Die Wohlfühloase unter den Krefelder Cafés

Kaffee und Kuchen gehören zur deutschen Tischkultur wie das Gras auf die Wiese. Nur wenige Länder pflegen eine so rege und traditionsreiche Beziehung zur braunen Bohne wie wir. Besonders in der Weihnachtszeit steigt in uns das Bedürfnis nach wärmenden Heißgetränken, und auch die Lust auf süßes Gebäck wird wie von Zauberhand immer größer. Was läge also näher, als Krefelds einzigartigste Kaffeeoase vorzustellen: Das „Liesgen“.

Die Wohlfühloase unter den Krefelder Cafés

Hier wird Kaffeekultur nach allen Regeln der Kunst zelebriert und spiegelt dabei, dank abwechslungsreicher Alternativen, den Zeitgeist der modernen Esskultur.

Über der Tür des alten Backsteingebäudes auf der Wiedenhofstraße baumelt im Herbstwind ein Schild, auf dem eine Katze fröhlich eine Flasche Milch schlürft. Im warmen Inneren laden bunt zusammengewürfelte Holztische, -Stühle und -Bänkchen zum langen gemütlichen Sitzenbleiben ein. In den vielen Ecken des verwinkelten zweistöckigen Lokals gibt es einiges zu entdecken. An den dunkelbraunen Backsteinen der unverputzten Innenwände hängen diverse Bilder einer Düsseldorfer Künstlerin. Neben der alle zwei Monate wechselnden Kunst sind auch ausgesuchte Geschenk- und Papeterie-Artikel ausgestellt. Jedes Tischchen ziert eine kleine Pflanze nebst Kerze und Vintage-Zuckerdose. Circa 30 Gäste können hier die Seele baumeln lassen.

Wir werden von der breit lächelnden Inhaberin, Anna Optenplatz, in Empfang genommen. Seit der Eröffnung vor vier Jahren zieht das Liesgen täglich unzählige Besucher aller Altersstufen an. „Das hat uns selber völlig umgehauen“, erzählt Anna Optenplatz, als könnte sie den Erfolg ihres Herzensprojekts noch immer nicht recht fassen. Die 34-Jährige hat, ebenso wie ihre Geschäftspartnerin und Freundin Kathrin Helbig, Produktdesign an der Hochschule Niederrhein studiert. Während des gemeinsamen Studiums entdeckten die beiden Kaffee-Liebhaberinnen schnell ihre gemeinsame Leidenschaft für das Lieblingsgetränk der Deutschen und träumten bald vom eigenen Café. Was die Lokalität betraf, hatten die zwei großes Glück. Die Immobilie, in der sich heute das Liesgen befindet, stand zum damaligen Zeitpunkt bereits anderthalb Jahre leer. Für die beiden Freundinnen war es Liebe auf den ersten Blick. „Wir wussten sofort: DAS ist unser Laden“, lacht Optenplatz. Wie ihr Café heißen sollte, war auch schnell klar. Als Inspiration für den Namen diente die „Kaffeekantate“ von Johann Sebastian Bach. „Darin kommt Liesgen, die Tochter des Herrn Schlendrian, vor. Und das Liesgen ist kaffeesüchtig, das passt natürlich zu uns“, erklärt sie. Ebenso wie Konzept, Einrichtung und Deko ist auch auf den Tellern alles selbstgemacht. Das Café führt ausschließlich vegetarische Gerichte. Oftmals komplettieren auch vegane Varianten die Speisekarte, und für viele Speisen und Getränke gibt es gluten- oder laktosefreie Alternativen. Das Angebot des Liesgens gliedert sich in die Bereiche Frühstück, Mittag und Kaffeezeit – die Übergänge sind fließend.
Zum Frühstück steht den Gästen eine große Auswahl an kalten, warmen, süßen und herzhaften Speisen zur Verfügung. Es gibt einfallsreiche Rühreivarianten und verschiedene Müslis mit frischem Obst. Außerdem können Frühstückskombinationen bestehend aus Brot, Brötchen, Aufschnitt, Marmelade und allem, was zu einem klassischen Frühstück dazugehört, bestellt werden. Ein besonderer Genuss sind die großen Pfannkuchen, die es in drei süßen und drei herzhaften Varianten gibt. Unser Favorit ist belegt mit Banane, Zartbitterschokolade und Mandelsplittern und macht nicht nur satt, sondern auch glücklich.
Zum Mittagessen gibt es eine wöchentlich wechselnde Karte mit saisonal abgestimmten Gerichten. Immer mit dabei ist eine Quiche mit Salatbeilage, häufig gibt es Suppen und Currys. Für den kleinen Hunger eignen sich die beliebten „Stullen“: dicke Roggenbrotscheiben, belegt mit verschiedenen Aufstrichen, Käse und Salat, Obst oder Gemüse. Besonders beliebt ist die Hummus-Stulle mit Salat, Gurke und Paprika, die unser geliebtes deutsches Butterbrot mit orientalischem Flair vereint.

Das Café führt ausschließlich vegetarische Gerichte.

Zur Kaffeezeit können sich die Gäste im Liesgen mit verschiedenen Heißgetränken und hausgemachtem Kuchen verwöhnen lassen. Neben Cappuccino, Tee, Kakao und Co. verstecken sich hinter kreativen Namen wie
„Karl Spezial“ oder „Dr. Gruber“ besondere Kreationen wie heiße Schokolade mit Espresso oder Tee mit frischem Ingwer, frischer Minze, Zitrone und Honig. Auch hier gibt es saisonal wechselnde Angebote. Derzeit können sich die Gäste mit „Goldener Milch“ und „Schoko-Chai“ aufwärmen. Wer beim Heißgetränk auch Lust auf ein Stück Kuchen kriegt, bekommt hier einen Tipp der Inhaberinnen: „Die perfekte Winterkombi ist unser dänischer Möhrenkuchen mit der goldenen Milch.“ Das wärmt auf, schmeckt in der Kombination absolut fantastisch und stärkt dabei, dank Kurkuma und Zimt, noch das Immunsystem. Der dänische Möhrenkuchen stellt das einzige Dauerangebot in der Kuchentheke dar und ist bei den Gästen sehr beliebt. Die beiden Inhaberinnen überlegen sich mit ihrer Köchin zusätzlich immer neue Kuchen und Tartes, die den Gästen eine süße Abwechslung bieten. Im Liesgen entsteht beim Besucher sofort eine Art Wohnzimmeratmosphäre. Das Interieur versetzt den Gast an einen Ort irgendwo zwischen Omas Kaffeetafel und einem englischen Landcafé – ein Ort, an dem man sich pudelwohl fühlt. Hier wird Kaffeekultur nach allen Regeln der Kunst zelebriert und spiegelt dabei, dank abwechslungsreicher Alternativen, den Zeitgeist der modernen Esskultur. Und wenn man sich nach einem ausgedehnten Kaffeekränzchen irgendwann zum Aufbruch entschließt, dann tut man das garantiert mit viel neuem Serotonin im Blut.

 

 Anm. der Red.: Das Liesgen hat Nachwuchs bekommen: Kathrin Helbig ist die stolze Mama. Deshalb erscheint sie nicht auf den Fotos. Das Interview haben wir mit Anna Optenplatz allein geführt.

Liesgen,
Wiedenhofstraße 71,
47798 Krefeld
Öffnungszeiten: Die-Sa 9-19 Uhr,
www.liesgen.de Reservierungen nur für Gruppen ab fünf Personen. Reservierungsformular auf der Website.