Hometown Creations

Azurblaues Wasser, Sonnenlicht in allen Spektralfarben und ein Protagonist, dessen Lachen die ganze Faszination eines Lifestyles in nur einer Mimik widerspiegelt. Wer nur die ersten Bilder der Doku „Nine till now“ sieht, ist sofort entführt in eine Welt, die von den Elementen, den Gezeiten und purer Passion bestimmt wird. Im Mittelpunkt der filmerischen Betrachtung steht der aus St. Tönis stammenden Profi-Windsurfer Marco Lufen, doch auch hinter der Kamera befindet sich mit Jan Eric Hühn und Alex Schuchmann ein Duo, das am Stadtrand Krefelds aufwuchs. Alle drei kennen sich bereits aus dem Sandkasten und haben nun gemeinsam einen Film produziert, der mühelos aus der Traumfabrik der amerikanischen Westküste stammen könnte.

Dreharbeiten Nine till now

Marco Lufen ist der fleischgewordene Prototyp eines Windsurf-Posterboys: kinnlange blonde Haare, beigefarbener Teint und ein Körper wie in Stein gemeißelt. Sein ansteckend fröhliches Naturell trägt die Hang loose-Mentalität der sportlichen Subkultur selbst ins verregnetet frühherbstliche Krefeld. Marco, der gemeinsam mit Alex und Jan Eric die Schulbank drückte, hat das Surfvirus bereits von seinem Vater übertragen bekommen. Schon als Neunjähriger stürzte er sich in die Wellen des Mittelmeeres und verließ erst das Wasser, als der letzte Sonnenstrahl hinter dem Horizont verschwand. „Ich weiß noch, dass mein Vater extra in den Baumarkt fuhr, um ein 100 Meter langes Seil zu kaufen, weil ich immer fahren wollte, aber noch nicht wenden konnte“, beginnt der 23-Jährige zu erzählen. „So konnte ich Hundert Meter weit rausfahren und mein Vater hat mich anschließend wieder zum Strand gezogen.“ Jeder Urlaub, so fährt er fort, sei aufgrund der Leidenschaft zum Surfen von Vater und Sohn rund um das Meer arrangiert worden. Ob in Portugal, Sardinien, Griechenland, Holland oder Italien, Marco studiert nicht Land und Leute, sondern Strömungen, Wind und Wellen.

Völlig unbemerkt von seinem heimischen Umfeld avanciert er so Stück für Stück zu einem der besten der Szene. Mit lediglich 16 Jahren gewinnt er seinen ersten Wettkampf und landete damit auf dem Radar der Sponsoren. „Die haben keine Unsummen gezahlt, aber zumindest Material und Spesen wurden dadurch abgedeckt“, erinnert er sich. Fortan ist Marco einer innerlichen Zerreißprobe ausgesetzt. Am liebsten möchte er in jenen Tagen die schulischen Segel streichen und jene auf dem Surfbrett permanent hissen. Doch nicht zuletzt auf Drängen seiner Eltern beendet er sein Abitur und geht erst danach auf eine fast einjährige Reise zu den größten Hotspots Europas. Über nationale Events bewirbt er sich zunächst für die europäische Tour und erhält das Okay der Jury. Dann geht plötzlich alles ganz schnell.

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„Wer auf der europäischen Tour unter die Top 20 kommt, ist automatisch für die Worldtour qualifiziert. Das ist mir gelungen und so stand ich plötzlich neben all den Stars, die ich vorher nur angehimmelt habe und konnte gegen sie antreten. Es war, als wäre ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Doch Marco hat auch angesichts der großen sportlichen Erfolge die Worte seiner Eltern nicht vergessen, und so geht die aktuelle Nummer 17 der Freestyle-Windsurfer-Elite fleißig zur Uni, um sein Masterstudium im Bereich Marketing an der Hochschule in Rotterdam abzuschließen. Dort ist er als Sportstudent eingeschrieben, muss so nicht an Pflichtkursen teilnehmen und kann auch mal die eine oder andere Klausur verschieben. Wohnen kann er derweil im Ferienhaus der Eltern seiner niederländischen Freundin, 150 Meter vom Strand entfernt. „It’s a dream coming true“, sagt Marco und beschreibt seinen Tagesablauf. „Um acht Uhr aufstehen, zwei Stunden surfen, dann in die Uni und abends wieder zwei Sunden surfen, bis die Sonne untergeht.“ Fünfmal im Jahr geht es mindestens zu internationalen Events, ein Leben, um das ihn viele beneiden.

Wie die meisten anderen auch, war uns lange nicht klar, wie gut Marco wirklich surft, weil er sehr bescheiden ist und nie damit geprahlt hat.

