Basecap, Kapuzenpulli, Jeans und Sneaker: Auf den ersten Blick sieht Leon Hoppe wie ein ganz gewöhnlicher junger Erwachsener aus. Wenn sich der 21-jährige Krefelder jedoch auf sein BMX schwingt und dieses wenige Augenblicke später in schwindelerregender Höhe und im freien Fall unter seinen Füßen kreisen lässt, um dann wieder mühelos auf dem Betonboden des Voltaplatzes zu landen, wird klar, dass er über Fähigkeiten verfügt, die hierzulande nicht besonders häufig anzutreffen sind. Hoppe ist kein Profisportler und doch zählt er zu den besten BMX-Fahrern Europas – Einblicke in eine faszinierende Leidenschaft.

Um auf internationalem Niveau mitzufahren, trainiert Leon Hoppe täglich

X-up, Nosepick, Crankflip – Wenn Leon Hoppe aus seiner Welt erzählt, versteht man kein Wort. BMX steht für Bicycle Motocross und beschreibt eine Trend- und Extremsportart, die erst Ende der sechziger Jahre in den USA erfunden wurde, aber jenseits der Staaten immer schon ein Nischendasein fristete. Auf 20-Zoll-Fahrrädern gilt es, möglichst spektakuläre und kunstvolle Tricks auszuführen, die stets auch die Umgebung mit einbeziehen. „Park“, „Dirt“ und „Street“ sind die verschiedenen BMX-Disziplinen, und gefahren wird dementsprechend in Skateparks, Offroad oder auf offener Straße. „In Deutschland ist die Szene klein, vor allem hier in Krefeld. In Köln, Hamburg oder Berlin geht natürlich schon mehr, aber auch dort ist es nicht vergleichbar mit den USA“, sagt Hoppe ganz ohne Wehmut, denn der junge Krefelder hat so ziemlich alles erreicht, was man jenseits des BMX-Mutterlandes erreichen kann. Spanien, Belgien, Holland, Estland, Italien – Hoppe ist aufgrund seines Talents bereits durch ganz Europa gereist und belegte auf den dortigen BMX-Wettbewerben stets Bestplatzierungen.

„Es gibt in Deutschland vielleicht vier Fahrer, die mit BMX ihr Leben finanzieren.“

Sein größter Traum ist es, einmal bei den X-Games in Minneapolis anzutreten, der weltweit größten und bekanntesten Extremsportveranstaltung. „So viel rumzukommen und von der Welt zu sehen, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen, ist mit das Beste am BMX-Fahren“, sagt Hoppe bescheiden. Die sympathische Bescheidenheit ist jedoch alles andere als angebracht, denn bei den Wettbewerben um vierstellige Preisgelder, von denen der Krefelder beiläufig berichtet, nehmen ausschließlich die besten BMX-Fahrer aus aller Welt teil. Gesponsert durch Weltmarken wie Red Bull, Adidas oder Vans und eingebettet in einen großen medialen Rummel im Internet und Szenemagazinen bekommen hier nur jene Fahrer einen Startplatz, die sich in der BMX-Welt einen Namen gemacht haben.

BMX ist ein Nischensport und eine Subkultur. Bis zuletzt gab es weder regional noch international Vereinsstrukturen, die reglementierten, wer gut und wer schlecht ist. Um auf sich aufmerksam zu machen, war es nötig, hochwertige Videos zu produzieren und sich selbst wie eine Marke im Internet zu präsentieren. Hoppe macht dies schon seit er 12 ist und die Clips, die man von ihm im Netz findet, sind auf Kino-Niveau produziert. Dahinter steckt ein immenser Aufwand. Für ein fünfminütiges Video, in dem Hoppe auf den Straßen europäischer Metropolen seine besten Tricks zeigt, muss unter Umständen monatelang gefilmt werden. Als Hoppe selbst noch kein Auto hatte, fuhr ihn sein Vater stets zu den Wettbewerben und Videodrehs durch ganz Europa – eine Unterstützung, für die er sehr dankbar ist. „Angefangen hat alles auf dem Krefelder Voltaplatz in der Nähe vom Hauptbahnhof. In unserem Freundeskreis haben wir uns nach und nach das BMX-Fahren beigebracht und Videos gedreht. Einige haben sich auf das Fahren spezialisiert, andere auf die Videos“, erinnert sich der gebürtige Oppumer, der sich gegenüber der Stadt immer wieder für den Erhalt und den Ausbau des Krefelder Skateparks einsetzte. Eine aktuelle Entwicklung beschäftigt ihn besonders: „Die Sportart wird olympisch, und damit das klappt, werden derzeit Vereinsstrukturen geschaffen, die die ganze Szene umwälzen. Einerseits ist es gut, dass der Sport mehr Aufmerksamkeit bekommt, aber andererseits haben Regeln und starre Strukturen in der BMX-Welt nichts verloren. BMX kommt von der Straße und soll auch dort bleiben.“

 

Trotz seiner großen Erfolge kann der sympathische Krefelder nicht von seiner Leidenschaft leben. „Es gibt in Deutschland vielleicht vier Fahrer, die mit BMX ihr Leben finanzieren. Mir selbst wäre das viel zu riskant, auch wenn es natürlich eine traumhafte Vorstellung ist“, sagt Hoppe, der mit 16 eine Lehre als Koch bei der Deutschen Bahn begann und bis heute dort tätig ist. „Meine Arbeit beginnt sehr früh, und ich habe schon mittags Feierabend. Das ist ideal, weil ich dann den Rest des Tages fahren kann. Manchmal ist das aber auch ganz schön anstrengend.“ Um Geld geht es dem Extremsportler ohnehin nicht, auch wenn er sich über Sponsoring-Verträge mit BMX- und Modemarken sowie Preisgelder etwas dazuverdient. Vielmehr geht es um persönliche Erfolge und – bei aller Bescheidenheit – auch um Bekanntheit. „Mein Sponsor ‚Radio Bikes‘ hat vor kurzem mein erstes Signatur-Bauteil veröffentlicht – ein Kettenblatt, das die Firma gemeinsam mit mir entwickelt hat. Dass Kids auf der ganzen Welt bald vielleicht mit einem Leon Hoppe-Kettenblatt und dem Zusatz ’47‘ für meine Heimatstadt unterwegs sind, macht mich schon ein bisschen stolz“, sagt der bekennende Krefelder und lacht. Letztlich ist Leon Hoppe eben doch ein ganz gewöhnlicher junger Erwachsener – mit Träumen, Sorgen und einer großen Leidenschaft.

 

Leon Hoppe folgen: www.instagram.com/leonbmx

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