Hund ist nicht gleich Hund, sondern ein individuelles Wesen mit eigener Persönlichkeit. Deshalb betreibt die Krefelderin Claudia Loomans in Traar die Hundeschule „Hundetypen“ für ganzheitliche Hundeerziehung.

Ein Dienstagmorgen in Traar. Es ist kühl, doch die Sonne strahlt, taucht die ländliche Gegend in goldenes Licht. Sechs Hundebesitzerinnen sind heute mit ihren Vierbeinern hierhergekommen, zur Hundeschule „Hundetypen“, um an einem Kurs für „Junghundeerziehung“ teilzunehmen. Im Halbkreis stehen die Frauchen auf einer Wiese, zu ihren Füßen im Gras sitzen ihre Hunde, schwanzwedelnd, hechelnd, die unterschiedlichsten Rassen: vom Irish-Terrier über den französischen Hütehund bis hin zum Bobtail-Bernhardiner-Mix.

Hundeschule „Hundetypen“: Wau – was für ein Charakter!

Claudia Loomans, 43, Inhaberin der Hundeschule „Hundetypen“

Gebannt beobachten die Hunde jede Bewegung von Claudia Loomans, 43, Inhaberin der Hundeschule „Hundetypen“. Gerade geht Loomans in die Hocke vor Lucy, einer zweijährigen „Cavalier-King-Charles-Spaniel“-Hündin mit weißbraun getupftem Fell und Schlappohren. Loomans hält ihr ein Leckerchen unter die Nase, das die Hündin aber erstmal nicht haben darf. Lucy soll lernen, sich zu bremsen, einem Reiz, wie dem Leckerchen, nicht sofort zu verfallen. Und mit ihrem Menschen zu kooperieren. Stille. Schnuppern. Große Hundeaugen. Bittend schaut Lucy erst auf Loomans‘ Hand mit dem Leckerchen, dann guckt sie der Hundetrainerin in die Augen. „Sie fragt mich gerade, ob ich ihr nicht helfen kann, deshalb sucht sie meinen Blick“, erklärt Loomans. Hündin Lucy dreht den Kopf zu ihrem Frauchen, Nicole Knorr, 42, Mutter, Hausfrau aus Krefeld. „Jetzt sucht sie deinen Blick, damit fragt sie nun dich, ob du ihr nicht helfen kannst, und das ist richtig so, denn du bist die Ansprechpartnerin für sie“, sagt Loomans zu Knorr. Sie weist die Krefelderin an, genau jetzt mit dem Hund aus dem Halbkreis zu gehen und eine

Runde über die Wiese zu drehen: „So lernt sie, dass du diejenige bist, die sie aus der quälenden Situation holt und dass du ihr etwas Gutes tust, wenn du sie aufforderst, mit dir mitzugehen.“ Und tatsächlich: Lucy wendet sich ab und läuft bereitwillig mit ihrer Besitzerin über die Wiese. Claudia Loomans erklärt, warum diese Übung zur Bedürfnisaufschiebung wichtig ist: „Bevor man mit einem Hund die typischen Befehle wie ,Sitz‘, ,Platz‘, ,Fuß‘, trainiert, muss man ihm erstmal etwas anderes beibringen: Frust auszuhalten und Ruhe in sich zu finden. Erst wenn ein Hund das für sich im Team mit seinem Besitzer gelernt hat, wird er die typischen Kommandos auch zuverlässig befolgen.“ Denn Hund ist nicht gleich Hund, unterstreicht Loomans: „Hunde unterscheiden sich innerhalb ihrer Rasse auch nach Persönlichkeit – der eine ist eher extrovertiert der andere eben eher introvertiert.“ Aus diesem Grund hält sie nichts davon, Hunde klassisch zu konditionieren, ihnen also ein Leckerchen zu geben, sobald sie mal auf ein „Platz“ gehört haben und diesen Vorgang stumpf solange zu wiederholen, bis er irgendwann automatisch abläuft. Stattdessen stehen Trainingseinheiten zum vorgeschalteten Aushalten von Frust, zum Einhalten von Grenzen und Förderung der Kooperationsbereitschaft des Hundes bei ihr im Mittelpunkt, zugeschnitten auf das jeweilige Mensch-Hund-Team. „Klare Grenzen“, erklärt Loomans, „bedeuten keinesfalls eine Einschränkung des Hundes, ganz im Gegenteil; ein Hund, der seine Grenzen kennt, kann ohne Leine laufen, kann seine Besitzer ins Restaurant begleiten, Sozialkontakte zu Artgenossen pflegen.“

