Als DJ gehört eine laute Umgebung zum Job. Stundenlange Beschallung mit einem Pegel von über 110 Dezibel sind in Clubs und Discotheken keine Seltenheit. Zum Vergleich: Eine derart hohe Lautstärke entspricht dem Lärm einer Kettensäge. Seit Jahren bin ich an Wochenenden als Discjockey unterwegs, ohne Gehörschutz. Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme meines Hörvermögens, denn regelmäßige Lärmbelastung ist nach Alterungsprozessen die zweithäufigste Ursache dauerhafter Hörschäden. Ein Besuch bei Neuroth, dem Spezialisten für Hörakustik in Krefeld.

Neuroth-Hörcenter: Keine Angst vor dem Knopf im Ohr

Hörakustikmeisterin und Filialleiterin Melanie Leicht

Angespannt und nervös betrete ich die Filiale des Traditionsunternehmens Neuroth im Erdgeschoss des backsteinfarbenen Altbaus an der Kölner Straße. Wie schlimm ist es wohl um mein Gehör bestellt? Hat die jahrelange Fahrlässigkeit bereits Spuren hinterlassen? Ist mein Gehör irreversibel geschädigt? Brauche ich gar ein Hörgerät? Quälende Fragen, bedrohlich wie ein Damoklesschwert, denn als Musiker und Redakteur ist ein gutes Gehör nicht nur im Alltag, sondern auch im Beruf die Schaffensgrundlage.

„Es sind überwiegend ältere Menschen, die zu uns kommen, aber mittlerweile haben wir auch immer mehr junge Kunden“, sagt Melanie Leicht, die sympathische Leiterin des Neuroth-Hörcenters, während ich ihr meine Situation schildere. Die 41-jährige Hörakustikmeisterin ist seit 25 Jahren im Beruf und kennt die Ängste und Schamgefühle ihrer Kunden nur zu gut: „Oft sind es die Familien, die ihre Angehörigen zu einem Hörtest überreden.“ Sich eine Gefährdungslage oder gar ein bereits vorhandenes Defizit einzugestehen und tatsächlich den Arzt oder Akustiker aufzusuchen, ist für viele Menschen eine große Hürde. „Man verwechselt schlechtes Hören fälschlicherweise oft mit geistigen Defiziten“, berichtet die erfahrene Akustikerin von der gesellschaftlichen Stigmatisierung Hörgeschädigter und betont dabei den Stellenwert einer einfühlsamen Beratung und Betreuung ihrer Kunden. „Besser hören, besser leben.“ Das ist das Motto des renommierten Hörakustik-Unternehmens aus Österreich. Schon die Firmenphilosophie verweist auf die Relevanz eines intakten Gehörs. Ist es beschädigt, leidet immer auch die Sprachverständlichkeit. Einzelne Buchstaben oder ganze Wörter werden nicht mehr korrekt an das Gehirn übertragen. Verständigungsprobleme, zunehmende gesellschaftliche Isolation und der massive Verlust von Lebensqualität sind die Folgen. Paula Neuroth, die selbst unter Schwerhörigkeit litt, eröffnete 1907 in Wien das erste sogenannte „Spezialhaus für Schwerhörige“ und legte damit den Grundstein für das mittlerweile europaweit agierende Familienunternehmen, das bereits in vierter Generation geführt wird, mehr als 230 Hörcenter betreibt und etwa 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Trotz der Expansion in sieben europäische Länder werden alle Akustik-Produkte bis heute in der firmeneigenen Manufaktur in der Steiermark angepasst. Ein größtmögliches Maß an Service und Qualität, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden, wird dadurch gewährleistet. Seit 2013 ist das Unternehmen auch in Deutschland vertreten – in Krefeld mit gleich zwei ­Filialen.

„Jedes Ohr ist einzigartig. Zwei Menschen mit ähnlichem Hörfehler benötigen deshalb meist unterschiedliche Hörgeräte – abhängig vom persönlichen Bedarf, der Handhabung und kosmetischen Ansprüchen.“

„Steht nach einem unverbindlichen Hörtest und einer Bedürfnisanalyse fest, dass ein Hörgerät nötig ist, nehmen wir Abdrücke von den Ohren. Aus diesen Abdrücken werden dann in Österreich mithilfe von modernen 3D-Scannern und Druckern die individuell angepassten Otoplastiken hergestellt. Das ist kostenlos – genauso wie das darauffolgende Probetragen des gewünschten Hörgerätes“, skizziert Melanie Leicht den typischen Ablauf einer Beratung.

„Jedes Ohr ist einzigartig. Zwei Menschen mit ähnlichem Hörfehler benötigen deshalb meist unterschiedliche Hörgeräte – abhängig vom persönlichen Bedarf, der Handhabung und kosmetischen Ansprüchen“, erläutert sie und holt eine Kiste mit verschiedenen Gehörschutz- und Hörgerätevarianten hervor. Die Produktpalette ist so vielseitig wie die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden. Sie reicht von dezent unauffällig, knallbunt und technisch auf das Wesentliche reduziert bis hin zu vernetzbaren Hightech-Geräten, die sich per Bluetooth mit Smartphone und Fernseher verbinden lassen. Erstaunlich, was derart kleine Geräte leisten können.

Neuroth-Hörcenter: Keine Angst vor dem Knopf im Ohr

 

Es wird ernst für mich: Der Hörtest steht an. Melanie Leicht schließt die Akustik-Tür, und ich setze die speziellen Audiometrie-Kopfhörer auf. Die akustisch abgeschirmte Hörkabine wirkt wie eine Oase der Ruhe inmitten der permanenten Dauerbeschallung des hektischen Alltags. In unregelmäßigen Abständen ertönen Testsignale in verschiedenen Tonhöhen. Anfangs sehr leise, dann immer lauter. Sobald ich sie wahrnehme, betätige ich einen Schalter. Nach wenigen Minuten ist der Test abgeschlossen, und der Computer errechnet aus meinen Reaktionen ein Tonaudiogramm für beide Ohren. Hörminderungen wären hier sofort erkennbar und genau im Frequenzspektrum zu verorten. Nach prüfendem Blick auf die Diagramme folgt die Erleichterung. „Ihr Gehör ist völlig in Ordnung“, versichert die Hörakustikmeisterin, „allerdings sollten Sie vorsorglich über einen Gehörschutz nachdenken. Das Gehör hat erstaunliche Selbstheilungskräfte, aber es braucht dafür auch Ruhepausen zwischen den Lärmphasen.“ Mit der beruhigenden Gewissheit, doch noch gut zu hören und der festen Absicht, meinem Gehör zuliebe in einen angepassten Gehörschutz zu investieren, verlasse ich das Neuroth-Hörcenter.

Neuroth-Hörcenter – zweimal in Krefeld
: Kölner Straße 576, 47807 Krefeld, Telefon: 02151-48 44 050, 
Rheinstraße 95, 47798 Krefeld, Telefon: 02151-36 04 464, 
www.neuroth.de