Ein kleines Reihenhaus im Bahnerviertel unweit des Neuen Wegs, eine kleine, aber feine Küche, viele Zutaten und ein Volker Diefes mit Lampenfieber. Einen Braten soll es geben. Ein Schulterstück vom Schwein. Flankiert von Ratatouille und Kartoffelpüree. „Dauert wohl ein bisschen zu lange“, erkennt der erste Vorsitzende der hiesigen Unterhaltungsfraktion bei unserer Ankunft und wirft das Rezept kurzerhand über den Haufen. Nun gibt’s Schweine-Gulasch. Gut, dass Volker das Improvisieren von der Pike auf im Kresch-Theater gelernt hat. „Alles frei Schnauze“, lautet ohnehin das Küchencredo.

KR-ONE Kocht - Volker Diefes

Kochen und gleichzeitig zu reden, ist eine Herausforderung für den Mann, der sonst mühelos 60 Minuten alleine auf der Bühne monologisiert. „Eigentlich darf man ihn währenddessen gar nicht ansprechen“, lacht seine Lebensgefährtin, mit der Volker eine fünfjährige Tochter hat. „Typisch Mann eben“, sagt der Chef de cuisine und winkt ab. Am Ende gewinnt dann doch sein Entertainergen, das ihn bereits als kleiner Stöpsel auf die Bühnen des Karnevals beförderte, wo er als Achtjähriger die alten Reden seines Vaters – ehemaliger Präsident GKG Nordpolaner – neu auftrug und ihn später zum Schauspieler, Kabarettisten und Comedian werden ließ. „Meine Eltern haben meine Begabung früh erkannt und mich gefördert“, erinnert sich der 44-Jährige und denkt an seine ersten Gehversuche in der Schule. „Damals haben wir einen Film gedreht mit dem Titel ,Die verflixte 7b’. Ich spielte darin beinahe jede Rolle, weil sonst keiner wollte. Und als mir deswegen danach Mädchen, die ich vorher vergeblich versucht hatte zu beeindrucken, ihre Aufmerksamkeit zukommen ließen, war mir klar: ich werde Schauspieler.“

„Heute wird das Banale derart gesellschaftsfähig ausgewälgert, dass uns die Absurdität von Hosen- und Nippelgates manchmal gar nicht mehr bewusst ist.“

Freier Schauspieler, das wurde Volker. Ein Begriff, den er für sich übernahm, weil er seinerzeit von allen Schauspielschulen Deutschlands abgelehnt wurde. Für ihn allerdings kein Grund zum Verzagen, und so formte er wenig später „Die Scheinheiligen“, ein Kabarett-Septett unter anderem mit Christian Ehring, mit dem seine Karriere richtig Fahrt aufnahm. Nahezu parallel ergab sich das sechsjährige Engagement beim Kresch-Theater. „Die haben mein Talent erkannt und mich wirklich gefördert“, sagt der heutige Solokünstler mit erkennbarer Dankbarkeit. Prunkstück in der Vitrine der schauspielerischen Erfolge ist allerdings bis heute sein achtjähriges Engagement im Düsseldorfer Kom(m)ödchen, wo er an der Seite von Größen wie Thomas Freitag und Harald Schmidt spielte. „Danach war die Zeit einfach reif, als Solokünstler aufzutreten“, erklärt er und rückt den Kartoffeln mit dem Stampfer zu Leibe.

Seine Soloprogramme „Hotel Mama – Bleib unanständig“ und „Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz“ kennt in Krefeld fast jeder. Die Mixshow „Grünkohl und Pinkel“ im Haus Kleinlosen ist seit acht Jahren gut besucht. Und auch die „Monkey Night“, sein jüngstes Show-Konzept, erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. „Der Titel leitet sich von einem Begriff aus dem Yoga ab, wo es das ,Monkey Mind’ gibt, einen unsteten Geist, der ständig von allem abgelenkt wird. Das passt sehr gut zu mir“, findet Volker, würzt mit einer Hand das Fleisch, probiert mit der anderen das Gemüse und wirft seiner eben eingetroffenen Tochter einen Kuss zu.

Obwohl Volker dieser Tage ein, wie er selbst sagt, „Etablierter“ in der Szene ist, befindet er sich derzeit in einer Zwischenphase, in einem Prozess der Neuentwicklung und künstlerischen Selbstfindung. Der Grund dafür ist die Entstehung seines neuen Soloprogramms, das er bis Oktober fertiggestellt haben möchte. „Ich muss lernen, mich selbst auf die Bühne zu bringen“, sagte er beinahe lakonisch und öffnet dabei das Buch zur Krux seines Lebens. „Ich bin eigentlich Schauspieler und habe bisher immer Figuren auf die Bühne gebracht. Jetzt möchte ich mich auf die Bühne bringen. Das setzt voraus zu erkennen, wer ich eigentlich bin und wie ich daraus ein Programm machen kann. Comedy funktioniert heute nur noch, wenn man authentisch ist.“ Der rote Faden, nach dem er lange gesucht hat, steht. Er folgt seinem Naturell, dem Monkey Mind, und sucht nach den Tausend Ablenkungen in seinem Leben. Es illustriert die rasante Zunahme der Schnelllebigkeit durch die sozialen Medien, den ganzen Bullshit, mit dem wir unseren Geist die ganze Zeit zumüllen und gelangt zu der Erkenntnis, „dass ich mich nur noch vom Wesentlichen ablenken lassen möchte“, sagt er. Vielleicht eine nach dem Ausschlussverfahren unternommene Suche nach dem, was wirklich wichtig ist. „Heute wird das Banale derart gesellschaftsfähig ausgewälgert, dass uns die Absurdität von Hosen- und Nippelgates manchmal gar nicht mehr bewusst ist.“

Angesichts seiner facettenreichen Biographie irgendwo zwischen Schauspieler, Kabarettist und Comedian wirkt das Ergebnis seiner Kochkunst wie ein Spiegelbild seines Lebensweges. Ein Crossover-Gericht ohne wirkliches Rezept. Doch ganz frei Schnauze mit der richtigen Würze an der richtigen Stelle. Zum Nachkochen vielleicht ein wenig schwierig, aber auch hier folgt es den Parallelen zu seinem Werdegang, gewiss unkopierbar. Aber Hauptsache es schmeckt; uns und dem Publikum. Und das tut es!

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