An der Wiedenhofstraße lockt ein neues Restaurant, in dem die kulinarische Vielfalt einzelner Regionen der Türkei Programm ist: das „Arabul“. Übersetzt heißt das „Suche und Finde“. Eine mehr als lohnende Aufforderung für Gäste – denn dieser Newcomer hat in der Krefelder Gastronomie noch gefehlt.
Interessiert schaut es zu der gläsernen Tafel an der Wand, auf der die „Gerichte des Tages“ in pinkfarbener Schrift geschrieben stehen, eifrig blättert es durch die Speisekarte aus Papier. Das junge Pärchen scheint schwer zu überlegen, was gleich auf den Tisch kommen soll; eigentlich liest sich alles so lecker.

Gastro-Tipp „Arabul“: Türkische Vielfalt jenseits der Dönertasche

Viele Krefelder kennen ihn unter seinem Spitznamen „Günni“: Güngör Yarali, Chef des neuen Restaurants „Arabul“

Das finden wir zwar auch, wir vom Team der KR-ONE, die wir ebenso im „Arabul“ sitzen, dem neuen türkischen Restaurant von Krefeld. Jedoch haben wir uns leichter getan, als das noch unentschlossene Paar: Wir kosten einfach jeder ein anderes Gericht, darunter auch absichtlich typisch türkische Speisen, die wir noch nicht kennen. Einfach mal probieren, was man vielleicht noch nie probiert hat: genau so entdeckt man im „Arabul“, einem der spannendsten kulinarischen Newcomer der Seidenstadt, den Genuss. Schon die Vorspeisen hauen uns um. Die sind uns zwar nicht unbekannt, aber trotzdem schmecken sie irgendwie – ja, leckerer als sonst. Begeistert tauchen wir kross gebackenes Fladenbrot in leichte Knoblauchmayonnaise, tunken Tomatenscheiben und Gurkenspalten in fein angerührte Dips aus Kirchererbsenpüree mit Sesampaste, aus geschmolzenem Käse mit Nüssen, erfrischendem Joghurt – mal mit Minze, mal mit Möhren vermischt – oder einem Mus aus gehackten Zwiebeln und Tomaten, dem grob geriebenes, getrocknetes Chilli angenehme Schärfe geben. Glücklich bedienen wir uns auch von den warmen Vorspeisen: knusprig-zarte Blätterteigröllchen mit Schafskäsefüllung, gebackener, milder Schafskäse, der auf der Zunge zergeht oder Weizenschrotbällchen, gefüllt mit pikant-würzigem Hackfleisch.

Ein toller Start! Den hat auch das türkische Ehepaar Gülsem und Güngör Yarali hingelegt mit seiner Entscheidung, sich in die Selbständigkeit zu wagen. Am 31. Januar 2015 haben die Yaralis – beide übrigens in der Krefelder Partnerstadt Kayseri in Zentralanatolien geboren – das Restaurant „Arabul“ an der Wiedenhofstraße eröffnet, „und wir freuen uns schon jetzt über Stammgäste“, erzählt Güngör Yarali. Dabei ist die Lage in der City nicht ganz einfach: Zwar liegt die Wiedenhofstraße zentral, aber viele Shoppinghungrige ignorieren die Parallele der Breite Straße auf ihrem Weg stadteinwärts in die Fußgängerzone.

Der Name „Arabul“ ist also ganz Programm. „Suche und Finde“ bedeutet „Arabul“ nämlich auf Deutsch übersetzt und spiegelt die Motivation speziell von Güngör Yarali wider, ein eigenes Restaurant aufzumachen. „Immer wieder haben mich so viele Krefelder, die mal in der Türkei ihren Urlaub verbracht haben, ermutigt, doch die türkische Küche anzubieten – so lange, bis ich mit meiner Frau beschlossen habe: Gut, wir bieten die Küche an. Und die Menschen sollen sich auf den Weg machen und uns suchen und finden.“

