Was macht eine Innenstadt attraktiv? Warum kommen Menschen von außerhalb in eine Stadt und vor allem in deren Zentrum? Ein vielfältiges Warenangebot? Außergewöhnliche Gastronomie? Kultureinrichtungen, ­Ausgehmöglichkeiten? Kommt es mehr auf das Stadtbild an, romantische Altstadtgassen, mittelalterliche Mauern, Kirchen und Museen oder müssen einfach nur genügend kostenlose Parkplätze vorhanden sein?

Stadtumbau West-Reihe - Das neue Identitätsstiftende Gestaltungskonzept für die Krefelder Innenstadt ist ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung

City-Managerin Dr. Christiane Gabbert

Mittelalterliche Mauern und romantische Gassen gibt es in Krefeld aufgrund der verheerenden Kriegszerstörungen kaum noch. Trotzdem weist die City der Samt- und Seidenstadt viele wertvolle Qualitäten und Potenziale auf. Lebhafte Einkaufszonen und ruhige Wohnstraßen, urbane Plätze und grüne Inseln prägen die städtische Welt innerhalb der Ringe. Mit den vier Wällen verfügt Krefeld über eine städtebaulich markante ­Begrenzung ihres zentralen Innenstadtquartiers. Viel Potenzial haben auch die in der City angebotenen Dienstleistungen: Handel und Gastronomie nehmen nach einer Phase relativer Stagnation neuen Schwung auf. Seit vier, fünf Jahren entstehen hier immer mehr individuelle Cafés und Restaurants. Vor allem an Krefelds „feiner Meile“, der Königstraße, glitzern individuelle Fachgeschäfte und schicke Modeboutiquen wie ­Perlen an einer Kette.

Die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt funktioniert zum großen Teil über die Innenstadt. Man geht in „die Stadt“, wenn man sich ins Stadtzentrum begibt. Daher ist das Stadtbild hier von besonderer Wichtigkeit.

Im Bewusstsein dieser Tatsache stellten die städtischen Fachbereiche Stadtmarketing und Stadtgestaltung im Jahr 2011 Professor Nicolas Beucker vom Kompetenzzentrum „Social Design“ der Hochschule Niederrhein die Aufgabe, ein Gestaltungskonzept für die Krefelder Innenstadt zu entwickeln und dabei die folgenden Aspekte zu beachten.

Er muss:
1.) die besondere Struktur der Krefelder Innenstadt berücksichtigen und innerhalb der Innenstadt das unterschiedliche Profil einzelner Einzelhandelslagen entwickeln.
2.) die Philosophie der Stadtverwaltung, den Einkaufsbereich nicht auf die Lage eines einzelnen Einkaufszentrums zu begrenzen, sondern eine dezentrale multifunktionale und dadurch abwechslungsreiche Innenstadt zu entwickeln, zwingend zugrunde legen.
3.) die Akteure aus Handel, Gastronomie und Eigentümern motiviert in diesen Prozess einbinden.

Stadtumbau West-Reihe - Das neue Identitätsstiftende Gestaltungskonzept für die Krefelder Innenstadt ist ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung

Ulrich Cloos, Leiter des Fachbereichs Marketing- und Stadtentwicklung

Die Experten des „Kompetenzzentrums für Social Design“ stellten in ihrem „Identitätsstiftenden Gestaltungskonzept“ fest, dass die Gestaltung des öffentlichen Raums und das Erscheinungsbild der Wohn- und Geschäftsgebäude gleichermaßen wichtig sind. Flair und Atmosphäre des Stadtraumes sind nach Aussage der Krefelder Designer wesentliche Faktoren für die Lebensqualität in einer Stadt und stärken die Konkurrenzfähigkeit gegenüber benachbarten Kommunen.

