Wir sind eingesperrt in einem Raum. Heraus kommen wir nur, wenn wir den richtigen Zauberspruch finden. Überall im Raum stehen magische Gegenstände. Gefäße mit Zutaten, die wir kaum aussprechen können. Bücher mit langen Listen von Zauberformeln und Ketten, deren Symbolik uns nicht bekannt ist. Wir haben 60 Minuten Zeit, um das Rätsel zu lösen, den Zauberspruch zu finden und damit den Weg in unsere Freiheit zu gewinnen. Los geht’s!

Bilder, Uhr

Spannende Rätsel und wichtige Entscheidungen: Wer den Escape Room verlassen möchte, muss seinen Gripps ordentlich anstrengen

Wir befinden uns nicht etwa in Hogwarts, sondern in Krefeld. Genau gesagt, in Krefelds erstem Escape Room. Eingesperrt sind wir natürlich nicht wirklich. Das dürfen die Betreiber Irina und Nicolaj Bortmann nämlich nicht, wie Nicolaj Bortmann uns zu Beginn erklärt: „Deswegen sind es auch keine Fluchtspiele, sondern Missionsspiele.“ Den Ämtern ihr Vorhaben zu erklären, war jedoch gar nicht so einfach, wie Bortmann lachend erzählt: „Die haben nur gesagt, ‚Wie ihr sperrt Leute weg?‘“ Dass es sich hierbei lediglich um eine neue, interaktive Form der alten, beliebten Gesellschaftsspiele handele, mussten die Bortmanns den Krefeldern erst einmal erklären.

Unsere 60 Minuten laufen. Zunächst wissen wir überhaupt nicht, wie wir anfangen sollen. Es gibt zahlreiche Schlösser, die an Schränken oder Schatullen angebracht und mit einem vierstelligen Code zu öffnen sind. Aber wo finden wir diese Codes? Wie genau geht es jetzt los? Wir laufen durch den Raum und drehen alle Gegenstände um. Wir fühlen uns etwas verloren. Die Magie ist irgendwie noch nicht bei uns angekommen. Vielleicht bringt es ja etwas, den Umhang von Gryffindor, der an einem Ende des Schrankes hängt, anzuziehen. Schließlich müssen wahre Magier ja auch wie solche aussehen. Und siehe da: Der Umhang bringt uns in der Tat zum ersten Schloss, das wir nach einigen Minuten und weiterem Grübeln auch endlich öffnen können.

Nicolaj Bortmann

„Die Spieler sollen das Gefühl haben, eine Stunde lang in eine andere Welt einzutauchen.“

Draußen sitzt Nicolaj Bortmann und beobachtet uns. Er gibt Tipps, wenn die Teams nicht mehr weiterkommen. Für ihn und seine Frau Irina ist das kein Problem, da sie jedes einzelne Rätsel selbst entworfen haben. Die Idee zum Escape Room kam den beiden bei einer Zugfahrt: „Wir hatten ein Journal entdeckt, in dem ein Bericht über Escape Games stand“, berichtet Bortmann. Während der Fahrt haben er und seine Frau sich dann spontan die ersten Rätsel ausgedacht. Angefixt von der Idee, ging es nach kurzer Zeit in einen echten Escape Room: „Die Idee fanden wir total gut, die Umsetzung hat uns dort aber nicht gefallen. Uns war dann schnell klar: Das können wir besser machen.“

Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn sich das Schloss mit einem Klick öffnet und man den nächsten Hinweis in den Händen hält. Allerdings geht es jetzt leider nicht so einfach weiter. Bei der nächsten Aufgabe laufen wir wieder durch den Raum, um neue Hinweise zu finden. Die Uhr läuft. Nur noch eine knappe Dreiviertelstunde, und es liegen noch viele Rätsel vor uns, bevor wir das komplette Spiel geschafft haben. Gar nicht so einfach, aber mit der neu gewonnen Gryffindor-Energie geht es flugs weiter.

„50 Prozent der Leute kennen Escape Games, die anderen 50 Prozent nicht“, erklärt Bortmann. Den meisten muss er daher eine kurze Einführung geben, bevor sie sich für einen der drei Themenräume entscheiden. Es gibt die Schule der Magie für Harry-Potter-Fans, den Exorzist für Horror und Mystery-Fans und den Quantum Theory-Raum für Big Bang Theory-Fans. Jeder Raum wurde mit ganz viel Liebe zum Detail eingerichtet, wie Bortmann erzählt: „Das Überlegen und Aufschreiben der Spiele ist das Einfachste. Das Beschaffen aller Möbel und Einzelstücke ist das Schwierigste.“ Das Ehepaar legt sehr viel Wert auf die Details: „Die Spieler sollen das Gefühl haben, eine Stunde lang in eine andere Welt einzutauchen“, so Bortmann. Aber was sind das für Menschen, die sich solche komplexen Rätsel ausdenken? Bortmann grinst: „Ich bin halt Informatiker, also eh wahnsinnig.“ Spaß an logischem Denken sollten sowohl Spieler als auch Spieleentwickler in jedem Fall haben. Aber Bortmann und seine Frau haben auch viel Mut bewiesen. Mut, in einer Stadt eine völlig neue Geschäftsidee zu realisieren: „Wir haben lange überlegt, in welcher Stadt wir unseren Escape Room öffnen. Krefeld ist eine Studentenstadt, und hier gab es so etwas noch nicht, also haben wir es gewagt.“ Seit Mitte Oktober können Spiele-Fans ihre Leidenschaft nun in der Krefelder Innenstadt ausleben.

Bei uns laufen mittlerweile die letzten Minuten an. Wahnsinn, wie schnell eine Stunde vergangen ist. Eben waren es noch 30 Minuten, und nun laufen die letzten Sekunden, in denen wir fieberhaft versuchen, die letzten zwei Rätsel zu lösen. Leider reicht die Zeit am Ende nicht ganz. Die Stunde ist um. Natürlich dürfen wir aber trotzdem den Raum verlassen. Bortmann tröstet uns: „Zu zweit ist es auch am schwierigsten. Am besten ist es, mit vier oder sechs Leuten zu spielen.“ Na ja, es bleiben uns ja noch zwei weitere Räume, deren Rätsel wir in 60 Minuten knacken können. Auf geht’s!