Klingt nach einem Wagnis, aber Güngör Yarali hatte in einer Stadt wie Krefeld gute Voraussetzungen dafür. Zwölf Jahre lang war der heute 55-Jährige als Servicekraft im bekannten Brauereiausschank Wienges an der Neusser Straße für viele Krefelder Stammgäste der geliebte „Günni“, ganze 17 Jahre etablierte er sich danach im „Dachsbau“ weiter als feste Größe in der Gastronomie der Seidenstadt. Es wundert also nicht, dass der stilvoll eingerichtete Gastraum mit 40 Sitzplätzen gut besucht ist, auch unter der Woche, und zwar sowohl von jüngeren Gästen als auch von älteren. Und nicht nur aus Krefeld: Die vier Damen dort drüben am Tisch, über 60 und 70 Jahre alt, sind zum Teil aus Meerbusch und Grefrath angereist.

Der Erfolg des „Arabul“ liegt an seinem kulinarischen Konzept, das die Vielfalt der unterschiedlichen Regionen der Türkei widerspiegelt. Die Regionen sind nämlich, was ihre Spezialitäten angeht, so unterschiedlich wie die Bundesländer Deutschlands. „In der ägäischen Region kocht man zum Beispiel ganz viel mit Olivenöl, während im Schwarzmeerraum vor allem Maismehl und Kohlarten zum Einsatz kommen“, verrät Güngör Yarali. Oder: In Urfa, dem mesopotamischen Teil der Türkei, wird viel gegrilltes Fleisch gegessen, während in Zentralanatolien die Zucchini und die Aubergine sich die Hauptrolle auf dem Teller teilen.

Und genau diese Mannigfaltigkeit, serviert als gehobenere türkische Küche jenseits der Dönertasche, macht das „Arabul“ aus. Zu moderaten Preisen: Vorspeisen wie Gurkenraspel in Knoblauchjoghurt mit einem Hauch Minze gibt es schon ab 3,50 Euro. Das teuerste Gericht kostet 19,50 Euro: Rinderfiletstreifen auf Auberginenpüree mit Käse überbacken, dazu Rosmarinkartoffeln. Wir schlemmen uns nun durch Hauptgerichte. Zum Beispiel zarte Lammfilets auf Blattspinat mit Rotwein-Dattelsauce: Das mild-herb schmeckende Lammfleisch und die süßliche, mit Zimt abgeschmeckte Sauce bilden eine aufregende Liaison, würdig getragen durch den Spinat. Oder die Hähnchenbruststreifen in Orangen-Cranberrysauce an mediterranem Gemüse: elegant nimmt sich der zitrusfruchtige Geschmack der Orange in der Sauce aus und wird abgeholt von den süß-säuerlichen Cranberrys. Mittendrin: das Hähnchenfleisch, superzart und leicht.

Gastro-Tipp „Arabul“: Türkische Vielfalt jenseits der Dönertasche

 

Helles „Klingkling“ ertönt: wir stoßen unsere Gläser aneinander, mit den Weinen, an denen wir während unseres Mahls immer wieder freudig nippten, zwei echte türkische Weine. Der rote aus Ostanatolien war für unser Essen ein geduldiger Begleiter, der den Geschmack der Speisen nicht überlagert. Angenehm eigenwillig der weiße Wein aus der Nähe von Ankara, dabei tat der zunächst ganz unschuldig. Um dann eine Würze zu entfalten, die auf der Zunge eine gekonnte Pirouette zu drehen schien, bevor sie einen eleganten Abgang hinlegt.
Eine perfekte Premiere. Auch Letizia Lombardo, 19 Jahre, ab August Auszubildende als Bauzeichnerin, ist heute zum ersten Mal im „Arabul“: Gemeinsam mit ihrem drei Jahre älteren Freund Sebastian Grzybek testet sie das Restaurant, „eine Bekannte einer Tante gab uns den Tipp“, erzählt die junge Krefelderin dankbar: „Es war frisch und lecker und sehr nett hier. Wir kommen wieder.“

„Arabul“, Wiedenhofstraße 36-38, 47798 Krefeld,
Öffnungszeiten Mo-Fr.: 17-23 Uhr, Sa 12-23 Uhr, So 17-23 Uhr, Tel.: 02151-6471555,
www.arabul-krefeld.de