„Fischeln wächst gegen den Trend“

Robert Reichling, Vorsitzender des „Werberings“

Seit 30 Jahren setzt sich der Werbering Fischeln dafür ein, das liebens- und lebenswerte Krefelder „Straßendorf“ immer noch schöner zu machen. Robert Reichling, 67, Vorsitzender des „Werberings“, verrät im großen KR-ONE-Interview spannende Pläne und Projekte für Fischeln – vom „Heimatshoppen“ bis zur „Fischelner Shared Zone“.

// Herr Reichling, worin unterscheidet sich Fischeln von anderen Krefelder Stadtteilen?
Fischeln ist mit rund 27.000 Einwohnern nicht nur der größte Krefelder Stadtteil außerhalb des Zentrums, er ist als Tor zum Süden mit seiner Nähe zu kaufkraftstarken Städten wie Düsseldorf und Meerbusch gleichzeitig auch ein hoher Potenzial-Standort für unsere Stadt, was sich auch in der konzentrierten Ansiedlung von Gewerbe, Handel und sonstiger Dienstleistung auf Fischelner Boden zeigt. Durch attraktive Wohngebiete, eine gesunde Infrastruktur und ein breitgefächertes Schulwesen wächst Fischeln gegen den Trend. Nach Fischeln sind in den letzen Jahren insbesondere junge Familien gezogen. Sie bringen neue Kaufkraft mit, die unserer Geschäftswelt Umsatz und der Stadt Krefeld Gewerbesteuer sichern.

// Warum macht Einkaufen in Fischeln Freude?
Unser Stadtteil bietet in seinem Umkreis eine gute Nahversorgung. Der Fischelner muss nicht in die City, um den Bedarf des täglichen Lebens zu decken. Freude macht  das  Einkaufserlebnis in unserem ,Dorf‘ vor allem aber wegen der interessanten Mischung qualitativ hochwertiger Geschäfte, die häufig auch noch inhabergeführt sind. ,Ein-Euro‘-Geschäfte und sonstige Billigläden suchen Sie bei uns vergeblich.

// Ähnlichen Stolz versprüht die Initiative „Heimatshoppen“, die im letzten Jahr im Raum Niederrhein durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und den Handelsverband gestartet wurde. Wie stehen Sie dieser Initiative gegenüber?
Die Initiative ,Heimatshoppen‘ will den Gedanken der Ortsverbundenheit beim Einkauf und damit den lokalen Einzelhandel stärken. Diesen Ansatz unterstützt der Werbering Fischeln uneingeschränkt, da er seine satzungsmäßigen Aufgaben widerspiegelt: Wir vom Werbering verstehen uns als Sprachrohr der werbewirtschaftlichen und standortbezogenen Interessen der Fischelner Geschäftswelt und ihrer Kunden. Unser Engagement zielt darauf ab, die Einkaufsqualität im größten Krefelder Stadtteil durch ein Paket von Ideen und Aktionen transparent und erlebbar zu machen.

„Fischeln wächst gegen den Trend“

Mitglieder des Werberings (v.l.n.r.): Frank Bertsche (Schatzmeister), Gabriele Klasen (Klassen Immobilien, „Heimatshoppen“), Robert Reichling( Vorsitzender), Axel Bandura (Autohaus Link), Sylvia Hafels (Raumausstattung Hafels), Hendrik Hambloch (stellv. Vorsitzender), Alexander Reach (Werbeagentur „Montagmorgens“)

// Wie sieht das praktisch aus?
Jeder Ort, der ,Heimatshoppen‘ unterstützt, wird zu seiner Geschäftsstruktur passende Vorschläge entwickeln, die insbesondere die jährlich im Herbst stattfindenden Aktionstage unterstützen. Bei uns in Fischeln fällt das Aktionswochenende in diesem Jahr zusammen mit unserem großen Straßenfest ,Fischeln Open‘ am 13. September 2015, gleichzeitig ein verkaufsoffener Sonntag. Da können wir den Werbeauftritt unserer Fischelner Geschäfte als attraktiver Einkaufsplatz ideal mit dem ,Heimatshoppen‘-Gedanken verbinden.

