Ein Donnerstag in einer kleinen Seitenstraße in der Innenstadt von Mönchengladbach: Hinter den unscheinbaren Fassaden einiger Mietshäuser findet Schulunterricht statt – trotz Sommerferien. Lehrer Mauricio Ruske betreut heute vier Schüler in seiner Biologie-Förderklasse und geht mit ihnen den Aufbau eines Zellkernes durch. Dass der 33-jährige Ruske heute in der HEBO-Privatschule unterrichtet, ist eine der vielen Erfolgsgeschichten der privaten Bildungseinrichtung, denn er selbst kam einst als Problemschüler an die Schule.

HEBO-Privatschule Mönchengladbach - Wo aus Schülern Lehrer werden

Nicht nur die Lehrerbiografien, Räumlichkeiten, Unterrichtszeiten und Klassengrößen der HEBO-Privatschule sind unorthodox, denn mit einer öffentlichen Schule hat die Einrichtung im Herzen Mönchengladbachs auch sonst wenig gemein, wie Wasja Steinborn, Leiter für Qualitätsentwicklung und Sicherung erklärt während der 27-Jährige durch die zu Klassenräumen umgebauten Mietwohnungen führt: „Wir sind eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule, eine Schulform, die es ausschließlich in Nordrhein-Westfalen gibt und die zudem sehr selten ist. Konkret bedeutet die Schulform, dass wir uns ausschließlich über Schulgelder finanzieren und dadurch an weit weniger gesetzliche Vorgaben gebunden sind, als es öffentliche Schulen oder staatlich subventionierte Privatschulen sind. Dieser Umstand ermöglicht es uns, einen deutlich individuelleren und intensiveren Unterricht zu gestalten. Am Ende steht aber natürlich auch bei uns der staatlich anerkannte Schulabschluss.“ Klassengrößen von bis zu dreißig Schülern, wie es an vielen öffentlichen Schulen Alltag ist, sucht man an der 1978 gegründeten HEBO-Schule vergeblich, denn man legt Wert auf eine familiäre Atmosphäre. „Alle Schüler, Lehrer und sonstigen Mitarbeiter kennen sich mit Namen und die Lehrkräfte sind stets auch mit den Biografien und persönlichen Hintergründen ihrer Schüler vertraut“, erklärt Steinborn und deutet auf eine Tafel in einem der Flure, auf der alle Klassen und Schüler verzeichnet sind. Derzeit besuchen etwa 170 Schülerinnen und Schüler aus einem großen Einzugsgebiet die Klassen fünf bis dreizehn und werden dabei von 25 hauptberuflichen Lehrern betreut, die anders als in anderen Privatschulen üblich, alle ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen können. Hinzu kommen 20 sogenannte Junglehrer – eine weitere Besonderheit der Schule.

„Wir sind eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule, eine Schulform, die es ausschließlich in Nordrhein-Westfalen gibt und die zudem sehr selten ist.“

Eine dieser Junglehrerinnen ist die 24-jährige Marie Hommerich aus Krefeld, die seit über einem Jahr neben ihrem Master-Studium in der Privatschule als Lehrkraft arbeitet. „Ich werde entweder als Assistenzlehrerin im regulären Unterricht eingesetzt oder gebe auf Wunsch von Schülern, Lehrern und Eltern Nachhilfeunterricht in Förderklassen oder in Form von Einzelunterricht“, erläutert die Studentin ihren Nebenjob, den sie mit viel Enthusiasmus betreibt: „Der Job macht mir viel Spaß, nicht nur, weil er abwechslungsreich ist, sondern vor allem, weil man die kleinen und großen Lernerfolge der Schüler miterleben kann.“ Der intensive Unterricht an der Privatschule, der ab der fünften Klasse acht Stunden täglich stattfindet, kommt unter anderem Schülern mit besonderem Betreuungsbedarf zugute. „Etwa 30 Prozent unserer Schüler sind im normalen Schulsystem gescheitert, nicht etwa wegen mangelnder kognitiver Fähigkeiten, sondern aufgrund von strukturellen Mängeln des Schulsystems. Darunter fallen Schüler mit Diagnosen wie ADHS oder Legasthenie, die in normalen Schulen nicht hinreichend gefördert werden können und dann üblicherweise bis zur Haupt- oder Förderschule durchgereicht werden. Dazu zählen aber auch Hochbegabte, die aufgrund von Unterforderung in staatlichen Schulen gescheitert sind“, erklärt Steinborn und ergänzt: „Die anderen 70 Prozent kommen aus voll berufstätigen Elternhäusern, die den außerschulischen Betreuungsbedarf ihrer Kinder aufgrund mangelnder Zeit schlicht nicht leisten können. Auch das G8-System bringt dabei viele Schüler und Eltern an ihre Leistungsgrenzen. Unser Versprechen an diese Familien ist es, vom Unterricht über die Hausaufgaben bis hin zur Nachhilfe alle Betreuungsangebote individuell angepasst abzudecken. Wenn die Schüler nachmittags nach Hause kommen, ist das Thema Schule erledigt.“

Dass das System aus individueller und intensiver Betreuung funktioniert, beweisen die vielen Erfolgsgeschichten, in denen aus einstigen Problemschülern Akademiker wurden. Dazu zählt auch die außergewöhnliche Biografie des HEBO-Lehrers Mauricio Ruske, der vor seiner Zeit an der Privatschule ein echter „Problemfall“ war, wie er selbst schildert: „Ich bin auf öffentlichen Schulen schon sehr früh gescheitert. Meine Zeugnisse waren sehr schlecht und ich musste bereits die sechste  und später auch die neunte Klasse wiederholen. Irgendwann wurde mir dann Legasthenie diagnostiziert, aber gleichzeitig eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz. Die Ursache: Meine Lese- und Rechtschreibschwäche entwickelte sich aufgrund von mangelnder Förderung und daraus resultierender Langeweile in der Grundschule.“ Nach der Diagnose war für die Eltern von Ruske klar, dass nicht ihr Sohn, sondern das Schulsystem versagt hatte und sie beschlossen im Jahr 2000, in einen Platz an der HEBO-Schule zu investieren. „Dann änderte sich mein Leben radikal. Ich absolvierte als Stufenbester die mittlere Reife und machte 2004 mein Abitur. Später arbeitete ich neben meinem Lehramtsstudium als Junglehrer und seit meinem Abschluss dann auch hauptberuflich hier an der HEBO-Schule“, resümiert der Mönchengladbacher und scherzt: „Ich bin eben ein echter HEBO-Junkie.“ Der Förderunterricht ist vorbei und Ruske schickt seine Schüler, mit denen er derzeit den Stoff der vergangenen Klasse wiederholt in den wohlverdienten Feierabend. Ruske selber muss das Gebäude jedoch nicht verlassen, um nach Hause zu kommen, denn er wohnt in einer der nicht schulisch genutzten Wohnungen des Gebäudes – an der HEBO-Privatschule ist eben alles ein bisschen anders.

HEBO-Privatschule, Wilhelmstraße 14, 41061 Mönchengladbach, 
Tel.: 02161 200060, www.hebo-privatschule.de