Liebe Leser,

im Zuge der Ausarbeitung der ersten Ausgabe „Architektur & Baukultur“ schwang bei uns – ungeachtet unserer eigene Überzeugung – in Bezug auf die Relevanz einer solchen Publikation für die Mitte der Gesellschaft ein wenig Skepsis mit. Umso größer war die Freude, als uns nicht nur Feedback aus den Kreisen der baukulturellen Wirtschaftszweige erreichte, sondern auch von etlichen Privatpersonen, die mit offenen Augen durch ­Krefeld laufen. Ja, wir können konstatieren: Die Bedeutung von Baukultur für die Stadtentwicklung ist zu einem gewissen Teil im Bewusstsein der hier lebenden Menschen angekommen.

Trotzdem ist noch ein weiter Weg zu gehen. Denn der Begriff Baukultur umfasst viele mit dem Ausdruck nicht gleich assoziierte Themen, wie Klimawandel, demographische Entwicklung und Digitalisierung. Diese Bereiche zeigen auf, in welch komplexes Netz der oftmals fälschlicherweise als Äquivalent zu Architektur verstandene Begriff eingebettet werden muss. Baukultur kann nur entstehen, wenn die an dem Prozess der Stadtentwicklung Beteiligten über ein überdurchschnittliches Wissen verfügen und in interdisziplinären Teams überzeugend ihre Kompetenzen einbringen können. Doch selbst mit akribischster Planung wird es uns nicht gelingen, sämtliche soziokulturelle Entwicklungen zu antizipieren. Zukünftige Überraschungen bleiben damit nahezu garantiert.

Ganz in diesem Sinne widmet sich unsere Titelgeschichte „Von der Lehranstalt zur ­Nobelrepräsentanz“ einem Areal, das heute kaum weiter entfernt von seinem ursprünglichen Nutzungszweck sein könnte: Dem Campus Fichtenhain 66. Einst 1904 als Erziehungsanstalt für „Zöglinge“ erbaut, wurde es vom Unternehmer Andreas Hochbruck kernsaniert und einem völlig neuen Nutzungszyklus zugeführt. Wo früher das Handwerk gelehrt wurde, gastieren heute Vorstände von Weltkonzernen, um Jahresbudgets in dreistelliger Millionenhöhe zu verhandeln. Ein baukultureller Plot-Twist.

Doch es geht in der aktuellen Ausgabe nicht nur darum, wie alte Liegenschaften revitalisiert werden können, sondern auch um Richtlinien, Gesetze und Vorordnungen ganz aktueller Bauvorhaben. Wie verhält sich ein solches Unterfangen im hochsensiblen Spannungsfeld zwischen architektonischen Wünschen des Bauherren, bautechnischer Machbarkeit und städtischen Gestaltungsrichtlinien? Genau dieser Frage sind wir im Artikel „Den Geist des Ortes spüren“ am Beispiel des Brempter Hofes nachgespürt.

Abschließend möchten wir uns wieder bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken, die uns auch in dieser Ausgabe mit Rat und Tat zur Seite standen und mit ihrer Expertise das thematische Fundament begründet haben. Wir hoffen, Ihnen, liebe Leser, einen erneut spannenden Mix an vielseitigen Geschichten zu kredenzen, der ein tiefergehendes Verständnis für die Bedeutung von Baukultur schafft. Denn darauf fußt die Stadtentwicklung!

 

Viel Spaß beim Lesen,

Michael Neppeßen und Christhard Ulonska

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