum Trotz. Herdick ist getrieben von der Kraft der Vision und der Sicherheit, dass ein gutes Konzept ein Garant für Erfolg ist. Ganz egal, auf welchem Teil der Erde man sich befindet.

Dass man sich, vom Idealismus getrieben, auch ganz weit abseits des Mainstreams erfolgreich positionieren kann, zeigen die Familien Boekels (Benrader Obsthof) (S.42) und Leiders (Stautenhof) (S.38). Mit ihren regionalen und nachhaltigen Konzepten haben sie eine Nische geschaffen, die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut. Beiden Familien geht es um weit mehr als nur Profit. Sie eint der Glaube an einer bessere Welt, den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den Tieren. Dass unter diesen Bedingungen erzeugte Produkte dann auch noch viel gesünder sind und besser schmecken, ist ein geschäfts­fördernder Nebeneffekt.

Wie selbst die ausgefallenste Geschäftsidee zu einem erfolgreichen Business werden kann, zeigen hingegen Christian Thelen und Priyantha Pelster mit „CrisPy Cooking“ (S.36) eindrucksvoll. Der Ausgangspunkt ihres Koch-Musik-Joint-Ventures war der Wille, alle ihre Talente und Wünsche in nur einer Sache zu bündeln. Entstanden ist ein einzigartiges Konzept, das ­geschmacks- und musikaffinen Menschen ein besonders ­Erlebnis verspricht. Zweifel daran, dass ihre Idee ausgerechnet in Krefeld nicht funktionieren könnte, hatten die beiden Jungunternehmer nie.

Alle diese Beispiele bestätigen uns in unserer Wahrnehmung, dass in Krefeld etwas auf die Beine zu stellen, gar nicht so schwierig ist. Zumindest nicht schwieriger als anderswo. Wir sind sogar der Überzeugung, dass in unserer Stadt eigeninitiatives Handeln besonders unterstützt wird. Das sind zumindest unsere eigenen Erfahrungen. Zudem geht von jeder Initiative eine befruchtende Wirkung aus. In diesem Sinne: Seien Sie mutig und glauben Sie an den Standort!

Viel Spaß beim Lesen!
Christhard Ulonska und Michael Neppeßen