Auf dem Stadtplan sucht man die „Rhenania Allee“ vergebens und doch ist sie jedem, der nicht erst seit ein paar Jahren in unserer schönen Samt- und Seidenstadt lebt, ein Begriff. Hier schlug früher das Herz des Krefelder Nachtlebens, hier reihte sich Kneipe an Kneipe, und man bekam auch nachts um vier mit Sicherheit noch etwas zu trinken. Im Le Bateau und im Picnic, in der Zwiebel, im Pferdestall oder im Old Inn war am Wochenende der „Teufel los“. Aber auch Mittwochs- oder Donnerstagabends zeigte sich die Krefelder Kneipenmeile selten verwaist. Und weil Essen und Trinken bekanntermaßen zusammengehören, wurde zwischen Ostwall und Bleichpfad auch einiges an fester Nahrung angeboten: herzhafter Spießbraten zum Beispiel oder leckere Pizza, die bei Amalfi, in der Sankt-Anton-Straße 10-12, bis zwei Uhr nachts frisch aus dem Ofen kam.

Pizzeria Amalfi, Fenster, Logo

Pizzeria Ristorante Amalfi 1 feiert dieses Jahr das 40-jährige Jubiläum, und im Mai 2017 steht der jetzige Inhaber Baldassare „Aldo“ Volpe schon seit 32 Jahren im Geschäft. „Amalfi 1“ heißt das Restaurant übrigens, weil einer von Aldos Brüdern 1987 in Fischeln das „Amalfi 2“ eröffnet hat. Heute stehen die Nachtschwärmer im Amalfi 1 allerdings nicht mehr in Zweierreihen vor dem Tresen, um ein Übermaß alkoholischer Getränke mit einer „Margherita“ oder „Quattro Stagioni“ zu neutralisieren. Die Familie Volpe hat ihre frühere Stehpizzeria schon seit langem geschlossen und konzentriert sich jetzt ganz auf das Ristorante, wo man gemütlich im Sitzen speisen kann. „Früher lief das Hauptgeschäft nachts ab 22, 23 Uhr“ erinnert sich Aldo, „da kamen die Betrunkenen, um zwischendurch schnell etwas in den Magen zu bekommen, und an den Tischen servierten wir denjenigen, die etwas mehr Geld ausgeben wollten, feine Gerichte mit Fisch oder Gambas. Die Zeiten sind vorbei. Wo früher die Pizza für ‚auf die Hand‘ verkauft wurde, ist jetzt nur noch unser Lager, und der neue Pizzaofen steht jetzt hier im Restaurant.“

Zu seinem Lokal auf der Krefelder Kneipenmeile kam der auf Sizilien geborene Gastronom durch einen Zufall: Den Vorbesitzer des Amalfi, natürlich auch ein Süditaliener, hatte das Fernweh gepackt. Er eröffnete ein Restaurant in Aruba auf den Niederländischen Antillen, so dass die Volpes den lukrativen Platz einnehmen konnten. „Damit begann eine tolle, wenn auch anstrengende Zeit“, erinnert sich Ehefrau Sandra Volpe und fügt hinzu: „Auf der Rhenania Allee gab es für jeden etwas, für Ältere und für Jüngere. Manchmal, wenn hier richtig was los war, wurde die Straße sogar für den Autoverkehr gesperrt.“ Ehemann Aldo ergänzt: „Leider haben sich irgendwann die Gegner des lauten Nachtlebens durchgesetzt. Es gab mehrere Bürgerinitiativen gegen den Nachtbetrieb, und das Ordnungsamt wurde immer strenger. Für kleine Überschreitungen der Sperrstunde musste man heftige Strafen bezahlen. So haben nach und nach fast alle Kneipen geschlossen. Wir sind einer der letzten Überlebenden.“

„Wir verwenden für unsere Pizza nur gutes Mehl und wir machen Lasagne und Canneloni selbst. Bei uns gibt es nur selbstgemachte Saucen und original italienische Salami. Die Pizza wird von Gianni unserem ‚Pizza-Gott‘ zubereitet und in unserem Steinofen gebacken.“

Überlebt hat auch die hervorragende Qualität der traditionellen italienischen Küche, die im Amalfi von Anfang an gepflegt wurde. Sandra und Aldo Volpe sind sich einig, dass in ihrem Restaurant nichts auf den Tisch kommt, was nicht frisch gemacht wurde. „Unsere Küche ist 100 Prozent original italienisch. Wir verwenden für unsere Pizza nur gutes Mehl, und wir machen Lasagne und Cannelloni selbst. Bei uns gibt es nur selbstgemachte Saucen und original italienische Salami. Die Pizza wird von Gianni, unserem ‚Pizza-Gott‘, zubereitet und in unserem Steinofen gebacken. Auf diese Weise haben wir viele Stammgäste gewonnen, die teilweise schon seit 30 Jahren zu uns kommen“, erklärt der Chef des Amalfi voller Stolz.

Zu diesen langjährigen Stammgästen zählen wir von der KR-ONE-Redaktion bisher nicht. Nach unserem Testessen sind wir uns allerdings einig, dass wir bestimmt nicht zum letzten Mal bei Amalfi gewesen sind. Dabei wurden wir von der Familie Volpe mit zwei ganz besonderen Pizzen bewirtet: einer „Tradizionale“, belegt mit Salsiccia (scharfer italienischer Salami), Rucola, frischen Cherry-Tomaten und Parmesan und einer „Gustosa“ mit Salsiccia, Zwiebeln und Gorgonzola. Beide super-lecker, perfekt gebacken und reichlich belegt. Zum individuellen Nachwürzen gab es pikantes Knoblauch- und Chiliöl und vorab knusprige Pizzabrötchen mit selbstgemachter Aioli. Hätten wir an diesem Abend nicht noch am Straßenverkehr teilnehmen müssen, dann hätten wir zu dieser wunderbaren Mahlzeit sicher noch etwas mehr vom vollmundigen Rotwein und milden Grappa genossen.

Inhaber, Baldassarre Volpe, Aldo

Inhaber Baldassarre “ Aldo“ Volpe

Von den wilden Zeiten in den 80ern merkt man im Amalfi 1 heute kaum noch etwas. Das kleine Ristorante strahlt jetzt eine freundliche Gemütlichkeit aus. An den dezent beleuchteten Tischen kann man es sich wunderbar bequem machen und die gute italienische Küche genießen. Schade ist, dass der einstige Lagevorteil sich inzwischen in einen Nachteil verkehrt hat. Die Sankt Anton Straße zwischen Ostwall und Bleichpfad ist heute eine graue und laute Durchgangsstraße, über die niemand bummelt. Das konnten die Volpes zum Glück durch einen regen Lieferservice ausgleichen. Viele Kunden holen ihre Pizza auch gleich vor Ort ab. Außerdem ist die Krefelder Traditionspizzeria inzwischen auch im Internet vertreten, wo Sohn Calogero Volpe eine Facebook-Seite betreut und bei Instagram immer frische Bilder einstellt. Wer allerdings die außergewöhnlichen Pinocchio-Gemälde an den Wänden des Amalfi live und in Farbe sehen möchte, der sollte einmal persönlich an der Sankt Anton Straße vorbeischauen.

Pizzeria Ristorante Amalfi 1, Sankt Anton Straße 10-12, 47799 Krefeld, Telefon: 02151-80 09 91
Öffnungszeiten: So-Do 17-24 Uhr, Fr und Sa 17-1 Uhr