// An welche Aktionen denkt der Werbering konkret?
Im Moment sind wir noch am Beginn der Planungsphase für einzelne Aktionen. Wir haben bei unseren Mitgliedern gerade erst durch Umfrage eine Ideenbörse für ,Heimatshoppen‘ gestartet. Konkret überlegen wir im Werbering die frühzeitige Anmietung eines Büros, von dem aus sich die teilnehmenden Geschäfte zentral mit Werbematerial wie Flyer, Plakaten und Merchandising-Produkten rund um ,Heimatshoppen‘ versorgen können. Auch die Aufstellung einer speziellen Litfaßsäule wird geprüft, ein Ort hierfür könnte zum Beispiel der Platz rund um den Zunftbaum des Bürgervereins Fischeln sein. Eine eigene Beauftragte für ,Heimatshoppen‘ haben wir bereits: Fischelner Einzelhändler, die Fragen zu ,Heimatshoppen‘ haben, könnten sich sehr gerne an unser Vorstandsmitglied Gabriele Klasen, Telefon 619 74 51, wenden.

// Es ist ein Glück, dass das „Heimatshoppen“-Aktionswochenende mit „Fischeln Open“ zusammenfällt, das ist ja der Publikumsmagnet überhaupt für den Stadtteil. Bis zum 13. September ist es zwar noch ein bisschen hin, aber: verraten Sie uns schon ein paar Highlights?
,Fischeln Open‘ steht ja immer unter einem bestimmten Thema. Letztes Jahr war ,Familie & Tier‘ das Motto, das Thema diesen Jahres lautet: ,Rund ums Zuhause‘. Ein kleiner Vorgeschmack: Die Hochschule Niederrhein wird Lösungsansätze zum Thema ,Smarthome‘ präsentieren, die Polizei wird darüber informieren, wie man sein Zuhause einbruchsicherer machen kann, die Stadtwerke werden zu ,Energieeffizienz‘ beraten

// Als Werbering setzen Sie sich unermüdlich dafür ein, Ihr Straßendorf immer noch schöner zu machen. Welche Pläne haben Sie aktuell?
Der Werbering Fischeln hat gerade in den letzten Monaten zeigen können, was er sich unter ,Fischeln schöner machen‘ vorstellt: Mit Beginn dieses Jahres hat er von der Stadt Krefeld für drei Jahre die Patenschaft über den sogenannten ,Fischelner Kreisel‘ übernommen. Er kümmert sich zusammen mit der Jugendfeuerwehr Fischeln um die Pflege und die Unterhaltung der Kreisfläche am südlichen Ortseingang der Kölner Straße. Zu einem späteren Zeitpunkt ist angedacht, dieses Areal gegebenenfalls mit ortstypischen Symbolen weiter zu verschönern. Ortseingänge sind für Besucher unserer Stadt gleichzeitig auch Visitenkarten; insofern haben wir als Werbering hier eine besondere Verantwortung übernommen.

// Welche Symbole könnten das sein?
Symbole, die zum Ausdruck bringen, was unseren Stadtteil charakterisiert, einfach unverwechselbar macht. Man könnte über einen Wettbewerb, eine Ausschreibung zum Beispiel der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Design, nachdenken. Der Arbeitsauftrag wäre: ,Was kennzeichnet Fischeln?‘