 

Der Kurs hält dafür zahlreiche Übungen bereit. Da fordert Loomans die Hundebesitzerinnen etwa auf, ihre Schützlinge aus einer Runde zu sich zu rufen, aber einzeln und der Reihe nach – während ein Hund aufspringt, sollen die anderen sitzen bleiben. Eine andere Übung: sich Schritt für Schritt langsam rückwärts von den im Kreis sitzenden Vierbeinern entfernen – während diese ihren Frauchen aber nicht folgen, sondern auf der Stelle sitzen bleiben sollen. Eine Übung, die Emma, einer einjährigen dunkelbraunen Jagdhündin, besonders schwer fällt. Aufgrund ihres Jagdtriebs ist sie nicht nur gerne in Bewegung, sondern auch außergewöhnlich anhänglich. Deswegen erhebt sich die Hündin gerade in einer Tour aus dem Gras, will immer wieder zu ihrem Frauchen, Ulrike Bolten. Bolten, 60, aus Krefeld, besucht zum ersten Mal mit Emma eine Hundeschule und ist von der Traarer „Hundetypen“-Schule begeistert. „Claudia Loomans betreut die Hunde hier mit sehr viel Sachverstand“, findet Bolten. Auch Susan Beaucamp, 58, Rechtsanwältin aus Krefeld, die mit ihrer zweijährigen Mischlingshündin Pina da ist, zeigt sich überzeugt, wobei ihre Pina nochmal ein besonderer Fall ist: ein „Tierschutzhund von der Straße, ein Jagdhund, ohne Prägung auf Menschen“. Deshalb hatte Beaucamp sich auf die Suche nach professioneller Hilfe gemacht, „die mich nicht die Standards lehrte, wie ,Sitz‘, ,Platz‘ und ,Komm’“, ihr stattdessen für ihre spezielle Beziehung zu ihrem Hund maßgeschneiderte „Instrumentarien an die Hand gab, Pina für mich und meine Vorgaben zu öffnen – sie mit mir in ein ,Gespräch‘ zu bringen“. Genau so ein individuelles „Gespräch“ zwischen Hund und Hundebesitzer befürwortet das „Canis Zentrum für Kynologie“ in Bad Bramstedt, wo Claudia Loomans 2008 ihre Ausbildung als Hundetrainerin begann. Durch Zufall hatte die Hundeliebhaberin von der Einrichtung erfahren. „2008 habe ich zwar noch als Krankenschwester gearbeitet, hatte mich aber immer schon gefragt, ob es nicht mehr gibt als die gängigen Kommandos; Hundeerziehung ist doch viel zu spannend, um einen einzigen Ansatz zuzulassen“, sagt Loomans.

„Ein Hund, der seine Grenzen kennt, kann ohne Leine laufen, kann seine Besitzer ins Restaurant begleiten, Sozialkontakte zu Artgenossen pflegen.“

Hundeschule „Hundetypen“: Wau – was für ein Charakter!

Der „Canis“-Lernstoff beinhaltet unter anderem von der Welpenaufzucht und -entwicklung bis zur Leinenführung alle Themen rund um den Hund. „Aber unter besagter Rücksicht auf das ganzheitliche Hundewesen“, so Loomans. 2011 schloss sie das Studium ab und eine anderthalbjährige Fortbildung in Bad Oldesloe bei „Dogument“ an, einer Ausbildungsstätte zur ebenfalls ganzheitlichen Erziehung für Hunde. Ein Jahr später gab sie schließlich ihren Beruf als Krankenschwester auf und eröffnete ihre Hundeschule. In diese bringt sie übrigens auch ihre eigenen Hunde mit: Jupp, Frieda, Käthe, alle drei Vertreter der Rasse „Landseer“, einer Variante des Neufundländers. Und jeder für sich, wie sollte es anders sein: ein eigener Typ.

Hundeschule „Hundetypen“, Nieper Straße 153, 47802 Krefeld,
Telefon: 02151–487438, www.hundetypen.de

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