Quo Vadis Innenstadt? - Im Gespräch mit Christoph Borgmann

Inhaber von Intersport Borgmann und 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Krefeld e.V. Christoph Borgmann

Die Werbegemeinschaft Krefeld e.V. hat mit Christoph Borgmann seit Anfang des Jahres einen neuen Vorsitzenden. Anlässlich seiner neuen Funktion haben wir mit dem stadtbekannten Geschäftsmann über die Entstehung und Funktion des Vereins sowie den Status Quo und die Zukunft der Krefelder Innenstadt gesprochen.

// KR-ONE: Vielen Krefeldern ist die Werbegemeinschaft nicht zwangsläufig ein Begriff. Wie ist sie organisiert und was leistet sie?
Christoph Borgmann: Die Werbegemeinschaft ist ein eingetragener Verein, der die Interessen aller in der Innenstadt ansässigen Geschäftsleute bündelt und vertritt. Dazu zählen die Betreiber inhabergeführter Geschäfte, Filialisten, aber auch Gastronomen und Dienstleister – vom kleinen Kiosk an der Ecke bis hin zum großen Kaufhaus. Die Werbegemeinschaft ist dabei die übergeordnete Struktur, die die Innenstadt als Gesamtes im Blick hat und dabei auch eng mit der Stadt, dem Stadtmarketing, dem Einzelhandelsverband und der Dehoga kooperiert. Eingegliedert sind die Interessengemeinschaften einzelner Straßenzüge.

// Worin unterscheidet sich die Werbegemeinschaft von den einzelnen IGs? Innerhalb einer Straße ist es einfacher, seine Interessen wahrzunehmen und zu bündeln, weil man konkrete, klar abgesteckte Themen und Probleme hat. Da geht es um Dinge wie die Umsetzung der Weihnachtsbeleuchtung. Das handhabt jede Straße anders und das soll auch so bleiben. Die Werbegemeinschaft nimmt eine Makro-Perspektive ein und hat größere und langfristigere Entwicklungen der gesamten Innenstadt im Blick. Ein großer Unterschied ergibt sich zudem aus der Rechtsform. Als eingetragener Verein hat die Werbegemeinschaft weitreichendere Rechte und Pflichten.

// Wie und wann ist die Werbegemeinschaft entstanden?
Die Geschichte geht zurück bis in die frühen 80er-Jahre. Es gab damals einen losen Zusammenschluss von Krefelder Unternehmern. Herr Greve, mein Vater und weitere Unternehmer aggregierten dann diesen Zusammenschluss zu einem Verein – der heutigen Werbegemeinschaft. Damals lief in Krefeld vieles quer. Es war die Zeit der großen strategischen Fehlentscheidungen.

// Zum Beispiel? Damals wurde das Hansa-Centrum gebaut und damit die Neusser Straße als historische Achse zwischen Fischeln und der Innenstadt abgeschnitten. Trotz der massiven Proteste von Unternehmern, setzte die Politik das Vorhaben durch. Heute weiss man, dass es nicht unbedingt die beste Idee war. Aber es gab auch zahlreiche andere Probleme, und es fehlte eine zentrale Instanz, die sich dieser annahm.

// Die Werbegemeinschaft ist also eine gewachsene Struktur mit langer Tradition? Genau. Ich komme in ein sehr ordentlich bestelltes Haus. Auf der Ebene der Organisation muss nicht viel verändert werden. Es gibt einen gut aufgestellten Vorstand, regelmäßige Treffen und auch eine solide finanzielle Struktur. Von dieser guten Basis aus geht es jetzt darum, inhaltlich aktiv zu werden und weitere Mitglieder zu akquirieren.

// Ist die Werbegemeinschaft also derzeit ein schlafender Riese?
Das hört man allenthalben. Und es trifft zum Teil auch zu. Wir brauchen frischen Wind durch neue Mitglieder und neue inhaltliche Impulse. Es stört mich kolossal, dass es eine große Anzahl an Trittbrettfahrern gibt, die von unserer Arbeit profitieren, aber finanziell und inhaltlich nichts beisteuern. Das darf nicht sein. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, dass wir möglichst alle mit ins Boot nehmen. Damit sind vor allen Dingen Händler gemeint, aber eben auch Gastronomen. Es ist ein großes Problem, dass bis vor drei Monaten nicht ein einziger Gastronom Mitglied der Werbegemeinschaft war. Dabei profitieren gerade sie maximal von unserer Arbeit.

