„Kronk“: Bülent Ceylan über gesellschaftliche Krankheiten, politische Verantwortung und Jan Böhmermann

Bülent Ceylan kümmert sich um die kleinen Wehwehchen des Alltags genau so intensiv wie um die großen Epidemien unserer Zeit. Fremdenfeindlichkeit, Herz- und Rückgratlosigkeit findet er krank, oder wie eben der Mannheimer sagt: „kronk“. Anlässlich seines Auftritts im KönigPalast am 12. März 2017 haben wir mit dem deutsch-türkischen Comedian telefoniert.

Bülent Ceylan, Kronk, Holzpferd

// Hallo Bülent. Wer oder was ist „Kronk“? Bülent Ceylan: Vieles ist kronk. Das fängt mit ganz harmlosen Sachen wie Facebook oder Pokémon an. Jeder hängt nur noch am Handy, und da frage ich mich immer: Was haben die Leute bloß früher gemacht?

// Du knöpfst dir also primär Kuriositäten des Alltags vor? Es geht um den alltäglichen Wahnsinn, aber auch um größere Probleme unserer Zeit. Meine vier Charaktere Harald, Hasan, Anneliese und Mompfreed reden über alltägliche kranke Dinge. Harald zum Beispiel hat eine extreme Veganerin kennengelernt, die ihn missionieren will. Damit kommt er nicht klar, denn er ist bekennender Fleischfresser. Hasan beschwert sich über einen übertriebenen Körperkult und merkt nicht, dass er selbst ganz tief drin steckt. Anneliese ist im Esoterik-Wahn, und Mompfreed berichtet über seine einschlägigen Erfahrungen mit Frauen im Sonderschlussverkauf.

// Deine vier Alter Egos behandeln also eher Alltägliches. Wie sieht es mit dir selber aus? Ich zeige als Bülent Ceylan mehr Haltung als bisher. Es ist kein politisches Programm, aber ich habe politische Spitzen drin. Zum Beispiel wird das Thema Flüchtlinge eine große Rolle spielen.

// Warum ist „Kronk“ politischer als deine bisherigen Bühnenprogramme?

In meiner Position muss ich auf gewisse Themen eingehen. Gerade aufgrund meines eigenen Migränehintergrundes (lacht) erwarten die Leute das. Wenn Rechtspopulismus aufkeimt, sehe ich mich in der Verantwortung, mich dagegen zu wehren und Haltung zu zeigen. Vielleicht kann ich den ein oder anderen sensibilisieren. Wenn nicht, kann ich später wenigstens sagen, dass ich es versucht habe.

// Es geht also auch um politische Aufklärung. Ist das nicht zu schwere Kost für ein Comedy-Programm? Es ist nicht so, dass ich politische Themen so sehr vertiefe wie ein typischer Kabarettist. Meine Show bleibt im Bereich des Lustigen, und es kommt nicht dazu, dass man Schlucken muss. Politisches behandle ich eher unterschwellig.

// So explizit wie Jan Böhmermanns Schmähgedicht wird dein Programm also nicht? Für mich war das Schmähgedicht zu sehr unter der Gürtellinie. Es ist gute Satire, wenn man Probleme auf den Punkt bringt, zum Beispiel die Schattenseiten von Erdogans Politik, aber dabei nicht beleidigend wird. Beleidigen ist zu einfach und nicht konstruktiv. Ich löse das anders.

// Was ist deine Botschaft an deine Fans in Krefeld? Ich war schon öfter in Krefeld, und ich mag die Menschen und ihre Mentalität. Sie sind bodenständig, ehrlich und multikulturell geprägt. In vielerlei Hinsicht erinnert mich das an meine Heimat Mannheim. Ich hoffe, dass viele Leute zu meiner neuen Show kommen und ich werde alles geben, damit das Publikum mit einem guten Gefühl nach Hause geht.

KR-ONE: Vielen Dank für das Interview.
Interview: Marc Christian Pannek

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