Während sie tagtäglich als Maskenbildnerin Illusionen für wenige Stunden schafft, gilt ihre Leidenschaft dem Erstellen von Gipsabdrücken: Für Silke Schoepfer stellt dieses Tätigkeitsfeld weit mehr als das bloße Abbilden der Realität dar, es ist ein Begegnen von Mensch und Zeit sowie ein Festhalten des Flüchtigen für die Ewigkeit.

 

Silke Schoepfer

 

Die Faszination für allansichtige Vollplastiken trägt sie seit ihrer Kindheit in Süddeutschland in sich: „Meine Mutter hatte beruflich mit der Witwe eines Politikers zu tun, welche eine Bronzebüste ihres verstorbenen Gatten auf einer Kommode stehen hatte. Wenn sie liebevoll von ihrem Mann sprach – und das kam häufig vor –, wanderten ihre Blicke genau so liebevoll in Richtung Kommode.“ Für Silke Schoepfer, die von klein auf eine stark pulsierende kreative Ader hatte, war dies eine prägende Begegnung: „In mir verankerte sich das Gefühl, dass die Witwe im detailgetreuen Antlitz ihres Angetrauten Trost fand.“ Dieses Erlebnis spielte auch eine nicht unbedeutende Rolle bei der Frage, womit die lebensbejahende Wahl-Krefelderin ihren Lebensunterhalt verdienen wollte. So erlernte sie nicht nur den Beruf der Maskenbildnerin, sondern absolvierte unter anderem auch Ausbildungen zur Keramikerin und zur Maltherapeutin. „Ein Gesicht zu modellieren oder zu zeichnen ist das Eine, einen so genannten Abdruck zu erstellen, ist etwas völlig anderes. Denn nichts ist so einzigartig wie der Abdruck aus Gips, welcher es ermöglicht, den jeweiligen Körperabschnitt bis in die kleinste Pore festzuhalten“, erläutert sie.

 

Mut fassen nach tiefer Erschütterung

Den letzten Anstoß, alle Interessen und Fähigkeiten zu bündeln, gaben ihr letztlich zwei unerwartete Schicksalsschläge: Nachdem ihre Mutter auf tragische Weise verstorben war, erkannte Silke Schoepfer, dass noch so Vieles unausgesprochen und für sie als Tochter unbegreiflich war. Sie suchte einen Weg, ihre Fragen zu kanalisieren. „Eine Freundin ermunterte mich, endlich das zu tun, was ich immer schon wollte, was mich schon lange beeindruckte und seit der Kindheit sowie der Begebenheit mit der Witwe tief im Herzen als Wunsch schlummerte.“ Als auch diese Vertraute nur wenige Wochen später plötzlich entschlief, spukten ihr deren Worte unentwegt durch den Kopf, und aus großer Trauer entwuchs großer Mut, einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. So trafen die Materialien aus Keramik und Maltherapie auf die Kunstfertigkeit einer Maskenbildnerin mit besonderer Expertise auf dem Gebiet der Spezialeffekte: „Es geht nicht einfach um einen Gipsabdruck einer Hand oder eines Babyfußes. Das ist zwar der sichtbare, aber doch unscheinbare Teil meines Schaffens“, erzählt die Forstwalderin, deren Nachname wie ein Fingerzeig für ihren Lebensweg anmutet. Beispielsweise in der Maltherapie habe es immense Auswirkungen auf Menschen mit einem gestörten Verhältnis zu ihrem Körper, diesen nicht bloß im Spiegel zu betrachten, da diese Form der Eigenwahrnehmung als dem Krankheitsbild zugehörig verzerrt sei. „Wenn der Torso einer betroffenen Person realitätsgetreu abgeformt wird, hat der Patient die Möglichkeit einen Perspektivwechsel einzunehmen, ihn haptisch und visuell zu erfahren, quasi sich selbst von außen zu ertasten und zu betrachten. Setzt er sich nun noch künstlerisch mit diesem Abbild auseinander, muss er sich notgedrungen auch mit seiner körperlichen Gesundheit beschäftigen.“ Silke Schoepfer, die auch angehende Heilpraktikerin für Psychotherapie ist, berichtet ferner von Begebenheiten in Hospizen, in denen Familien zusammenkommen, um Abdrücke beispielsweise ihrer verschränkten Hände erstellen zu lassen. Diese Darstellungsform ist im wahrsten Sinne des Wortes eine begreifbare Erinnerung an das gemeinsame Leben. Gleichzeitig zeichnet es aufgrund des Ineinandergreifens augenscheinlich ein Bild des Zusammenhalts, der über den Lebensabschnitt des Abschiednehmens hinausgeht.  „Es ist nicht so, als käme ich kurz in den Raum, nähme den Abdruck und ginge dann wieder. Ich lasse mich auf ein ausgiebiges Gespräch ein, höre zu und teile die große Freude aller Beteiligten an dem Moment. Gerade ein Händereichen sagt so viel mehr als die Geste an sich: Gibt eine Hand der anderen Halt, und wenn ja, welche? Ist es eine Versöhnung, ein Abkommen oder innige Zärtlichkeit? Ein Abdruck in Gips hält sowohl das Zusammentreffen in der Zeit als auch dessen Bedeutung fest.“

 

Die Schönheit des Augenblicks

Eine solche Begebenheit ist Silke Schoepfer besonders in Erinnerung geblieben: Eine Auftraggeberin hatte bereits im Kleinkindalter ihre Mutter verloren, nun ging ihr Vater auf seinen 90. Geburtstag zu. Sie wollte gerne einen Händeabdruck zu Lebzeiten von ihnen beiden haben, wusste jedoch nicht so recht, wie sie gegenüber ihrem Vater ihren Wunsch äußern sollte. „Als der Vater verstand, was die Tochter vor hatte, lächelte er sie an und sagte: ,Schau, da hast du etwas, das dich an uns und diesen Moment erinnert, auch, wenn ich nicht mehr da bin‘.“ Die Konfrontation mit der Vergänglichkeit berge auch etwas Hoffnungsvolles in sich: „Ich halte es mit Goethes Faust: ,Augenblick, verweile doch! Du bist so schön!‘. Es ist bewegend und zugleich antreibend, Immaterielles aus der Vergangenheit materiell in der Gegenwart für die Zukunft zu erhalten.“

 

lifememories, Körperabdruck aus Gips
Silke Schoepfer, Kuckucksweg 31, 47804 Krefeld
Web: www.lifememories.de
Tel.: 0171 2111473
Mail: lifememories@gmx.de

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen