Krefelder Perspektivwechsel 2017 – Mit neuen Blickwinkeln gegen alte Kritteleien

Krefeld hat nicht den besten Ruf, und viele Krefelder hadern mit ihrer Heimatstadt. Oftmals wird das Schöne und Interessante geflissentlich übersehen, während Makel, die es fraglos auch in Krefeld gibt, allzu sehr betont werden. Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, gegen die wir uns seit mehr als fünf Jahren mit unseren Publikationen auflehnen, möchte auch das Krefelder Stadtmarketing korrigieren. Ein zentrales Maßnahmenpaket, das 2015 initiiert wurde und erst zum 650-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2023 enden wird, ist dabei der Krefelder Perspektivwechsel. 2017 tritt die Initiative mit dem Ziel, die Image- und Identitäts-Krise der Stadt zu bewältigen, in ihren zweiten Zyklus.

Claire Neidhardt

Claire Neidhardt, stellvertretende Leiterin des Stadtmarketings

Krefeld hat ein Image-Problem.
Auch für die Vermarktung einer Stadt gilt: Am Anfang jeder Marketing-Maßnahme steht die Analyse des Ist-Zustandes. „Beim deutschlandweiten Brandmeyer-Markenreport aus dem Jahr 2015, der das Image der größten deutschen Städte in den Blick nahm, lag Krefeld auf dem drittletzten Platz vor Gelsenkirchen und Duisburg“, erläutert Uli Cloos, Leiter des Krefelder Stadtmarketings, anhand einer Statistik und ergänzt: „Krefeld hat also fraglos ein Image-Problem. Zudem haben wir in einer eigenen Befragung zur Entwicklung der Innenstadt im Herbst 2015 auch eine Identitätskrise der Krefelder festgestellt.“ Das Bemerkenswerte: Alteingesessene Krefelder bewerten die innerstädtischen Entwicklungen negativ, während sich Zugezogene und junge Bürger überwiegend positiv äußern. Diese differenzierte Ausgangslage sei nicht ideal, aber bearbeitbar, wie Claire Neidhardt, die stellvertretende Leiterin des Stadtmarketings, findet: „Es wäre falsch, mit einer Aktion zu reagieren, in der man verordnet: Findet eure Stadt mal schön. Am Ende kommt es vielmehr darauf an, wie sich eine Stadt von innen definiert und wie diese Identität nach außen strahlt.“

Laptop

Obwohl Krefeld längst kein Textilstandort mehr ist, halten wir am Slogan ,Stadt wie Samt und Seide‘ fest.
Motor dieser Veränderung von innen soll der Krefelder Perspektivwechsel sein, ein in fünf Zyklen unterteiltes Maßnahmenpaket, das im Jahr 2015 seinen Anfang nahm und 2017 fortgeführt wird. Die einzelnen Zyklen des Perspektivwechsels zielen dabei auf den vom Stadtmarketing ausgemachten Markenkern Krefelds, der sich laut Marketing-Leiter Cloos aus drei Säulen zusammensetzt: „Obwohl Krefeld längst kein Textilstandort mehr ist, halten wir am Slogan ,Stadt wie Samt und Seide‘ fest. Bei der Frage, was heute von der textilen Vergangenheit nachwirkt, sind wir auf drei Kernpunkte gestoßen: Innovation, Architektur und Stadtkultur. All diese Elemente wären ohne die textile Vergangenheit Krefelds nicht denkbar.“

„Es wäre falsch, mit einer Aktion zu reagieren, in der man verordnet: Findet eure Stadt mal schön. Am Ende kommt es vielmehr darauf an, wie sich eine Stadt von innen definiert und wie diese Identität nach außen strahlt.“

Der Krefelder Erfindungsgeist samt seinen innovativen Produkten soll ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.
Während das Auftakt-Jahr 2015 den Perspektivwechsel unter dem Motto „Neue Blickwinkel auf Samt und Seide“ noch wörtlich nahm und Krefelder einlud, die Stadt aus ungewohnter Perspektive zu betrachten, zum Beispiel aus den oberen Etagen des unbeliebten Hochhauses am Bleichpfad, wird sich der Perspektivwechsel 2017 dem ersten der Kernpunkte widmen – der Innovation. Unter dem Motto „Made in Krefeld“ sollen der Krefelder Erfindungsgeist samt seinen innovativen Produkten ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. „Unsere Aktionen sind so angelegt, dass sich die Bürger aktiv mit der Stadt auseinandersetzen müssen. Wir bieten den Anstoß und zeigen Krefelder Innovationen in glaubwürdiger, authentischer und erlebbarer Weise“, erklärt Claire Neidhardt

