Es gibt nur wenige Unternehmen, die gleich 13 Gründer haben – so wie Der andere Buchladen, der vor 40 Jahren als „Buchladen am Schinkenplatz“ gegründet wurde. „Wir waren damals mit den neuen sozialen Bewegungen verbunden, und wollten gerne auch etwas darüber lesen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer Heinz Hüwe-Schweers und ergänzt: „Bücher über Umwelt- und Frauenthemen, Atomenergie oder die Dritte-Welt-Problematik gab es in den bürgerlichen Buchhandlungenaber nicht, und auch Literatur aus kleinen Verlagen bekam man dort kaum. Also haben wir uns die Quelle für unsere Bücher selbst geschaffen.“ Dabei war das Krefelder Buchladenprojekt Teil einer großen Gründungswelle, bei der um 1978/79 viele ähnliche Alternativunternehmen entstanden – wie zum Beispiel die Buchläden Aragon in Moers oder BiBaBuze in Düsseldorf.

Im Jahr 2015 wurde „Der andere Buchladen“ mit dem Deutschen Buchhandlungspreis als „Ausgezeichneter Ort der Kultur“ prämiert

Im konservativen Mainstream der frühen Achtziger blieb der Krefelder Alternativbuchladen auch nach dem Umzug in größere Räume an der Dionysiusstraße weiterhin ein Exot. Das Konzept änderte sich mit neuem Standort und Namen nicht. Das von einem Kollektiv geführte Unternehmen blieb ein „anderer Buchladen“. Während man der Gründungsidee inhaltlich treu blieb, forderte der geschäftliche Alltag seinen Preis, und es kristallisierte sich ein Kernteam heraus, dass schließlich eine GmbH gründete. Die ersten Gesellschafter waren die „Urgründer“, Heinz Hüwe-Schweers, der vor zwei Jahren gestorbene Achim Kurschat sowie Wolfgang Behl, der seit 1980 zum Team gehört. Daneben arbeiten heute Hüwe-Schweers‘ Frau Ursa Engelen,Stefanie Hanowskiund ab und zu sein Sohn Andreas an der Dionysiusstraße mit. „Unser Ziel war es von Anfang an, kein übliches rein gewinnorientiertes Unternehmen zu gründen. Der Laden sollte nur Menschen gehören, die darin arbeiten“, so Hüwe-Schweers.

Zur Philosophie des anderen Buchladens gehörten von Anfang an Veranstaltungen und Kooperationen. Zum einen arbeitete man mit ideell verwandten Akteuren wie Amnesty International, dem Krefelder Eine-Welt-Laden, dem NS-Dokumentationszentrum oder dem Werkhaus zusammen, zum anderen zunehmend mit kommunalen Institutionen wie der Mediothek, dem Stadttheater und der Volkshochschule. Ein wichtiges Format des Buchladens an der Dionysiusstraße ist von Anfang an die Autorenlesung. So umfasst die Veranstaltungsliste seit den 80er Jahren fünf sehr klein und eng beschriebene DIN-A4-Seiten. Im Durchschnitt einmal monatlich lädt der Krefelder Buchladen Autoren ein, aus ihren Werken vorzulesen, wobei die Lesungen aufgrund des begrenzten Platzesim mit Büchern gut gefüllten Ladenlokal, oft im Theater,der Mediothekoder der VHS stattfinden. „Wir lieben es, unbekannteren Autorinnen und Autoren eine Bühne zu geben, freuen uns aber auch, wenn wir Bestseller vorstellen dürfen“, so Wolfgang Behl. Er fügt hinzu: „Eigentlich ist es unfair, aus den vielen Namen einzelne herauszugreifen – aber zwei Highlights der letzten Jahre waren für mich die Lesung der jungen Georgierin Nino Haratischwili mit ihrem Buch ‚Das achte Leben‘ und der Roman „Das kalte Blut“ des Regisseurs Chris Kraus.

Neben den „großen“ Lesungen verdient ein weiteres Veranstaltungsformat des anderen Buchladens eine Erwähnung: die jeden zweiten Dienstag im Monat angebotene „Spätlese“, bei der Bücherwürmer – und solche, die es werden wollen – bei Wein und Käsehäppchen – ab 19 Uhr für drei Stunden in Ruhe im anderen Buchladen schmökern können. Faire achtEuro zahlt man dabei für Speis und Trank. Was man für seine zukünftigen Lieblingsbücher ausgibt, liegt im eigenen Ermessen. Wer keinen Abend an der Dionysiusstraße verbringen möchte, kann hier aber auch zu den regulären Öffnungszeiten wunderbar schmökern. Die dicht gereihten Regale bieten eine riesige Auswahl an allem, was das bücherliebende Herz begehrt: Romane und Krimis, Kinderbücher und Frauenliteratur, Bücher zu Psychologie und Philosophie, Wirtschaft und Geschichte, und damit sind noch längst nicht alle Themengebiete genannt. „Schutzfolien entfernen wir auf Wunsch sehr gerne, und wer sich ein Buch in Ruhe ansehen möchte, bekommt dazu auch einen Espresso und ein Glas Wasser serviert“, erklärt Ursa Engelen.

Wie in alten Gründungszeiten unterscheidet sich das Sortiment des anderen Buchladens heute deutlich von den Angeboten des Buchhandel-Mainstreams. „Einige Titel bieten wir genauso an wie die großen Buchkaufhäuser“, weiß Wolfgang Behl,  „aber manches, was wir haben, werden Sie dort vergebens suchen. Wir legen nach wie vor großen Wert darauf, auch kontroverse Themen aus Politik und Gesellschaft anzusprechen und Werke junger und unbekannter Autoren anzubieten, gerne auch von deutsch schreibenden Fremdsprachlern, wie die bereits erwähnte Nino Haratischwili.“ „Wir sind heute nicht mehr der Alternativbuchladen aus den Achtzigern“, ergänzt Geschäftsführer Heinz Hüwe-Schweers. „Aber wir legen nach wie vor Wert auf Anspruchsvolles aus kleinen Verlagen. Daneben sind wir natürlich auch in der heutigen Zeit angekommen und haben einen eigenen Webshop, über den online bestellt werden kann. Der bessere Weg, zu einem guten Buch zu kommen, ist für unsaber immer noch, persönlich bei uns auf einen Kaffee und eine gute Beratung vorbeizuschauen.“

 

 

Der andere Buchladen
Dionysiusstraße 7
47798 Krefeld
Tel.: 02151-66842
Web: www.der-andere-buchladen-krefeld.de    

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