Pfotentisch Krefeld

Haustiere sind eine feine Sache, kosten aber Geld – angefangen beim täglichen Futter. Was machen sozial bedürftige Tierbesitzer, die kaum Geld für sich selbst haben, geschweige denn für ihre Vierbeiner? Sie finden in der Seidenstadt eine Riesenhilfe: den „Pfotentisch Krefeld“, eine Art „Tafel für Tiere“.

Christian Braun liebt seine Hunde, Kira und Kenai bedeuten ihm alles. Kira ist eine neunjährige Schäferhund-Collie-Dame, Kenai, 6 Jahre, ist ein Jack Russel-Rüde. „Meine Hunde sind meine Familie“, sagt Braun. Umso schlimmer war es für den 32-jährigen Krefelder, als ein Arzt bei ihm vor fünf Jahren starke Herzrhythmusstörungen feststellte – und der gelernte Einzelhandelsverkäufer seinen Job verlor. „Ich musste Hartz4 beantragen, das Futter für Kenai und Kira war eigentlich nicht mehr drin.“ Die Hunde deswegen abzugeben, wäre aber „niemals“ in Frage gekommen. Braun begann zu kämpfen, sammelte Leergut für Flaschenpfand, sparte sich Geld vom Munde ab für seine Hunde. Bis er 2013 durch eine Zeitungsanzeige vom Krefelder „Pfotentisch“ erfuhr: einer Art „Tafel für Tiere“, die Haustiere sozial bedürftiger Menschen wie Braun in der Seidenstadt mit kostenlosem Futter versorgt. „Das ist die Rettung für Kira und Kenai“, der Gedanke schoss Braun durch den Kopf. Seitdem ist er quasi Kunde der ersten Stunde beim „Pfotentisch“, denn den hatte die Gründerin Susanne Lips damals gerade erst ins Leben gerufen.

Pfotentisch Krefeld

Susanne Lips, Gründerin des Krefelder Pfotentischs

Lips, 57, gebürtige Wuppertalerin, begeisterte Wahl-Krefelderin, ist selbst Besitzerin eines Hundes, der achtjährigen Mischlingshündin Ronja aus Rumänien. Irgendwann kam ihr dieser Gedanke: „Was machen eigentlich sozial bedürftige Tierbesitzer, die im Grunde kaum für sich selbst genug zum Leben haben?“ Noch aus Wuppertal kannte Lips den dort ansässigen „Pfotentisch“; sie nahm Kontakt zu der ehrenamtlichen Tier-Tafel im Bergischen auf, fragte, ob sie in der Seidenstadt eine „Filiale“ als ebenfalls ehrenamtliches Projekt eröffnen durfte. Sie durfte. Lips richtete eine facebook-Seite ein, ließ auf eigene Kosten Flyer und Plakate drucken, die sie nach Rücksprache mit Krefelder Tierärzten in deren Praxen auslegte und aufhing, sprach Krefelder Zoogeschäfte für Futterspenden an und suchte nach Räumlichkeiten für eine Futter-Ausgabestelle. Alles in ihrer Freizeit, neben ihrem Hauptberuf als Verkäuferin. Der Hundesalon „Doggy’s Beauty-Shop“ in der Neuen Linner Straße bekam Wind von Lips‘ Engagement; für die 48-jährige Inhaberin Angela Schmitz war sofort klar, ihren Salon als Futter-Ausgabestelle zur Verfügung zu stellen, „weil der ,Pfotentisch‘ kein Geld hat – ganz einfach! Da ist es für mich als Besitzerin eines Hundesalons selbstverständlich, ein solches Projekt zu unterstützen“.

Einmal pro Monat wird seitdem im „Doggy’s Beauty-Shop“ das Futter ausgegeben. Lips legt den Ausgabetermin für jeden Monat neu fest und gibt ihn sowohl per Aushang am Schaufenster des Salons, als auch auf der „Pfotentisch“-Webseite bekannt: der nächste ist am 19. Dezember von 10 bis 13 Uhr. „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen, zum Beispiel durch ihren Sozialhilfeausweis“, erklärt Lips, „und sie sollten auch nachweisen können, dass sie ein Tier haben; Hundebesitzer können zum Beispiel den Impfpass ihres Vierbeiners mitbringen.“ Der „Pfotentisch“ versorgt auch Katzen und Kleintiere, wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Fische, Vögel, Reptilien. Auf fünfzehn ehrenamtliche Mitarbeiter ist das Team um Lips bis heute angewachsen. Darunter zum Beispiel die Rentner Otto Schultz, 63, und Monika Döhrmann, 62. Futtersäcke aus Zoogeschäfte zu schleppen und in die Ausgabestelle zu transportieren, bei der Futterausgabe Ansprechpartner vor Ort zu sein, dafür zeigen sie gerne vollen Einsatz – auch wenn es keinen einzigen Cent dafür gibt. „Zusätzlich organisiert der ,Pfotentisch‘ auch einen Futter-Bringdienst für notleidende Tierbesitzer, die sich am Theaterplatz treffen, und für sozial bedürftige Menschen, die aus Krankheitsgründen nicht zur Ausgabestelle kommen können und denen wir das Futter nach Hause bringen“, erzählt Döhrmann. Mittlerweile merkt Susanne Lips, dass sie an Grenzen stößt, denn die „Pfotentisch“-Kunden werden immer mehr; zur Ausgabestelle in der Neuen Linner Straße kommen inzwischen 130 Tierbesitzer. Außerdem warten 20 Kunden am Theaterplatz, zwölf kranke Tierbesitzer müssen dauerhaft in ihrer Wohnung beliefert werden und in den letzten zwei Monaten gab es elf Neuanmeldungen für den „Pfotentisch“. Deshalb sucht Lips zurzeit nach größeren Räumen für die Futter-Ausgabe und würde sich über „erschwingliche Angebote“ sehr freuen. Zudem ist sie aktuell auf der Suche nach einem möglichst mietfreien Lager für das „Pfotentisch“-Tierfutter.

Damit es den „Pfotentisch“ weiter geben kann. Damit sozial bedürftige Menschen wie der Krefelder Christian Braun ihre Tiere nicht verlieren. Denn die Tiere sind regelrecht überlebenswichtig, sagt Braun: „Ich muss ja mindestens dreimal täglich mit Kira und Kenai Gassi gehen; dadurch geben mir meine Hunde eine Tagesstruktur vor, die ich sonst nicht hätte, ich bin ja arbeitslos. Alleine diese Tagesstruktur macht Kira und Kenai für mich unersetzlich.“

Der „Pfotentisch Krefeld“ braucht dringend neues Futter für Hunde, Katzen und Kleintiere, Geldspenden kann man über ein Paypal-Konto auf der Internetseite www.pfotentischkrefeld.de leisten. Die Futterausgabe findet einmal im Monat im Hundesalon „Doggy’s Beauty-Shop“, Neue Linner Straße 36, in Krefeld statt, die nächste Ausgabe ist am 19.12. von 10 bis 13 Uhr. Mit der „Pfotentisch“-Vorsitzenden Susanne 

Lips kann man Kontakt aufnehmen unter Tel.: 02151 – 92 89 215 oder per E-Mail: info@pfotentischkrefeld.de