Das klassische Möbel-Polstern ist ein durchaus aufwendiges Verfahren, das man nur mit einer fundierten Ausbildung und langjähriger Erfahrung gut bewältigen kann. Der Krefelder Raumausstatter-Betrieb Grüttner darf sich glücklich schätzen, solch einen Handwerksexperten zu seinem Team zu zählen: Jürgen Strey ist Raumausstattermeister und bereits seit 31 Jahren hier im Betrieb. Er hat er sich schon früh auf das Polstern spezialisiert und bereits Jahre für André Grüttners Großonkel gearbeitet, von dem der jetzige Firmeninhaber das bereits 1893 gegründete Familienunternehmen 2013 übernommen hat. An der Rheinstraße hat die große Polsterwerkstatt von Raumausstattung Grüttner seit 1997 ihren Platz – in unmittelbarer Nähe der Hauptgeschäftsstelle am Dampfmühlenweg 9. 

In der Werkstatt zeigt uns Jürgen Strey gerne, wie sein Handwerk funktioniert und stellt zwei Sessel auf ein Podest – der eine nach der klassischen Methode gepolstert, der andere nach dem modernen Verfahren. „Den erheblich höheren Aufwand der klassischen Polsterei können Sie gleich erkennen“, sagt der Polstermeister und zeigt auf den linken Stuhl: „Grundlage sind Jutegurte, auf die spezielle Sprungfedern aufgenäht sind, die wiederum fest verschnürt und mit Federleinen abgedeckt werden. Auf den Leinen kommt der aus Palmfasern bestehende Füllstoff ,Afrik“‘, der noch einmal mit Leinen abgedeckt und dabei zugleich in Form gebracht wird. Die nächste Schicht besteht aus Rosshaar oder der Kunstfaser Elancrin. Den Abschluss unter dem Bezugsstoff bildet schließlich Baumwollnessel. Sie können sich vorstellen, dass es einige Zeit dauert, auf diese Weise zu polstern. Für einen Sessel wie diesen braucht man etwa 30 bis 40 Arbeitsstunden.“

Polstermeister Jürgen Strey

Polstermeister Jürgen Strey arbeitet schon 31 Jahre bei Grüttner

“Sie können sich vorstellen, dass es einige Zeit dauert, auf diese Weise zu polstern. Für einen Sessel wie diesen, braucht man etwa 40 bis 50 Arbeitsstunden.”

Bei der modernen Polsterung, die der andere Stuhl zeigt, werden die Jutegurte mit Leinen belegt und darüber ein fertiger Federkern im gewünschten Maß befestigt. Polsterhöhen und -härten variiert man mit Hilfe unterschiedlicher Schaumstoffauflagen, die Grüttner in der Werkstatt vorrätig hat. Durch die vielfältigen Varianten kann für jeden Kunden das passende, individuell angefertigte Polsterstück hergestellt oder aufgearbeitet werden. Aufgrund des größeren Aufwandes und des damit verbundenen höheren Preises wird die klassische Polstertechnik bei Raumausstattung Grüttner seltener eingesetzt als die moderne Variante. Aber auch für das traditionelle Polstern gibt es immer wieder Aufträge. „Klassisch aufgepolstert werden in der Regel Stilmöbel, die uns unsere Kunden bringen“, erklärt André Grüttner und ergänzt: „Dabei ist es oft Glückssache, vorab den Aufwand einzuschätzen. Von außen kann man nämlich kaum sehen, was im Sessel gemacht werden muss. Das wissen wir erst, wenn der Bezug runter ist.“ Ein Vorteil von Raumausstattung Grüttner ist die lange Tradition und das dadurch vorhandene umfangreiche Lager von Polstermaterialien. „Da finden wir oft auch etwas, das heute gar nicht mehr hergestellt wird“, so Grüttner. Und natürlich ist auch Jürgen Streys langjährige Erfahrung von erheblichem Vorteil. „Im Prinzip hat sich das Polstern seit meiner Lehrzeit in den Achtzigern nicht geändert“, weiß er und fügt hinzu: „Wenn man ein Handwerk seit über 30 Jahren ausübt, hat man schon ein paar Tricks und Kniffe auf Lager, die jungen Kollegen fehlen.“

Grüttner Raumausstattung
Die passenden Stoffe für Polstermöbel – egal ob klassisch oder modern – findet der interessierte Kunde um die Ecke in Grüttners Ladenlokal. Hier zeigt uns Firmeninhaber André Grüttner, was alles möglich ist und erklärt: „Wir haben Stoffe von namhaften Herstellern wie zum Beispiel Höpke, Saum & Viebahn, Romo, Backhausen oder JAB Anstoetz im Programm. Dabei reichen die Designs von klassisch bis ausgesprochen modern.“ Eine sehr moderne Kollektion in leuchtenden Farben und mit an Pop-Art erinnerndem Design zeigt uns der Raumausstatter auf seinem großen Mustertisch und erläutert: „Das sind wirklich tolle Stoffe von der Firma Romo, die wir natürlich vorwiegend für moderne Polstermöbel einsetzen. Manchmal kann es aber auch spannend sein, ein klassisches Möbelstück mit einem kräftig gemusterten, modernen Stoff zu beziehen. Was passt und nicht, muss man im Einzelfall entscheiden, und natürlich muss es dem Kunden gefallen. Der will sich schließlich die nächsten 30 Jahre in diesen Sessel setzen.“

Links ein nach klassischer Methode gepolsteter Sessel, rechts ein Sessel mit modernem Polster

Geschäftsinhaber André Grüttner

Für André Grüttner ist die Polsterei ohne Frage eine der spannenden Aufgabenbereiche seines Unternehmens – das gilt sowohl für die klassische als auch die moderne Variante, wobei es besonders interessant wird, wenn der Handwerksbetrieb in Zusammenarbeit mit einem Restaurationsbetrieb echte Museumsstücke aufarbeiten darf. „Wir haben auch schon einmal die Sitze eines Ford T Modells neu gepolstert, und die Sitze eines Bootes hatten wir auch schon in der Werkstatt“, freut sich der Raumausstattermeister und ergänzt: „Uns machen aber auch die anderen Arbeitsbereiche wie das Verlegen von Bodenbelägen oder das Herstellen, Reinigen oder Reparieren von Gardinen, Vorhängen und Sonnenschutzanlagen sehr viel Spaß. In der Raumausstatterausbildung lernt man heute wie früher alle Teilbereiche unseres tollen Berufs kennen. Und da wir in unserem Betrieb fast alles selbst machen, bekommen auch unsere Auszubildenden die gesamte Bandbreite mit. Als Handwerker sieht man abends immer, was man am Tag getan hat. Das ist das Schöne an unserer Tätigkeit.“

 

Grüttner Raumausstattung,
Dampfmühlenweg 9,
47799 Krefeld
Telefon: 02151-21713,
www.gruettner.com