Der gemeinsame Weg gegen die Arbeitslosigkeit ist kein Spaziergang

„Hartz IV“, oder offiziell das „Arbeitslosengeld II“ ist seit der Einführung immer wieder in der öffentlichen Diskussion. Wie läuft es mit „Hartz IV“ eigentlich in Krefeld?
Um dem Thema nachzuspüren, hat die KR-ONE den Arbeitsagenturchef Ingo Zielonkowsky, die Geschäftsführerin des Jobcenters, Tavin Lara Turanli, und Stadtdirektorin Beate Zielke als Vorsitzende der Trägerversammlung zu einem Interview-Spaziergang eingeladen.   

Ein Frühlingstag im Krefelder Zoo, beliebter Treffpunkt vieler Krefelder – den hatten sich die Beteiligten für ihren Rundgang  ausgesucht.  Für die Geschäftsführerin des Jobcenters ist der Zoo nicht nur ein Ort mit hohem Erholungsfaktor, sondern vor allem auch ein positives Beispiel für einen Arbeitgeber, der bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch auf Menschen setzt, die jenseits ihres 50. Geburtstags einen neuen Job suchen. Der Zoo wurde hierfür im Rahmen des Bundesprogramms „50plus“ im Jahr 2011 auch als „Unternehmen mit Weitblick“ ausgezeichnet. Zum Einstieg in die Thematik sind sich Turanli, Zielke und Zielonkowsky einig:  Die meisten  Arbeitslosengeld II-Bezieher  in Krefeld wollen so schnell wie möglich wieder auf eigenen Füßen stehen. Sie arbeiten aktiv an einer Veränderung ihrer Situation , aber das ist eben auch nicht immer so einfach. Das müssen eigentlich alle Menschen unterstützen. Und es beginnt mit dem nötigen Respekt und der Wertschätzung der Menschen.

Hemmschwellen überwinden und „Hilfe zur Selbsthilfe“ annehmen

Der gemeinsame Weg gegen die Arbeitslosigkeit in Krefeld ist mitnichten ein „Spaziergang“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters erleben ihre Kunden zunächst meist niedergeschlagen, mutlos oder verzweifelt. Aber auch Gleichgültigkeit und persönliche Ablehnung schlagen den Mitarbeitern entgegen. Doch sie tun alles, um in offener Gesprächsatmosphäre die Hemmschwellen abzubauen, finanzielle und oft auch ganz persönliche Schicksale preiszugeben. Denn nur wenn alle wesentlichen Informationen auf dem Tisch liegen, können die Mitarbeiter bei der individuellen Orientierung unterstützen.

„Einem Kunden, der unsicher ist werden wir nach Kräften helfen.
Wichtig ist allerdings, dass er sich im Vier-Augen-Gespräch öffnet, damit wir die besten Schritte für ihn in Angriff nehmen können.“

„Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, formuliert es Ingo Zielonkowsky und unterstreicht damit, dass nur eine einzige Grundvoraussetzung vom Arbeitssuchenden selbst kommen muss: das Wollen. „Einem Kunden, der unsicher ist, weil er schon länger arbeitslos ist, werden wir nach Kräften und mit der Fülle unserer Möglichkeiten helfen. Wichtig ist allerdings, dass er sich im Vier-Augen-Gespräch öffnet, damit wir gemeinsam die besten Schritte für ihn in Angriff nehmen können.“ Auch Schwellenangst vor der „Behörde Jobcenter“ sei ein großes Problem. „Wenn der Kunde aber spürt, dass bei uns Menschen einfach nur Mitmenschen aus ihrer Existenz bedrohenden Situation heraus helfen wollen, kann ein Vertrauen entstehen, das Voraussetzung für einen neuen Job und ein eigenständiges finanzielles Auskommen ist“, so der Chef der Arbeitagentur. Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt arbeiten nicht nur persönlich eng zusammen, sondern auch mit Arbeitgebern, den Kammern, der Wirtschaftsförderung, mit Weiterbildungseinrichtungen und Schulen. Beim Stichwort „Schulen“ nennt Stadtdirektorin Beate Zielke das Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und betont die Verantwortung von Eltern und  Lehrern: „Sie müssen den Jugendlichen frühzeitig die Wichtigkeit einer Ausbildung klarmachen und dabei auch vermitteln, dass es nicht immer der Wunschberuf sein kann.“ Beim Herausfinden der persönlichen Interessen und einer ersten Suche nach Ausbildungsplätzen ist das Berufsinformationszentrum (BIZ) an der Philadelphiastraße 2 eine hervorragende Anlaufstelle mit umfassenden Informationsangeboten,  nicht nur für Jugendliche. Information  ist ein erster Schritt weg von Jugendarbeitslosigkeit.

Geschäftsführerin Tavin Lara Turanli spricht im Rahmen des Schwerpunktthemas Jugendarbeitslosigkeit das „Zentrum für Information und Perspektive (ZIP)“, die gemeinsame Jugendberufsagentur in der Arbeitsagentur an der Philadelphiastraße 2, an. Hier werden jugendliche Bezieher von Arbeitslosengeld II zwischen 15 und 24 Jahren betreut und bei beruflicher Orientierung beraten. Darüber hinaus bietet die Stadt im Rahmen der Jugendberufshilfe ein Unterstützungsangebot für Familien an. Denn oft sind nicht nur die Jugendlichen arbeitslos, sondern auch deren Eltern.

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Ingo Zielonkowsky, Geschäftsführender Krefelder Arbeitsagentur, betont die Bedeutung eines Bewerbungsgesprächs, denn: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“

Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden, ist ein weiteres Ziel des Jobcenters. Tavin Lara Turanli beschreibt den Ansatz: „Wir wollen für Kunden, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, eine langfristige Perspektive finden; Menschen, die vielleicht dem Ausbildungsalter schon etwas ferner sind, Mut machen, noch einmal anzupacken und neue Perspektiven eröffnen, zum Beispiel durch eine Ausbildung. Das betrifft auch die Gruppe der über 30-Jährigen, die bisher vielleicht nur gejobbt haben – ohne Ausbildung – und die als Fachkräfte ihren Lebensunterhalt viel besser sichern könnten. Denn es gibt einen großen Bedarf an Fachkräften.“ Die individuelle Zielgruppen-Beratung und -Förderung durch Jobcenter und Stadt gilt übrigens auch für Menschen über 50 und alleinerziehende Frauen.

Um ihre Kunden so gut wie möglich zu qualifizieren, bilden sich auch die Mitarbeiter von Arbeitsagentur und Jobcenter ständig weiter. Beratungskompetenz, Berufskunde und Marktnähe sind Stichworte. Sie sind also keinesfalls nur Verwaltungsexperten, sondern gehen bewusst in Betriebe, sprechen mit potentiellen Arbeitgebern und haben somit ein umfassendes Wissen von der aktuellen Berufspraxis. „Was man selbst erlebt hat, kann man besser vermitteln“, ist das Fazit von Tavin Lara Turanli, die auch verrät: „Einige meiner Kolleginnen und Kollegen sind auch nicht in der Verwaltung gestartet, sondern waren zum Beispiel arbeitslose Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure, die sich umorientieren mussten.“

Was auch an dieser Stelle wieder zeigt: Die Menschen blicken nach vorn, suchen und ergreifen ihre Chancen.

 

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