Wenn Christian Stein den Prägestempel mit dem Fallhammer nach oben zieht, den Rohling einlegt und das Seil anschließend loslässt, erzeugt der darauf folgende eigentlich physikalisch recht simple Vorgang ein Stück Magie. Mit einem lauten Knall treffen die Stempel aufeinander und machen aus dem zuvor profanen Stück Metall binnen Bruchteilen einer Sekunde ein wahres Kunstwerk; glänzend, schmuckvoll und von hohem ideellen Wert. Bereits seit 700 vor Christus prägt die Menschheit Münzen als Zahlungsmittel. Was einst als Kunsthandwerk begann, ist heute ein automatisierter Prozess großer Maschinen. Doch auch in unserem hochdigitalisierten Zeitalter hat die historische Münzprägung kein Stück ihrer ursprünglichen Faszination eingebüßt. Groß und Klein tummeln sich bei Stadtfesten, Weihnachtsmärkten und Firmen-Jubiläen regelmäßig am Stand des 52-Jährigen, um mehr über das Prägeprozess zu erfahren und anschließend selbst zum Schöpfer eines kleines Kunstwerks zur werden.

Münzpräger Christian Stein wird zum ersten Mal beim Flachmarkt sein und dort eine Münze mit einem Flachmarktmotiv prägen.

„Ich bin zum Münzprägen gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, beginnt der kreative Autodidakt in der Küche seines in der Kernsanierung befindlichen Jugendstilhauses zu erzählen. „Noch vor der Jahrtausendwende baute ich mir mit einem Partner ein durchaus lukratives Schmuckgeschäft mit sogenannten Stimmungsringen auf. Als dieses aus unterschiedlichen Gründen ein Ende fand, begegnete ich auf einem Weihnachtsmarkt einem Mann mit einem Fallhammer und dachte mir: Das machst du auch!“ Völlig unbedarft und ohne jegliche Vorkenntnisse strampelte sich der Vater zweier Kinder anschließend in ein Metier, das deutschlandweit lediglich von einer Handvoll Menschen ausgeübt wird. Er las in Büchern, kaufte Maschinen und setzte sich mit Konstruktionsprogrammen auseinander. Etliche Stunden und viele Nächte schlug er sich so nach dem Prinzip „Try and Error“ um die Ohren; ohne dabei primär monetäre Ziele zu verfolgen. „Das waren schon heftige Zeiten“, erinnert sich der ehemalige Langzeitstudent und streichelt der fast erblindeten Seniorenhündin durchs immer noch dichte Fell. „Die Programme, die ich auch heute noch nutze, sind ja nicht dafür gemacht, historische Münzprägestempel herzustellen. Es hat mich Wochen oder sogar Monate gekostet, bis ich in der Lage war, sie für meine Zwecke zu nutzen. Aber wer so lernt, lernt nachhaltig.“

“Ob eine Münze wirklich gut ist, weiß ich erst,
wenn der Hammer zum ersten Mal gefallen ist.“

Für Vorder- und Rückseite einer Münze müssen zwei individuelle Prägestempel erstellt werden. Rund vier Wochen braucht Stein von der digitalen Erstellung des Reliefs bis zum fertig gefrästen Stempel. Jeden einzelnen Schritt vollzieht er selbst. Das Motiv entsteht am heimischen Computer und der Stempel an einer Fräsmaschine in der Werkstatt eines Freundes. „Würde ich die Stempel extern machen lassen, ergäben sich Kosten, die kaum ein Veranstalter bereit wäre zu tragen“, erklärt der Individualist und verweist auf eine Besonderheit der Produktion: „Ob eine Münze wirklich gut ist, weiß ich erst, wenn der Hammer zum ersten Mal gefallen ist. Das macht die Prozedur natürlich total spannend.“ Zwar gibt es alternative historische Verfahren zur Münzherstellung, wie die Kniehebel- oder Spindelpressung, für Stein ist das Fallhammerverfahren aber aus unterschiedlichen Gründen alternativlos: „Zum einen bietet der Fallhammer eine stufenlos regulierbare Presstiefe, die je nach Material angeglichen werden muss, zum anderen ist dieses Verfahren optisch und akustisch mit Abstand am beeindruckendsten. Zudem sind die Ergebnisse einfach toll.“

Inzwischen hat sich Stein als Münzpräger in der Bundesrepublik einen Namen gemacht. Oft rufen ihn sogar Bildhauer und Medailleure an, um ihn um wertvolle Tipps zu bitten. Aber auch Staatsbehörden, Banken und große Firmen bitten regelmäßig um seine Dienste. „In der Regel verfolgen meine Auftraggeber zwei Ziele: Zunächst geht es darum, eine besondere Münze als Andenken für einen besonderen Tag oder ein besonderes Ereignis zu haben; damit einhergehend dient mein Stand natürlich auch immer wieder als Highlight der Festivitäten“. Jedes Jahr entwickelt Stein ein neues Motiv für den Dortmunder Weihnachtsmarkt, aber auch Gedenkmünzen, wie anlässlich des Tages der Deutschen Einheit für das sächsische Staatsministerium für Finanzen oder zur Feier des 725-jährigen Bestehens der Stadt Düsseldorf. Letztlich kann jeder seine Dienste in Anspruch nehmen, der sowohl einen Hingucker als auch eine bleibende Erinnerung für Besucher und Gäste schaffen möchte.

Auf seine Teilnahme am diesjährigen Flachsmarkt freut sich Christian Stein besonders: „Ich habe schon so viel vom Handwerkmarkt gehört und gesehen. Endlich selbst einmal dabei sein zu können, ist für mich der Ritterschlag.“ In enger Absprache mit den Organisatoren hat er über mehrere Wochen zwei Stempel entwickelt, die eine eigene Flachsmarktmünze prägen werden. „Alle Besucher ab vier Jahren sind herzlich dazu eingeladen, bei mir eine Münze zu pressen. Sie können zwischen unterschiedlichen Materialien wie Kupfer, Silber und vergoldeten Rohlingen wählen und sie anschließend käuflich erwerben. Alle Einnahmen fließen an den Veranstalter und werden zum Teil einem wohltätigen Zweck zugeführt“, beschreibt Stein das Prozedere. Seinen Stand zu finden, ist dabei denkbar einfach. Nur die Ohren spitzen: Dort wo es knallt, ist die Magie!

 

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