Box

„Unsere Aktionen sind so angelegt, dass sich die Bürger aktiv mit der Stadt auseinandersetzen müssen. Wir bieten den Anstoß und zeigen Krefelder Innovationen in glaubwürdiger, authentischer und erlebbarer Weise.“

Sechs Aktionen hat das Stadtmarketing für das Jahr 2017 bisher geplant: Im Rahmen der Aktion „Garagen und Hinterhöfe“ sollen kleine Krefelder Unternehmen in versteckten Ecken der Stadt sichtbar gemacht werden. Das Stadtmarketing trifft dabei die Auswahl und lädt Bürger an einem bestimmten Termin dazu ein, die Unternehmen zu besuchen. Die Ausstellung mit dem auf das typische Krefelder Haus anspielenden Titel „Krefelder Produkthaus“ hingegen präsentiert nicht die Produzenten, sondern herausragende Produkte aus der Seidenstadt komprimiert an einem Ort. Eine weitere Ausstellung mit dem Titel „500 Jahre Reformation“ widmet sich dem bedeutenden historischen Einfluss der Mennoniten auf die Krefelder Wirtschaft. Darüber hinaus plant das Stadtmarketing laut Cloos jedoch auch eigene identitätsstiftende Produkte: „Es wird 2017 ein neues Duftpärchen des Dufts ESNC-Krefeld geben, das vom Henkel Fragrance Center kreiert und in von der Hochschule Niederrhein designten Flakons präsentiert wird.“ Ein Highlight unter den Perspektivwechsel-Produkten ist das Spiel „Krefeld Discovery“, ein Memory-Spiel mit Bildpaaren, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen. „Die Karten thematisieren wichtige Krefelder Innovationen wie den CD-Grundstoff Makrolon, der von Bayer entwickelt wurde. Auch die aufwändige Schaumstoff-Verpackung des Spiels stammt vom jungen Krefelder Unternehmen CaseFoam“, erläutert Claire Neidhardt. Das Spiel ist auf dem Weihnachtsmarkt in diesem Jahr zu bekommen, das Duftpärchen gibt es dann im nächsten Jahr. Für die Video-Aktion „Krefeld 65.0“, bei der 65-sekündige Image-Clips über ­Krefelder Persönlichkeiten und Unternehmen gedreht und später gesammelt veröffentlicht werden, sucht das Stadtmarketing derzeit noch weitere Interessenten.

Mappe

Krefeld liegt am Rhein.
Flankiert werden diese sechs Aktionen von weiteren übergeordneten ­Marketing-Strategien, wie Uli Cloos ausführt: „Seitdem wir 2015 mit dem Perspektivwechsel angefangen haben, treten wir in Krefeld und deutschlandweit mit dem Hinweis ,Krefeld liegt am Rhein‘ auf. Das kann man inzwischen auf vielen Broschüren lesen.“ Zudem erstreckt sich der Perspektivwechsel auch auf das Corporate Design der Krefelder Stadtverwaltung: Auf immer mehr Elementen der Krefelder Außendarstellung findet sich eine markante, leicht versetzte Ecke, die auf das ebenfalls um 17 Grad verschobene Wallviereck der Innenstadt verweist. „Das ist für Krefeld so typisch, dass wir es in die Corporate Identity der Stadt einfließen lassen“, so Cloos.

Tasche

Viele Krefelder beginnen, an einen Aufbruch zu glauben.
An Konzepten und Ideen, um ein Umdenken in Krefelder Köpfen anzuregen, mangelt es dem Krefelder Stadtmarketing nicht: „Unser Fazit aus dem ersten Perspektivwechsel-Jahr ist durchweg positiv. Viele Krefelder beginnen, an einen Aufbruch zu glauben, und wir werden den eingeschlagenen Weg daher weiter gehen und weiterhin unseren Beitrag leisten.“ Sollten die Aktionen in den kommenden Jahren ähnlich erfolgreich sein, stehen die Chancen gut, dass Krefeld zu seinem 650-jährigen Jubiläum besser dasteht – innen wie außen.

Weiterführende Informationen und Partizipationsmöglichkeiten sind abrufbar unter www.krefelder-perspektivwechsel.de