Gastro-Tipp „Gasthof Korff“: Zwischen Himmel und Erde

Kalt. Nass. Grau. Der Herbst zeigt sich von seiner ungemütlichsten Seite an diesem Donnerstagabend, an dem wir in den Gasthof Korff einkehren. Aber kaum hat sich die Tür geschlossen, vergessen wir das frustrierende Erkältungswetter. Eine warme Atmosphäre empfängt uns in dem Restaurant an der Kölner Straße: mit indirekt beleuchtetem Gastraum, Lichterketten in den Fenstern und dunkler Holzvertäfelung an den Wänden. Das Lokal, das wir für unseren Gastro-Tipp ausgesucht haben, ist optisch ein Ort zum Wohlfühlen. Kulinarisch auch?

Gastro-Tipp: Gasthof Korff

„Deutsche Küche mit französischen Akzenten“, kündigt Restaurantchef Dennis Raguse uns an, eine Kombination, die den Gast schon bei den Vorspeisen zwischen „Oh, das kenne ich!“ und „Oh, das probiere ich mal!“ pendeln lässt. Wir essen das Regionalgericht „Himmel und Äad“ mit locker geschlagenem Kartoffel-Stampf, gekrönt von knusprig gebratenen Schalotten-Kringeln, mit Äpfeln und einer gekonnt zubereiteten Blutwurst, innen so sämig, dass sie auf der Zunge zergeht, außen mit perfekt leichtem Crunch. Wir essen Jakobsmuscheln an Mangosalat mit Krebsschaum und freuen uns über den feinen Weißfischgusto der mit einer wohl gestimmten Muschelnote ausklingt. Wir probieren Rindercarpaccio mit Rucola und Parmesan ebenso wie Rote Beete-Carpaccio mit Scampi, Avocado und Tomaten; beides zwar eher Vorspeisen aus der italienischen Küche, die aber auch hier ihre gewohnte Überzeugungskraft scheibchenweise entfalten.

 

 

„70 Prozent unserer Gäste sind Stammgäste von früher, die sich freuen, dass sie ihren geliebten Gasthof Korff wieder haben, einer hat uns sogar mal eine Speisekarte aus dem Jahr 1966 mitgebracht“

 

Seit 2012 leitet der 32-jährige Restaurantfachmann Dennis Raguse mit dem ein Jahr jüngeren Alexander Hauffe den Gasthof Korff, Pächter ist Guiseppe Buonanno, der das Krefelder Gourmetrestaurant „Villa Medici“ besitzt. Gefunden hat man sich nicht einfach so: Raguse und Hauffe haben vor ihrer Korff-Karriere ihre gastronomischen Ausbildungen bei Buonanno in der „Villa Medici“ absolviert. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein ging die dynamische Doppelspitze vor drei Jahren an ihr Werk, „wir wussten, was wir können“, sagt Raguse lächelnd. Trotzdem standen er und Hauffe auch vor einer Herausforderung. Denn der historische, 1792 errichtete Hof an der nordöstlichen Grenze zu Fischeln, wo bereits Napoleon Station machte, stand immer wieder leer, bis zu seiner Neuübernahme 2012 schon zwei Jahre. Umso schwungvoller stürzten sich die Restaurantfachmänner in die Arbeit; beide eignen sich perfekt für die Gastronomie. „Meine Eltern waren von jeher mit vielen Gastronomen befreundet, in deren Gasthäusern ich schon als Jugendlicher Gläser gespült und mir etwas Geld dazu verdient habe“, erzählt Raguse. Und Hauffe hat immer bei seiner Großmutter „neugierig in die Töpfe geschaut“, weshalb er vor seiner „Medici“-Zeit eine Ausbildung als Koch gemacht hat. Dass er nicht mehr in der Küche aktiv ist, tut seiner Begeisterung keinen Abbruch, „ich gehe jeden Tag mit großem Spaß zur Arbeit“, sagt Hauffe und füllt unsere Gläser mit Wein: einen spritzig-fruchtigen Weißburgunder und einen kräftigen Roten aus der südfranzösischen Provinz Languedoc, beide aus dem Bestand von „Ausgesuchte Weine“ des Krefelder Weinhändlers Norbert Pohl – „ein absoluter Kenner, mit dem wir gerne zusammenarbeiten“, schwärmt Hauffe.

Gastro-Tipp: Gasthof Korff

Sowohl der weiße als auch der rote Wein offenbaren jeweils starken Charakter, der aber zurückhaltend genug ist, um den Hauptgerichten die Bühne zu überlassen, zum Beispiel dem „Kabeljau an Kürbispüree mit Beurre Blanc“: Leicht gleitet die Gabel durch den hauchzarten Fisch, taucht ein Stück davon in das orangefarbene Kürbispüree, vermischt es mit der schaumig-buttrigen Beurre Blanc – und lässt es im Mund verschwinden. Mhmmm. Der Fisch und die französische Buttersauce erden die Verspieltheit des Pürees, das den Gaumen mit süßlicher Würze kitzelt; das Gericht ist ein Gedicht. Ebenso das „Kotelett vom Limburger Klosterschwein“: die sogenannten „Livar-Klosterschweine“ werden ausschließlich mit Getreide gefüttert, das in der Provinz Limburg angebaut wird und genießen Freilandhaltung auf dem Bauernhof mit immer frischer Luft. Das Schweinefleisch ist so zart, dass wir uns fragen, wie es wohl als Filet wäre, wenn es schon als Kotelett so filigran daher kommt? Wir probieren auch die kurz gebratene Kalbsleber „Berliner Art“ mit Kartoffelpüree und Äpfeln: die Leber ist von feiner Textur und kräftig-derbem Geschmack, der aber nicht ins Bittere kippt; eine wohl mundende Portion. Überhaupt ist das das Besondere an Korff. Die Küche macht satt, obwohl sie als gehoben gilt: Der Gasthof wird im aktuellen „Guide Michelin“ empfohlen und steht in der „Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste“, die die wichtigsten bundesweiten Restaurantführer auswertet und so Deutschlands beste Restaurants ermittelt.

„70 Prozent unserer Gäste sind Stammgäste von früher, die sich freuen, dass sie ihren geliebten Gasthof Korff wieder haben, einer hat uns sogar mal eine Speisekarte aus dem Jahr 1966 mitgebracht“, erzählt Raguse. Der Besuch ist gut, auch heute: Obwohl es mitten in der Woche ist, strömen viele Menschen in den Gasthof, der im Innenbereich 65 Plätze bietet. Noch einmal am leckeren Wein genippt, dann wenden wir uns den Nachspeisen zu. Zum Beispiel der intensiven Nougatcreme. Oder der „Crème brûlée“: problemlos durchstoßen unsere Löffel eine leise knackende Kruste aus Karamell, tunken in die darunter liegende Vanillecreme. Dazu outet sich ein Schokoladenkuchen mit warmem flüssigem Schokokern als Diva unter den Desserts, die ebenso betört wie ein warmer Blaubeerpfannkuchen mit Vanilleeis oder superfruchtige Sorbets in den Sorten Cassis, Himbeere, Apfel. Was hatte Raguse sich vorhin noch gewünscht? „Unsere Gäste sollen den Alltag hinter sich lassen.“ Dazu sagen wir: Herbstfrust wegen Erkältungswetter? Gegessen.

 

Gasthof Korff, Kölner Straße 252, 47807 Krefeld, Di. bis Fr. und So. 12 bis 14 Uhr 
und 18 bis 22 Uhr, Sa. 18 bis 22 Uhr, Telefon: 02151-36 22 766, www.gasthof-korff.de