Gastro-Tipp „Tapas“
: Spanischer „Shabby Chic“ mit Familien-Anschluss

„Von Stammkunden zu Inhabern“, so lässt sich die Geschichte von Martina und Lothar Strücken beschreiben. Im Sommer 2002 haben der freie Pressefotograf und seine Frau mit dem „Tapas“ ihren „Lieblings-Spanier“ auf dem Großmarkt übernommen. Auch die drei Kinder Alex (18), Lukas (22) und Kathi (24) haben Spaß an der Gastronomie und helfen den zwölf Mitarbeitern regelmäßig in Küche und Service. Nicht zu vergessen: Oma Anneliese (84). Zu ihr und ihren wunder­vollen Kuchen später mehr.

Gastrotipp: Tapas
 - Spanischer „Shabby Chic“ mit Familien-Anschluss

Für unseren Gastrotipp haben sich alle Familienmitglieder am langen Holztisch im Restaurant versammelt. Die Szenerie erinnert ein wenig an ein spanisches Familientreffen. Nur Oma Anneliese fehlt. „Sie steht gerade in ihrer Küche und backt für uns“, schmunzelt Tin Strücken. Eigentlich heißt sie ja Martina, aber Tin passt viel besser zu dieser Frau, deren Lieblingsinsel Ibiza ist. Mit lässigem Tuch um die Stirn, den rötlichen Haaren und ihrer offenen, ruhigen Art passt Tin so recht in das Gesamtbild dieser Location. Gedämpftes Licht fällt von der rustikalen Holzdecke und breitet sich aus über einfachem Holzmobiliar auf abgewetztem Holzfußboden zwischen cremefarbenen und roten Wänden. Ein Flair, das irgendwo zwischen einer urigen Bodega und „Shabby Chic“ liegt.

Das war nicht immer so. Tin und Lothar Strücken haben das ehemalige Selbstbedienungsrestaurant mit offener Küche vor 13 Jahren übernommen und sukzessive auf rund 90 Innenplätze und 40 Terrassenplätze vergrößert. „Wir haben die Selbstbedienung abgeschafft, die Küche verlagert, eine Spülküche angebaut und WC-Anlagen geschaffen“, erzählt Lothar Strücken. Wichtig war ihm außerdem ein guter Dunstabzug: „Uns besuchen oft Geschäftsleute, die nachher noch Termine haben. Die dürfen nicht nach Küche riechen“ – die Küche schmecken dürfen sie aber wohl!

„Wir freuen uns immer, wenn Gäste nach ihrem Spanien-Urlaub zu uns kommen und sagen, dass unsere Speisen authentisch sind.“

