Wir alle glauben unsere Stadt zu kennen. Vor allem dann, wenn wir in ihr aufgewachsen sind. Ein großer Teil des Vergnügens, für das KR-ONE Magazin tätig zu werden, besteht darin, Krefeld immer neu entdecken zu dürfen. Türen öffnen sich. Geschichten werden ausgetauscht. Projekte werden angeschoben. All das schärft den Blick für die Besonderheiten unserer Umgebung. Sollten Sie sich jetzt nicht spontan entschließen, bei uns anzuheuern, empfehlen wir Ihnen einen geführten Blick auf unsere Stadt am Rhein.

Stadtgespräch mit Herz und Verstand - Krefelder Stadtführer verraten ihre Lieblingsorte

Die Eheleute Oldenburg und Ulrich Pudelko auf dem Krefelder Alexanderplatz

Seit vielen Jahren gibt es in Krefeld drei offizielle Ansprechpartner in Sachen Stadtführungen. Alle drei sind überzeugte Samt-und-Seiden-Städter und im Stadtgeschehen auch keine Unbekannten: Karola Goris, Georg Opdenberg und Ulrich Pudelko. Wir treffen uns an einem Montag im Simitic-Café in der Krefelder Südstadt. Hier gibt es bereits ab sieben Uhr ein üppiges türkisches Frühstück mit dem obligatorischen süßen schwarzen Tee. Karola Goris weilt zurzeit in der Hauptstadt, hat uns aber vor ihrer Abreise telefonisch ihren Lieblingsort verraten. „Ich liebe die Kombination von Architektur, Kunst und Natur“, verrät sie und legt mir die Gärten der Häuser Lange und Esters ans Herz. Und alle Euroga 2002 plus-Gärten. Eigentlich alle Parkanlagen. „Man kann dem ehemaligen Bürgermeister Herrn Johann Johansen gar nicht dankbar genug sein, für unseren Grüngürtel“, fügt sie hinzu. Um diesen artgerecht zu präsentieren, organisiert Karola Goris ihre Führungen am liebsten mit dem Fahrrad. Allerdings haben auch Bustouren, insbesondere für Senioren, ihre Daseinsberechtigung, damit es nicht zu anstrengend wird. „Mit älteren Gästen fahre ich im Rahmen der Stadtrundfahrt auch gerne zum Hafen nach Uerdingen. Viele spannende städte- und straßenbauliche Neuerungen würden einige Teilnehmer sonst vielleicht nicht kennenlernen können. Und interessant ist es überdies, die Hafenanlge und die ansässige Industrie in ­Kombination mit einem Spaziergang an der wunderbaren Rheinpromenade zu erleben“, berichtet Karola Goris, bevor sie mir gutgelaunt alles Gute wünscht.

„Ich liebe die Kombination von Architektur, Kunst und Natur.“

Im Café fällt es den Herren ihrerseits sichtlich schwer, sich auf nur einen Lieblingsort in Krefeld zu einigen. Ulrich Pudelko krönt den Alexanderplatz kurzerhand zum schönsten Platz Krefelds. „Obwohl, wenn ich da vorbeifahre gucke ich immer rüber zum Corneliusplatz, der ist von der Aufteilung und der Ästhetik her einfach gut angelegt“, schwärmt er. „Die dazugehörige Corneliusstraße ist übrigens die breiteste Straße Krefelds, abgesehen von den vier Wällen.“ Georg Opdenberg bringt sogleich den Lindenplatz ins Rennen, als interessantesten Platz Krefelds: „Der ist deshalb so spannend, weil hier drei verschiedene Straßensysteme aufeinandertreffen. Der Platz selbst ist nicht viel größer als ein Wohnzimmer, aber fünf Straßen gehen davon ab, und keine passt zu nächsten.“ Außerdem ist natürlich das alte Buschhütter-Postgebäude ein Hingucker. „Gut, ich möchte da bestimmt nicht den ganzen Tag verbringen, aber städtebaulich ist es einfach aufregend dort. Auch von der Atmosphäre her“, erzählt der Krefelder Künstler, Autor und Vermessungsingeniuer.

Ein Hingucker sei auch der alte romanische Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert von St. Matthias in Hohenbudberg, befindet Ulrich Pudelko. „Der Turm ist das älteste Gebäude Krefelds. Die Kirche ist tagsüber für Besucher geöffnet, und der mittelalterliche Holzaltar lässt sich auf Knopfdruck sogar beleuchten“, erklärt er. Die Frage, ob Krefeld sich am besten zu Fuß, auf den vielen Kilometern Radweg oder aus dem Bus heraus erfahren lässt, können auch diese beiden Krefeld-Kenner nicht eindeutig beantworten. Die Wahrnehmung ist unbestritten eine andere, blickt der Besucher erhöht sitzend aus dem Bus. Vielleicht würde auch der eine oder andere Krefelder diesem Perspektivwechsel noch Neues abgewinnen. Ein Gewinn sind in jedem Fall die vielen Stadtgeschichten und Anekdoten, die jeder unserer Stadtführer im Gepäck hat.

Stadtgespräch mit Herz und Verstand - Krefelder Stadtführer verraten ihre Lieblingsorte

Selbstverständlich verführen Bustouren auch zum Schwatzen, schlafen oder zum heimlichen Amüsement in den hinteren Sitzreihen. Da unterscheiden Erwachsene sich kaum von Schulklassen. Für den kriiewelschen Unterhaltungsprofi Ulrich Pudelko kein Problem: „Letztens habe ich am Treffpunkt Seidenweberhaus einen Bus voller Karnevalisten in Empfang genommen, inklusive Bierkästen. Da war prima Stimmung. Und die Bierkästen nachher leer.“ Man wisse nie, wer da auf einen wartet, berichten beide Herren. „Wir improvisieren. Einmal habe ich eine Gruppe vom Tiefbauamt aus Köln am Bahnhof eingesammelt“, erzählt Georg Opdenberg. „Denen habe ich die städtebaulichen Strukturen unserer ehemaligen Stadtmauer zwischen Hochstraße und Anne-Frank-Platz gezeigt. Sieht man genau hin, sind diese noch zu erkennen. Zwei Wochen vorher hatte ich eine Gruppe Landfrauen zu Besuch. Da bin ich mit denen hier durch die Südstadt mit ihren arabisch und türkisch beschriftete Läden flaniert. Danach waren wir zum Kartoffelpreise vergleichen auf dem Markt. Die Damen hatten Spaß satt.“

Und Spaß, da wird uns jeder Niederrheiner zustimmen, ist immer gut. Genauso wie ein frischer Blick auf Altbekanntes. Und, wenn wir den Stadtführern Glauben schenken möchten, hat unsere Stadt viel mehr zu bieten, als wir annehmen. „Sollten Sie nachher entäuscht sein, sind sie ganz fix in Düsseldorf“, scherzt Georg Opdenberg. „Allerdings hat sich bisher noch jeder gut unterhalten gefühlt.“

Weitere Informationen rund um die Stadtführungen gibt es bei Claire Neidhardt vom Stadtmarketing Krefeld unter 02151 861509 und auf www.krefeld.de/de/stadtmarketing/stadtfuehrungen. Dort gibt es auch die aktuelle Broschüre Krefeld Erleben – Stadtführungen 2016 als PDF-Download.