Während sich Marco zum Profi-Surfer aufschwang, folgten Jan Eric und Alex dem Ruf ihrer ganz eigenen Leidenschaft. Schon immer waren sie fasziniert von bewegten Bildern und dem Erzählen einer Geschichte. Nach dem Abitur geht Alex deswegen zur Fachhochschule nach Dortmund, um Film zu studieren. Jan Eric verschlägt es indes nach Köln auf die Rheinische Fachhochschule, wo er den Studiengang „Mediendesign“ als Bachelor abschließt. Schon in den ersten Semestern entwickeln sie Fähigkeiten, die auch der Wirtschaft nicht verborgen bleiben und so produzieren sie die ersten Spots für unterschiedliche Marken. Schnell ist ihnen klar, dass sie auch in Zukunft zusammenarbeiten möchten. „Unsere Fähigkeiten passen sehr gut zueinander“, erklärt Jan Eric, „während ich mehr das Storytelling und die Konzeption übernehme, ist Alex ein absoluter Virtuose hinter der Kamera. Gemeinsam sind wir in der Lage, auf einem Niveau zu produzieren, das unseren Ansprüchen genügt.“ Die geschäftliche Frucht ihrer gemeinsamen Arbeit heißt „Hometown Creations“, ein Startup mit Sitz in Dortmund. „Wie die meisten anderen auch, war uns lange nicht klar, wie gut Marco wirklich surft, weil er sehr bescheiden ist und nie damit geprahlt hat. Erst als wir hörten, dass Marco bei der Worldtour mitfährt, haben wir verstanden, was da eigentlich hinter steckt“, erklärt Alex und Jan Eric ergänzt: „Ich wollte schon immer etwas mit Marco machen, aber genau jetzt war der perfekte Zeitpunkt. Wir hatten das richtige Setup und das passende Material, deswegen konnten wir es endlich in die Tat umsetzen. Für unsere junge Firma war das die mit Abstand größte Produktion.“

Der eigentlichen Tat ging zunächst eine akribische Planung voraus. Wo können wir drehen, was wollen wir erreichen und wie können wir das Geschehen am besten in Szene setzen, sind die Fragen, mit denen sich die beiden ambitionierten Filmemacher langte beschäftigen, ehe sie mit Marco einen Zeitplan erstellen und Sponsoren für das Vorhaben akquirieren. „Uns war es wichtig, kein Surf-Klischee zu bedienen, sondern Marco so authentisch wie möglich darzustellen. Wir wollten eine stimmige Doku mit einer starken Storyline und ästhetischen Bildern“, erklären Alex und Jan Eric wie aus einem Mund.

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Wenige Wochen später brechen sie schließlich mit Unterwasserkameras, Drohnen und 16-Millimeter-Filmen bewaffnet ins südfranzösische Leucate auf, das unter Windsurfern als absolutes Mekka gilt. Tausende Kilometer schrauben sie runter, die bloßen Spritkosten fressen dabei bereits beinahe alle Sponsorengelder auf.
Doch das aus Krefeld stammende Trio ist getrieben von einer Vision, von der festen Vorstellung eines Ergebnis‘, das sie schon lange vor dem geistigen Auge sehen. Elf Tage lang treiben sie sich deswegen gegenseitig früh morgens um 4:30 Uhr aus dem Bett, um das perfekte Licht für ihre Aufnahmen zu nutzen und streichen buchstäblich erst dann die Segel, wenn die Dunkelheit das Filmen unmöglich macht. Wohnen dürfen sie während des gesamten Aufenthalts bei Julien Taboulet, einer Lichtgestalt des Windsurfens, der in Leucate eine Surfschule betreibt und Freude an den engagierten Rheinländern findet. Obwohl nach Stunden mit der Unterwasserkamera im Meer oder nach beschwerlichen Märschen zu den besten Hotspots der Region oft die Kräfte schwinden, bleiben Jan Eric, Alex und Marco beharrlich. Bei unerwarteten Hindernissen wird improvisiert, wenn eine Einstellung nicht gelingt, muss sie eben noch einmal wiederholt werden. Eine besondere Belastungsprobe für Marco, der bei seinen waghalsigen Sprüngen und Manövern immer wieder seine Kondition unter Beweis stellt.

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Zurück in Deutschland ist nach Tagen akribischer Arbeit in der Postproduktion ein Video-Portrait entstanden, das auf eindrucksvolle Weise die Schönheit der Natur mit der Faszination und Härte des Windsurfens auf Weltklasse-Niveau verbindet. Ein Werk, das nicht zuletzt getragen durch die Musik von Henric Schleimer zu einer rund zehnminütigen Reise in eine Welt einlädt, in die sich viele von uns nur zu gerne hinein träumen. Eine Inszenierung à la Hollywood mit Keimzelle in Krefeld.

 

Zu sehen ist „Nine till now“ ab dem 01. Oktober sowohl auf unser Homepage www.kr-one.de als auch bei www.hometowncreations.de. Alternativ finden Interessierte den Film auch bei Facebook im Kanal von Hometown Creations.