„Fischeln wächst gegen den Trend“

// Vielleicht bald eine „Shared Zone“…
Ja, ein weiteres Projekt, das uns am Herzen liegt, ist die Schaffung einer ,Shared Zone‘, einer verkehrsberuhigten Begegnungs-und Flanierzone im Bereich der Kölner Straße rund um den Zunftbaum des Bürgervereins Fischeln etwa zwischen Clemensstraße und Anrather Straße. Zusammen mit dem Bürgerverein haben wir das Modell ,Fischelner Dorfplatz‘ entwickelt, der Öffentlichkeit vorgestellt und die lokale Politik als Unterstützer gewonnen. Wenn die Stadt die längst überfällige Sanierung der Kölner Straße ab 2016 in die Hand nimmt, ist für uns der ideale Zeitpunkt gekommen, mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand insbesondere durch andersfarbige Asphaltierung eine sogenannte ,Shared-Zone‘ zu installieren, auf dem sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und im Schritt-Tempo begegnen.

// Was hätte Fischeln davon?
Eine solche Flanierzone hätte viele Vorteile: es wären keine Ampeln mehr nötig, die Lebens- und Einkaufsqualität insgesamt in Fischeln würde gesteigert. Vorbilder dieser Idee funktionieren bereits erfolgreich zum Beispiel in Duisburg oder Neuss.

// Die Sanierung der Kölner Straße im nächsten Jahr, unter anderem für die Erneuerung der Straßenbahn-Haltestellen „Rathaus“ und „Eichhornstraße“, um Bürgersteig und Bahnsteig barrierefrei auf ein Niveau zu bringen, könnte laut Tiefbauamt möglicherweise eine Vollsperrung der Kölner Straße nach sich ziehen. Die „KÖ“ ist die Hauptschlagader für Fischeln, mehrere tausend Fahrzeuge fahren täglich auf ihr, um das Krefelder Straßendorf zu erreichen; wie stehen Sie als Werbering, der die wirtschaftlich gesteuerten Interessen der Einzelhändler vertritt, einer möglichen Vollsperrung gegenüber?
Wenn Sanierungen notwendig sind, muss man damit einhergehende Beeinträchtigungen hinnehmen; letztlich bewirken die Umbauarbeiten der „KÖ“ ja auch für die Fischelner Einzelhändler einen Mehrwert. Und natürlich sollen alle Menschen die Fischelner Geschäfte gut erreichen können, weshalb wir als Werbering den Ausbau von Barrierefreiheit nur begrüßen. Wir gehen davon aus, dass die Umbauarbeiten so ausgestaltet werden, dass laufender Geschäftsbetrieb in Fischeln so wenig wie möglich tangiert wird.

„Fischeln wächst gegen den Trend“

// Für Menschen, die sich ein eigenes Haus bauen wollen, ist Fischeln mit 330 Euro pro Quadratmeter teurer geworden, was die neue Bodenrichtwertkarte des Gutachterausschusses für Grundstückswerte belegt. Eine Verteuerung wie diese spiegelt natürlich einerseits den Wert Fischelns wider, andererseits: wie soll man Menschen, die überlegen, sich in Krefeld ein Haus zu bauen, die Entscheidung für Fischeln angesichts einer solchen Verteuerung schmackhaft machen?
Die aktuellen Bodenrichtwerte für Fischeln sind angestiegen, das ist richtig. Verglichen mit dem südlichen Umfeld (Düsseldorf, Meerbusch) und traditionell hochpreisigen Krefelder Stadtteilen (wie etwa Stadtwald, Bockum, Verberg) bewegen wir uns in Fischeln aber immer noch im ,Normalbereich‘. Fakt ist, dass die Krefelder Immobilienpreisstruktur gemessen am teils deutlich teueren Umland immer noch genug Anreize setzt, sich in unserer schönen Stadt niederzulassen. Die Nachfrage nach Wohneigentum in Fischeln ist ungebrochen. Das ist ein Prozess, den wir vom Werbering auch weiterhin positiv begleiten werden.

// Gibt es mit Blick auf den Einzelhandel noch etwas, das Fischeln fehlt?
Ein Spielzeuggeschäft wäre schön. Und wieder eine neue Buchhandlung.

Vielen Dank für das Gespräch. Interview: Almut Steinecke