In Zeiten, in denen der Leistungsdruck auf Schüler immer mehr steigt, wird auch gute Qualität an deutschen Schulen immer wichtiger. Die „HEBO-Privatschule“ in Mönchengladbach, die von dem Krefelder Jürgen Steinborn geleitet wird, geht als Beispiel voran. Ein Portrait.

„HEBO-Privatschule“ in MG - Bildung durch Qualität

Gebürtiger Krefelder: Jürgen Steinborn, der heutige Leiter und Inhaber der HEBO-Privatschule in Mönchengladbach, hat sein Abitur am Krefelder Fichtegymnasium gemacht und war vor seinem Wechsel nach Mönchengladbach Eher am Gymnasium am Stadtpark in Uerdingen

„Der Erfolg unserer Schüler ist auch unser Erfolg. Es ist ein gutes Gefühl, wenn Schüler gemeinsame Ziele spiegeln und wenn sie Freude am Lernen und die damit verbundene Dankbarkeit zeigen.“ Jürgen Steinborn erzählt von seinem Arbeitsalltag: Steinborn, 60, gebürtiger Krefelder, Lehrer für Mathematik und Physik, ist Leiter und Inhaber der „HEBO-Privatschule“ in Mönchengladbach. Die „HEBO“ bekommt im Gegensatz zu einer öffentlichen Schule keine staatliche Unterstützung und kostet deshalb im Monat Schulgeld. Die Eltern der Schüler an der „HEBO“ kriegen jedoch eine Menge für dieses Schulgeld – nicht nur in Gestalt hochmotivierter Lehrer und eines ebensolchen Schulleiters und Lehrers wie Steinborn.

Gerade steht der Krefelder in einem der Unterrichtsräume seiner „HEBO“-Privatschule. Es ist Mittagszeit, große Pause, der Klassenraum ist leergefegt, es befinden sich nur wenige Stühle und Tische im Raum. „Unsere Klassen sind klein, wir haben maximal fünfzehn Schüler pro Klasse“, erzählt Steinborn. 165 Schüler besuchen zurzeit die Mönchengladbacher „HEBO-Privatschule“, unterrichtet von 25 festangestellten Lehrer und betreut von fünfzehn Lehramts-Studenten auf Minijob-Basis. Lehrer und Studenten arbeiten teilweise in Doppelbesetzung, die Lehramtsstudenten gehen überwiegend mit einzelnen Schülern ‘raus, um ihnen Einzelunterricht, Nachhilfe und Förderunterricht zu geben. „Auf einen Lehrer kommen drei bis vier Schüler“, erzählt Steinborn. Die Mönchengladbacher Lehranstalt gehörte ursprünglich einer Kette von insgesamt zehn „HEBO-Privatschulen“ an. „HEBO“-Privatschulen gibt es nur in NRW.

Die erste wurde 1978 in Bonn errichtet und von Hans Biegert und Josef Henkst aus Borchen, einer Gemeinde im Kreis Paderborn, als so genannte private „Ergänzungsschule“ gegründet. Als solche bereitet die „HEBO“ ihre Schüler zwar auf staatliche Prüfungen vor, darf diese Prüfungen aber nicht selbst abnehmen. Dafür schickt sie ihre Schüler an eine von sechs staatlichen Schulen in NRW, die der Bezirksregierung Düsseldorf angehören und der „HEBO“ immer neu zugeteilt werden. Der Name „HEBO“ setzt sich aus den jeweils ersten beiden Buchstaben des Nachnamens „Henkst“ und der Gemeinde „Borchen“ zusammen. Die HEBO-Privatschule Mönchengladbach wurde 1983 gegründet, im Jahr 1988 wurde sie selbstständig von den anderen Einrichtungen aus der Schulkette. Anfang der 80er Jahre hat Steinborn die Leitung der Mönchengladbacher „HEBO“ übernommen. Und obwohl diese Schule viele Kilometer von seiner Heimatstadt Krefeld entfernt in zwei Gebäuden in der Mönchengladbacher Wilhelmstraße untergebracht ist, hat Steinborn seine Entscheidung nie bereut. „In unserem Schulgeld ist ein wertvolles Angebot enthalten“, unterstreicht der Krefelder Pädagoge und rückt seine Brille zurecht. „Mit einer individuellen Förderung holen wir jeden Schüler genau dort ab, wo er gerade steht.“ Allein durch die sehr viel kleineren Klassen sei man einfach „dichter dran“ an den Schülern. Ein Beispiel: „Ist ein Schüler neu bei uns“, so Steinborn, „begleitet einer unserer Lehramtsstudenten ihn den ganzen Tag, zeigt ihm, wo welcher Raum ist und welche Bücher und sonstige Materialien er braucht.“ Die „HEBO“ beginnt ab der Klasse 4, und man kann an der Schule bis Klasse 13 bleiben, um sich auf den höchstmöglichen Abschluss, das Abitur an einer staatlichen Schule, vorbereiten zu lassen. Die Prüfer für ihre Abschlüsse an den staatlichen Schulen lernen die Schüler ein halbes Jahr vorher kennen. Und natürlich müssen sie viel leisten, genau wie anderswo. Dafür hat die „HEBO“ Angebote, die an öffentlichen Schulen alles andere als selbstverständlich sind. Zum Beispiel einen „Begleitcoach“ in Gestalt von Nadja Steinborn, 28, Tochter des Schulleiters, die den Schülern bei allen Fragen, Sorgen und Nöten zur Seite steht.