Eine zentrale Empfehlung des Gestaltungskonzepts ist, dass alle Innenstadtakteure an einem Strang ziehen müssen, um den Stadtraum der ­Krefelder Innenstadt nachhaltig positiv zu gestalten. Bürger und Stadtplaner, Ladeninhaber und Immobilienbesitzer müssen an einen Tisch geholt werden und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Um stadträumliche Qualität zu erzielen, wird die Stadtplanung dabei allerdings eine Führungsrolle übernehmen müssen. Straßen und Plätze werden als harmonisch empfunden, wenn Architekturelemente wie Fassaden nicht durch Werbeanlagen in den Hintergrund gestellt und Straßenräume mit Gehwegaufsteller und Warenauslagen überhäuft werden. Durch Fotomontagen mit reduzierten Werbetafeln bewies Designprofessor Beucker bei seiner Präsentation, dass auch Krefelder Innenstadtstraßen durch eine Begrenzung des Wildwuchses nur gewinnen können. Jetzt hat die Stadt ein Kompetenzteam aus Mitarbeitern der Bereiche Stadtplanung, Stadtmarketing, Tiefbau, Ordnung und Bauaufsicht zusammengestellt, dass konkrete Maßnahmen erarbeiten und den ­Kontakt zu den Bürgern suchen soll. „Um schnell und effektiv arbeiten zu können, werden wir uns in der Regel alle zwei Wochen zusammensetzen“, erklärt Markus Bernthaler, der für Stadtgestaltung zuständige Abteilungsleiter. „Schwierige oder problematische Fälle werden wir uns möglichst direkt vor Ort ansehen und im Dialog mit den Betroffenen gemeinsam lösen.“

Das Pilotprojekt der Krefelder Innenstadtneugestaltung wird die „Neue Rheinstraße“. „Diesen sehr prominenten Straßenzug sehen wir als Zugpferd für die zukünftige Entwicklung“, berichtet Citymanagerin Dr. Christiane Gabbert. „Im Frühjahr beginnen wir hier mit einem Farbkonzept, neuen anthrazitfarbenen Pflanzkübeln und einer Vereinheitlichung der Außengastronomieschirme. Ladeninhabern werden wir mit Best-Practice-Beispielen aufzeigen, welche hochwertige Möblierung und Gestaltungselemente zur Verfügung stehen und es wird dazu eine Reihe von Infoveranstaltungen geben.“ Die Rheinstraße gehört für die Verfasser des Innenstadtkonzepts zum Teilraum „Stadtachse“ – der Krefelder Einkaufsmeile mit regionaler Strahlkraft. Die gesamte Innenstadt haben Designer und Planer in fünf Bereiche eingeteilt: Neben der Stadtachse sind das das Königsviertel, das Hansaviertel, die Wälle (mit dem Ostwall als Sonderfall) und das übrige Innenstadtquartier. Dazu kommt noch „ als Potenzialfläche zwischen Rathaus und Theater. „Bei den ­Konzepten für die Teilräume gehen wir natürlich auf die jeweiligen Besonderheiten ein“, betont Stadtplaner Markus Bernthaler. „Das Königsviertel zum Beispiel hat einen hochwertigen ‚Loungecharakter’, der sich in der Straßenraumgestaltung und im dort angebotenen Warensortiment zeigt. Das Hansaviertel dagegen ist von bunter, kultureller Vielfalt geprägt. Mit diesen Pfunden wollen wir wuchern und natürlich gestalterisch nicht alles über einen Kamm scheren.“

Stadtumbau West-Reihe - Das neue Identitätsstiftende Gestaltungskonzept für die Krefelder Innenstadt ist ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung

Experte für Stadtgestaltung, Markus Bernthaler

„Das Innenstadtgestaltungskonzept ist ein wichtiger Baustein im Rahmen unseres gesamten städtebaulichen Entwicklungskonzepts “, erklärt Ulrich Cloos, Leiter des Fachbereichs Marketing und Stadtentwicklung. „Die vielen in den letzten Jahren mithilfe des Förderprogramms ,Stadtumbau West’ ins Leben gerufenen Maßnahmen zeigen langsam Wirkung. Wer jetzt durch die Stadt geht, sieht die Investitionen wie Pilze aus dem Boden schießen – von Ostwall-Carree bis zur neuen Volksbank-Zentrale, von der Alten Samtweberei bis zur neu gestalteten Marktstraße. Das wirkt sich zunehmend positiv auf die Stimmung in unserer Stadt aus, und auch von außen wird Krefeld langsam anders wahrgenommen. Die Menschen kommen wieder zu uns. Für mich ist das ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Ansprechpartner: 
Markus Bernthaler, Gestaltungsberater, Fachbereich Stadtplanung , 
02151-36 60 37 39, E-Mail: markus.bernthaler@krefeld.de 

Dr. Christiane Gabbert, Citymanagerin, Fachbereich Marketing und 
Stadtentwicklung, 02151-86 15 04, E-Mail: ch.gabbert@krefeld.de