Jetzt „müssen“ auch wir so langsam bestellen. Die angenehme Plauderei mit Tin, Lothar und den Kindern hat uns die Zeit vergessen lassen. Aber genau das macht die Atmosphäre im Tapas aus. Sogar die Mitarbeiter sind mit der Familie befreundet, man kennt einen Großteil der Kunden persönlich und empfängt neue herzlich. Lothar Strücken ergänzt: „Zu uns kann eine Frau auch alleine kommen und wird nicht angebaggert. Und freitags und samstags haben wir ,Ende offen‘. Wir gucken keinen raus.“ Apropos „Gucken“: Vom großen Osborne-Plakat auf der linken Seite des rund 120 Quadratmeter großen Gastraums fällt unser Blick auf die gegenüberliegende Wand mit der dicht beschriebenen Schiefertafel. Neben den alle paar Wochen wechselnden Tages-Empfehlungen lesen wir eine große Auswahl kalter und warmer Tapas, aufgelistet von A bis Z. Die Getränke reichen von Bieren wie San Miguel und Mahou über Liköre und Sherrys bis hin zu ausgesuchten Brandy-Sorten – eine ganz persönliche Vorliebe des Chefs. Zur Vorspeise gibt es neben Ciabatta-Brot und selbst gemachter Aioli eine feine Tapas-Variante des „Pollo Picante“. Das Paprika-Hühnchen schmilzt förmlich im Mund. Leicht salzig schmecken die grasgrünen „Pimientos“, angebratene mittelscharfe Peperoni. Kross sind die „Boquerones frito“, fein frittierte Sardellen, die mit einem Bissen im Mund verschwinden, samt der einen oder anderen Minigräte… Die gegrillten kalten Zucchini werden mit einer Balsamico-Creme serviert. Manche mögen‘ s lieber heiß, aber das darf man bei der Bestellung ruhig dazusagen. Individuelle Wünsche werden nach Möglichkeit gerne erfüllt. Köstlich – und bei den Kunden sehr gefragt – sind die Datteln im Speck-Mantel! Alle Tapas-Portionen kosten im Schnitt vier Euro. Für den Zwischengang hat uns Tin ihre Fischsuppe gekocht. Im roten Sud schwimmen ansehnliche Fischfilet-Würfel vom Lachs, Butterfisch und Zander. Drumherum grüne Pfahlmuscheln, Calamares und Gambas. Der Teller für 8,50 Euro ist ein Gedicht, auch optisch. Wer den Fisch nicht gerne löffelt, sondern lieber mit Messer und Gabel isst, der bestellt einen Fischteller. Der ist mit 17,50 Euro das teuerste Gericht. Der Fischteller enthält die drei Fischsorten, die wir aus der Suppe kennen, in „Sattmachergröße“ und eine üppige Beilage aus Patatas und gemischtem Salat mit selbstgemachtem Dressing. Üppig ist der Grillteller für 15,90 Euro mit einem Spieß aus Schweinefilet, Hühnchen, Nacken- und Rindersteak. Dazu gibt es Steakhouse-Pommes und gemischten Salat. Die Barbecue-Sauce kann natürlich auch durch eine scharfe Salsa oder Ketchup und Mayo ersetzt werden. Ein „Renner“ ist der Burger aus rund 250 Gramm amerikanischem Rindfleisch, im Tapas serviert zwischen zwei leckeren Ciabatta-Scheiben. Spanisch ist zwar anders. „Aber wir haben ja auch Cola“, räumt Lothar Strücken diesen Anwurf souverän aus dem Weg.

Gastrotipp: Tapas
 - Spanischer „Shabby Chic“ mit Familien-Anschluss

Fischteller mit Lachs, Butterfisch und Zander, grünem Pfahlmuscheln, Calamares und Gambas

Dann der liebevoll angerichtete Nachtisch für alle: unter feinem Puderzucker und mit Physalis und Minzblättern dekoriert, sticht der Mandelkuchen optisch hervor. Probieren Sie mal ein Stück zusammen mit einem Minzblättchen. Das schmeckt! Daneben zwei Kugeln Vanille- und Nusseis in einem Sahne-Nest, umrandet von Pfirsichspalten auf Schokosauce. Zum Abschluss probieren wir eine köstliche „Crema Catalan“. Die Creme aus Eiern, Milch und Zitrone mit dem karamellisierten knackigen „Zuckerdeckel“ kennt man auch als „Crème Brûlée“.

Jetzt möchten Sie bestimmt noch wissen, was wir zu Oma Anneliese schreiben wollten? Ihre Backkünste kommen immer wieder auf den Tisch: in Form von Stachelbeer-­Baiser-Torte, gedecktem Apfelkuchen mit Mandeln und getrockneten Aprikosen oder Schwarzwälder Kirschtorte. Nicht nur die Stammtisch-Runden, die samstags ab zwölf Uhr das Tapas besuchen, nehmen dieses niederrheinische Zusatzangebot gerne an.

Einem neuen Trend auf der Spur ist Tin Strücken: Demnächst soll es auch vegane Gerichte geben. Vorstellbar sei ein veganer Tofu-Burger mit Salat, Gurke und entsprechend gebackenem Brot. Oder ein Chili, das statt Fleisch mit Soja gekocht und feurig gewürzt wird – immer mit Leidenschaft und Liebe zum Detail. Denn auch das zeichnet das Tapas neben seiner gelebten Gastfreundschaft aus.

Tapas, Oppumer Straße 175, 47799 Krefeld, Öffnungszeiten Di-Fr: 17.30-24 Uhr, 
Sa 11.30-24 Uhr, So/Feiertag 17.30-24 Uhr, 
Um Reservierung wird gebeten.
Tel.: 02151-511100, www.tapas-krefeld.de

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