„HEBO-Privatschule“ in MG - Bildung durch Qualität

Will nach dem Abi Soziale Arbeit studieren: Edda Puschel, 18, kam nach einem Auslandsjahr in Texas an die HEBO in Mönchengladbach und geht dort in die 13. Klasse

Die „HEBO“-Privatschule bedient einen Trend, der sich bereits vor Jahren abgezeichnet hat. Schon die Pisa-Studie aus dem Jahr 2009 ist der Frage nachgegangen, warum Privatschulen immer beliebter werden. Laut der Beschreibungsreihe „Pisa im Fokus“, die die Ergebnisse der umfangreichen Pisa-Studien zusammenfasst, bereitgestellt von der internationalen „Organisation für wissenschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)“ – der deutsche Sitz ist in Berlin – erzielen Schüler, die eine Privatschule besuchen, „deutlich bessere Ergebnisse, als Schüler, die öffentliche Schulen besuchen“. Der Grund hierfür liege in besseren Bildungsressourcen, durch besser ausgebildete Lehrkräfte, einem geringeren Lehrermangel, einer größeren Autonomie bei der Festlegung der Lehrpläne, einer besonderen Art von Unterricht oder den schon erwähnten kleineren Klassen, in denen die Leistung des Einzelnen sich frei entfalten kann. So auch an der „HEBO“.

„Ich war vorher auf einem großen staatlichen Gymnasium, hier fühle ich mich viel wohler“, erzählt zum Beispiel der 18-jährige Carsten Diesterbeck aus Krefeld, der gerade die große Pause auf dem Schulhof der Oberstufe genießt. Der Zwölftklässler nimmt gerne den Weg aus der Samt- und Seidenstadt nach Mönchengladbach auf sich. „Die Atmosphäre hier ist so schön entspannt“, sagt Diesterbeck. Mitschülerin Edda Peschel aus der 13. Klasse stimmt zu. „Die Lehrer hier wissen mehr über unsere Stärken und Schwächen Bescheid und lassen auch nicht so den Lehrer heraushängen“, lächelt die ebenfalls 18-Jährige. „Außerdem geht es für eine Schule ungewöhnlich familiär zu.“ Im Schulhof der Oberstufe liegen überdimensionale Kissen verstreut auf dem Boden, in die man sich bequem hinein fläzen kann. Die Gebäude der „HEBO-Privatschule“ in der Mönchengladbacher Wilhelmstraße selbst wirken eher nüchtern, man sieht der Schule an, dass sie keinen Wert auf Prunk legt, generell keinen Wert auf Äußerlichkeiten. Dafür umso mehr auf die inneren Werte.

Was kürzlich wieder an einem Streik-Tag der Deutschen Bahn deutlich wurde. Die Menschen in NRW waren aufgeregt – die Schüler der 10. Klasse der „HEBO“ blieben gelassen. Zwar stand ihnen die Prüfung für ihren Schulabschluss, die mittlere Reife, bevor und für die mussten sie von Mönchengladbach zu einer Realschule nach Düsseldorf reisen. Aber die Jungen und Mädchen hatten davor keine Angst, schließlich stellt die „HEBO“ auch ohne Streik immer einen Extra-Taxi-Service, der die pünktliche Ankunft bei einer Prüfung garantiert. Und den Erfolg: die Abschlussquote der „HEBO-Privatschule“ liegt bei fast 100 Prozent.

www.hebo-privatschule.de