Erinnern Sie sich noch an den fröhlichen, rotbäckigen Jungen auf den Brandt Zwieback-Packungen? Stellen Sie sich vor, dieses Kind wäre um ein paar Jahre gealtert, hätte sich einen prächtigen Bart zugelegt und seine kulinarischen Vorlieben vom Zwieback hin zum Flüssigbrot weiterentwickelt. Was nun vor Ihrem geistigen Auge erscheint, kommt dem Krefelder Gastwirt Klaus Jürgen Wiewrodt wahrscheinlich sehr nahe.

Mit einem breiten Lächeln öffnet er auch an diesem Mittwochnachmittag die Tür seiner Wohn- und Arbeitsstätte. Klaus Jürgen Wiewrodt ist Inhaber und Geschäftsführer des Dachsbaus an der Hubertusstraße 79. Am Abend soll hier, im Bier-Mekka Krefelds, eines der beliebten Bierseminare beim „Meister“ persönlich stattfinden, für das sich Wiewrodt bereits mit Hemd und blauer Weste herausgeputzt hat. „So, dann kommt mal mit“, fordert er uns auf und wir folgen ihm in den urigen Gastraum des Lokals. „Möchtet ihr was trinken?“ Ganz der Wirt eben, obwohl der offizielle Betrieb im Dachsbau erst in gut anderthalb Stunden beginnt. Wir setzen uns an einen Ecktisch am Fenster der großen Gaststube und beginnen unsere Unterhaltung ohne Bier, dafür mit einem Glas kühlen Sprudelwasser. Die großen, kräftigen Hände des Gastwirts zeugen von einem arbeitsreichen Leben. In ihnen sieht das Wassergläschen seltsam klein aus.

Klaus Jürgen Wiewrodt

Klaus Jürgen Wiewrodt

 

Die Gastwirtschaft befindet sich seit 1958 im Familienbesitz. „Mein Vater hat das Haus damals gekauft, um hier Wohnung und Arbeitsplatz unter einem Dach zu haben. Es war vorher schon eine Kneipe drin, die hieß auch Dachsbau“, erinnert sich Wiewrodt. Der Dachsbau entwickelte sich unter Heinz Wiewrodts Leitung schnell zu einer beliebten Lokalität, und ihr Inhaber wurde zu einer geschätzten Figur der Krefelder Gastronomie. „Jeder kannte meinen Vater. Er war für mich immer ein Vorbild“, erzählt Klaus Jürgen Wiewrodt ungewohnt betrübt. Denn: Sein Vater starb, als er gerade 14 Jahre alt war. Ab diesem Zeitpunkt waren Klaus und seine Mutter Inge mit der Organisation des Lokals auf sich gestellt. Zeit für Trauer blieb der kleinen Familie nur wenig. Um in die Fußstapfen des Vaters treten zu können, legte Klaus eine umfassende Ausbildung zum Restaurantfachmann und Serviermeister ab. Neben seiner insgesamt siebenjährigen Lehrzeit half er seiner Mutter weiterhin im Familienbetrieb und übernahm dort zunehmend mehr Verantwortung. „Viele Stammgäste waren wegen meines Vaters in den Dachsbau gekommen. Die Zeit nach seinem Tod war hart. Wir mussten den Laden ja am Laufen halten“, erzählt er. In dieser Phase sah sich der junge Mann zum ersten Mal mit harter Arbeit konfrontiert: „Das war wirklich anstrengend. Tagsüber Berufsschule, danach sofort nach Hause und abends direkt in die Gastronomie und arbeiten bis in die Nacht. Ich konnte mich nicht hinsetzen, sonst wäre ich direkt eingeschlafen.“

Dachsbau,Klaus Jürgen Wiewrodt- Der Hopfengourmet der Hubertusstrasse, Innenraum

Noch heute ist Klaus Wiewrodt ein Mensch voller Tatendrang. Sitzen mache ihn auch heute noch schnell müde, erzählt er. Seiner Umtriebigkeit ist geschuldet, dass der Dachsbau bereits seit vielen Jahren als gelobtes Land für Biertrinker gilt. Mit dem Verlust des Vaters begann er, sich mehr und mehr im Familienbetrieb zu engagieren, das Angebot des Lokals zu erweitern – und selbst in die Position des bekannten und beliebten Wirts hineinzuwachsen. Seine Idee, das Gasthaus zum Bierlokal zu machen, zahlt sich bis heute aus. „Ich hatte damals die erste Zapfanlage mit zehn Leitungen bauen lassen, weil ich gerne eine größere Auswahl an Fassbieren anbieten wollte. So etwas gab es vorher nicht, deshalb berichtete der Stadtspiegel darüber. Und plötzlich kamen wahnsinnig viele Leute wegen des Bieres“, lacht Wiewrodt. Sein gutes Gespür macht ihn noch immer sichtlich stolz.

 

Klaus Jürgen Wiewrodt

Der erste Schritt zum eigenen Projekt war getan. Bestärkt durch die großartige Resonanz auf seine Sortimentserweiterung beschäftigte sich Wiewrodt weiter mit dem Traditionsgetränk und ergänzte seine Auswahl über die Jahre immer weiter. Das heutige Sortiment ist in Krefeld und Umgebung absolut einzigartig. Neben rund 60 Sorten Fass- und Flaschenbier bietet der 64-Jährige regelmäßig Aktionsbiere an, die er von seinen zweimonatlich stattfindenden Brauerei-Exkursionen mitbringt. Der Krefelder gilt heute als wandelndes Bierlexikon und fachsimpelt leidenschaftlich gern über das Traditionsgetränk der Deutschen – besonders in seinen Bierseminaren. Neben seinem vielseitigen Fachwissen hat Wiewrodt auch immer amüsante Anekdoten aus seiner langjährigen Berufserfahrung auf Lager, die er an feuchtfröhlichen Abenden gern zum Besten gibt. Herzlich, humorvoll und immer für einen Plausch bereit: So kennen und lieben ihn seine Besucher.

Deren Wohlergehen ist Klaus Wiewrodt besonders wichtig. Wenn der Laden brummt, die Gäste glücklich und die Gläser leer sind, breitet sich unter dem Vollbart vom einen Ohr zum anderen das zufriedene Brandt-Zwieback-Lächeln aus: Klaus Wiewrodt hat seinen Job gut gemacht. Dem Vorbild seines Vaters ist der Wirt schon seit langem entwachsen und selbst eine Kultfigur der Krefelder Gastronomie geworden. Ein absolutes Original.

 

Info: Das nächste offene Bierseminar beim „Meister“ findet am 27. April statt. Wer teilnehmen möchte, kann sich unter info@dachsbau.de anmelden. Weitere Informationen auf der Dachsbau-Homepage.

Dachsbau
Hubertusstraße 79, 47798 Krefeld
Öffnungszeiten: Di-Do 17:15-00:00 Uhr, Fr-Sa 17:15-01:00 Uhr
Tel.: 02151-774444
info@dachsbau.de
www.dachsbau-krefeld.de

 

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