Schützend stellt sich ein junges Mädchen vor die anderen Kinder und fleht den Indianerhäuptling an, diese freizulassen. Der Indianerhäuptling aber ist ein großer, starker Mann, der von dem Mädchen fordert, dass es seine Tochter Tiger Lilly erst wieder bringen müsse, bevor die anderen Kinder freigegeben werden. Tiger Lilly wurde von einem anderen bösen Mann entführt, und aus Rache haben die Indianer sich die anderen Kinder genommen. Das Mädchen hört sich das Angebot erst nachdenklich an, gibt dann aber dem Häuptling sein Wort, dass es Tiger Lilly befreien werde. Das Abenteuer kann beginnen.

Yvonne Keßel

Yvonne Keßel, Leiterin und erste Vorsitzende der Kinderbühne Krefeld

Das Mädchen, das sich so kess gegen den Indianerhäuptling durchsetzt, heißt Selina Söhnel. Söhnel wirkt zwar auch abseits der Bühne wie ein Mensch, der sich für andere einsetzt, andere Kinder vor bösen Indianerhäuptlingen muss die 15-Jährige aber glücklicherweise nur in ihrer Rolle als Peter Pan retten. Genau für diese Rolle probt die Schülerin seit vier Monaten gemeinsam mit dem Team der Kinderbühne Krefeld. Einmal in der Woche heißt es für die Jung- und Altschauspieler dann: rauf auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Im Gegensatz zu vielen reinen Kindertheatern spielen bei der Kinderbühne Kinder und Erwachsene gemeinsam: „Die Idee bei der Gründung 2012 war auch genau diese: Wir wollten keine Erwachsenen, die Kinderrollen spielen oder umgekehrt. Wir wollten ein gemeinsames Miteinander“, erklärt Yvonne Keßel, Leiterin und erste Vorsitzende der Kinderbühne Krefeld. So ist eine bunte Gruppe entstanden, bei der die jüngsten Teilnehmer gerade zehn Jahre alt sind und die ältesten über 60. Beim diesjährigen Stück spielt sogar zum ersten Mal ein kleiner Darsteller mit, der noch nicht mal ein Jahr alt ist, wie Mama Nicole Pricken, berichtet: „Kasimir wurde im Mai geboren. Ich habe die fertigen Stücke immer angesehen, und es ist toll, jetzt mal die ganze Arbeit im Hintergrund zu sehen und mitzumachen.“

Aus anfänglicher Neugierde, entwickelte sich eine richtige Passion

In der Tat stecken die Darsteller einen großen Teil ihrer Freizeit in ihre Rollen, wie Selina Söhnel verrät: „In der Regel proben wir einmal die Woche, aber es gibt auch noch extra Probenwochenenden.“ Als Peter Pan hat die 15-Jährige zudem die Hauptrolle in dem neuen Stück bekommen. Das heißt nicht nur, viel Text lernen, sondern auch Lieder einstudieren, da es sich um eine Musicalversion des Stückes handelt. Für Selina, die Musicals sehr liebt, ist dies allerdings keine allzu schwierige Aufgabe. Seit der Gründung der Gruppe ist die Schülerin dabei und hat mittlerweile auch außerhalb der Kinderbühne Schauspielluft geschnuppert: „Ich habe auch schon bei Serien im Fernsehen mitgewirkt“, berichtet Selina, „aber ich finde es viel schöner, wenn man die direkte Resonanz vom Publikum bekommt.“

Feedback bekommen die Schauspieler nicht nur von den Zuschauern, sondern auch schon während der Proben. Yvonne Keßel steht vor der Bühne, hilft bei Textaussetzern und gibt Ratschläge, was besser gemacht werden kann. Als Theaterpädagogin und Dramatherapeutin weiß sie, worauf es ankommt. Bei der Aufwärmrunde fordert Keßel die Schauspieler auf, in verschiedenen Tempi über die Bühne zu laufen. Mal schnell, mal langsam. Die gesamte Bühne soll dabei als Spielfläche genutzt werden: „Achtet darauf, dass ihr euch so verteilt, dass jeder Winkel besetzt ist“, so Keßel. Wer denkt, Aufwärmübungen werden hier nicht ernst genommen, der täuscht sich. Mit Feuereifer flitzen insbesondere die Kleineren über die Bühne. Natürlich immer den ganzen Platz im Augenwinkel: „Da hinten muss noch jemand hin“, klingt es da des Öfteren. Die Konzentration ist bei allen Darstellern somit bestens geschärft, als Yvonne Keßel mit dem Arbeiten an den verschiedenen Szenen beginnt.

Kein Wunder, dass sich die Darsteller auf die Frage, was das Besondere am Theater spielen sei, förmlich überschlagen. „Ich finde es total toll, dass man in jedem Stück eine andere Person ist“, erklärt Amira Elmallah, die Tiger Lilly spielt, „im einen Stück bist du eine böse Hexe und im anderen Stück eine gute Fee.“ Für Christian Rodriguez, Lehrer am Fichte-Gymnasium, ist das Spannendste die Zusammenarbeit mit den Kindern: „Ich lerne die Kinder hier auf einer ganz anderen Ebene kennen, und das hilft mir auch bei meiner Arbeit.“ Besonders überrascht sind die meisten darüber, was aus solch einem Stück alles entstehen kann, wie Silke Söhnel, berichtet: „Am Anfang haben wir nur ein Textbuch, und dann wird das auf einmal von uns zum Leben erweckt.“

„Jedes Mal, wenn ein Kind sagt, ich glaube nicht an Feen, fällt eine Fee tot um.“

Für Selina Söhnel steht übrigens fest, dass sie nach der Schule am liebsten eine Schauspiel- oder Musicalausbildung machen möchte: „Es macht mir einfach so viel Spaß, eine Rolle, die erst nur in meinem Körper ist, zu entwickeln und dann nach außen zu zeigen“, so die 15-Jährige. Dass ihr das auch durchaus gut gelingt, zeigt sich, als Yvonne Keßel mit den Darstellern die dritte Szene probt. Söhnel tritt nach vorne und erklärt eindringlich, warum der Glaube an Feen so wichtig ist: „Jedes Mal, wenn ein Kind sagt, ich glaube nicht an Feen, fällt eine Fee tot um.“ Mich trifft die Ausdrucksstärke, mit der sie diesen Satz sagt und ich verspreche Selina Söhnel als Peter Pan, dass ich wieder an Feen glauben werde.

„Peter Pan“ ist zu sehen am Samstag, 25. März 2017,  16.30 Uhr,  und Sonntag, 26. März 2017, 15 Uhr, im Forum Corneliusfeld, Corneliusstraße 25, 47918 Tönisvorst.

Außerdem gibt es zwei Vorstellungen für Schulklassen: am Montag, 27. März 2017, und Dienstag, 28. März 2017, jeweils  um 10 Uhr. Eintrittskarten gibt es unter anderem in der Kunsthandlung Steinbach, Rheinstraße 34, Krefeld und im Lebensmittelladen Schroers, Fungendonk 5a, Fischeln.