// Wie wollen sie es schaffen, die bisher Unbeteiligten mit ins Boot zu holen? Einerseits soll demnächst eine neue Beitragsstaffel beschlossen werden, die eine Mitgliedschaft finanziell attraktiver macht und andererseits werden wir ein hochwertiges Signet mit dem Titel „Engagierter Partner für Krefeld“ einführen, dass jene Unternehmer würdigt, die sich in Werbegemeinschaft, IG, Einzelhandelsverband oder Dehoga für Krefeld engagieren. Das soll ein zusätzlicher symbolischer Ansporn sein und dem Kunden signalisieren: Dieser Händler setzt sich ein für meine Stadt.

// Neue Mitglieder sind also die notwendige Basis. Was sind inhaltliche Ziele? Der Handel und die Innenstädte haben sich verändert. Es ist nicht mehr nur der reine Einkaufszweck, der die Menschen in die Stadt lockt. Innenstädte sind heute ein Treffpunkt und ein Erlebnisraum. Krefeld noch weiter als bisher in diese Richtung zu stoßen, sehe ich als primäre Aufgabe der Werbegemeinschaft.

Quo Vadis Innenstadt? - Im Gespräch mit Christoph Borgmann

// Woher kommt diese Erkenntnis? Das Stadtmarketing hat gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein eine repräsentative Passantenbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragung dienen uns als Grundlage, unser weiteres Vorgehen fundiert zu planen. Man sieht detailliert, was die Bürger und Kunden erwarten, was sie gut und schlecht bewerten.

// Und was sind die groben Ergebnisse dieser Befragung?
Die Bürger wünschen sich vor allem ein größeres Angebot. Es gibt einen ganz klaren Wunsch nach mehr Auswahl und neuen Händlern, zum Beispiel der massive Ruf nach einer Filiale von P&C. Darüber hinaus wurde das Thema Sauberkeit sehr negativ bewertet. Dort müssen wir gemeinsam mit der Stadt tätig werden. Ein weiterer zentraler Punkt ist es, Angebote für junge Leute zu schaffen. Ein freies WLAN-Netz in der Innenstadt ist dabei ein Ansatzpunkt.

// Gibt es ein übergeordnetes Konzept, um genannte Probleme in Angriff zu nehmen? Wir möchten die Vorteile einer Innenstadt mit den Vorteilen eines geschlossenen Einkaufscenters verbinden. Innenstädte sind urban, lebendig, offen und vielseitig. Einkaufscenter sind sicher, sauber, bieten Events und umfassenden Service. Wenn wir es schaffen, die Vorteile zu kombinieren, wird Krefeld ganz sicher wachsen. Im Moment bilden wir dafür die Basis aus und das macht mir auch persönlich sehr viel Spaß.

// Gibt es neben all dem, was noch verbesserungswürdig ist, auch bereits bestehende positive Entwicklungen? Selbstverständlich. Vieles ist bereits im Gange. Es gibt zahlreiche abgeschlossene und aktive Bauprojekte zur Vitalisierung der Stadt. Die Sanierung von Horten ist umgesetzt, die Haltestelle an der Rheinstraße ist fertig, das Kaiser-Wilhelm-Museum ist wiedereröffnet, ein Durchstich vom Ostwall zum Behnischhaus ist in Arbeit, die Werkkunstschule wird wieder belebt, der Schwanenmarkt wird ausgebaut und der Dionysiusplatz umgestaltet. Das sind nur einige der zahlreichen Projekte. Wir sollten uns vom derzeitigen Aufwind jetzt noch weiter tragen lassen.

// Was geschieht, abgesehen von den großen Bauprojekten, bereits heute? Wir haben in den letzten Jahren einige sehr erfolgreiche Aktionen und Events ins Leben gerufen. „Einkaufen bei Kerzenschein“ und „Krefeld Pur“ zum Beispiel. Zudem freuen wir uns auch über Aktionen, die nicht originär von der Werbegemeinschaft veranstaltet werden, sondern von der Stadt oder privaten Veranstaltern. „Kultur findet Stadt(t)“ oder das „Folklorefest“ sind Beispiele. Unser Anliegen ist es, die vorhandenen Events weiter auszubauen, aber auch neue Ideen zu entwickeln. Es wäre schön jeden Monat ein qualitativ hochwertiges Event in der Innenstadt zu haben.

// Vieles ist also im Gange. Wo sehen Sie Krefeld in fünf Jahren?
Mein Ziel ist es, dass die Stadt spätestens 2020 in einem ganz anderen Licht erstrahlt. Es wird eine lebendige, saubere, sichere und freundliche Innenstadt mit tollen Einkaufsmöglichkeiten und spannenden Events sein. Eine Innenstadt, die den Vergleich mit anderen Städten wie Düsseldorf nicht weiter scheuen muss.

// Das klingt vielversprechend. Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Marc Christian Pannek