Wochenende! Ausgehen! Cocktails schlürfen! Wo gehen wir hin? Natürlich in die Anjuna-Bar: Mit über 100 verschiedenen Cocktails und dem originellen Flair aus fernöstlichem Ambiente und westlichem Touch ist die Anjuna-Bar die Krefelder Kult-Location. Nicht zuletzt durch ihren Gegentrend zum Kettenkneipen-Einerlei – in der Anjuna-Bar steht der Inhaber noch selbst hinterm Tresen. Jeanivan Inbarajah wäre es aber sonst auch viel zu langweilig.

Cocktail des Lebens - Szene-Tipp: Anjuna-Bar


Jeanivan Inbarajah

Dabei hat der heute 33-Jährige schon eine Menge erlebt. Geboren wurde Inbarajah in Kilinochchi, einer Stadt im Norden Sri Lankas, wo während seiner Kindheit der Bürgerkrieg zwischen den Tamilien und der singhalesischen Mehrheit wütete. Inbarajah war das älteste von sechs Kindern, als er das zehnte Lebensjahr erreicht hatte, beschlossen seine Eltern, ihn raus aus dem heimischen Kampfgebiet nach Deutschland bringen zu lassen. „Meine Eltern wollten etwas Besseres für mich“, erzählt Inbarajah bei unserem Gespräch, zu dem wir uns in seiner Anjuna-Bar mit ihm getroffen haben, gebannt lauschend auf den Barhockern am Tresen. „Natürlich war es nicht einfach für mich als zehnjähriger Junge meine Heimat zu verlassen, mich von meiner kompletten Familie zu verabschieden,“ berichtet Inbarajah weiter. Zwei Brüder und drei Schwestern, alle nur wenige Jahre jünger als er, ließ er damals samt Eltern in Sri Lanka zurück. Reiste in Begleitung einer Tante nach Berlin, wo eine Schwester seines Vaters mit ihrer Familie lebte, ihn aufnahm. „Ich kam im Monat November nach Berlin – Deutschland war eine völlig fremde Welt für mich. Die Bäume hatten keine Blätter, es war kalt, es lag Schnee – das war alles neu für mich“, erzählt Inbarajah.

Er gestikuliert wenig, während er spricht. Schaut sein Gegenüber aufmerksam an. Denkt lange darüber nach, was er sagt. Doch inmitten seiner ruhigen Art blitzen seine tiefdunklen Augen immer wieder auf; man nimmt Inbarajah ab, dass die Umstellung auf Deutschland für ihn als Kind zwar eine Herausforderung war, aber auch eine, auf die er sich mit Freude einließ. „Zwei Jahre besuchte ich eine Klasse, in der ich Deutsch lernte, danach wechselte ich auf die Realschule“, so Inbarajah. Binnen kürzester Zeit knüpfte er Kontakte zu den Mitschülern, schloss echte Freundschaften. „Deutschland wurde schneller zu meiner zweiten Heimat, als ich es selbst für möglich gehalten hätte“, nickt er. Was vielleicht auch daran gelegen haben mag, dass seine Eltern ihn losgelassen hatten. „Wir schrieben uns Briefe, aber persönlichen Kontakt hatten wir nicht mehr“, erzählt Inbarajah.

„Sri Lanka war mir inzwischen fremd geworden, Deutschland hingegen völlig vertraut, ich habe dieses Land in mein Herz gelassen, alle meine Freunde hatte ich mittlerweile hier.“

Schon während der Schule entdeckte er sein Herz für die Gastronomie, verdiente sich nach dem Unterricht Geld als Tellerwäscher in einem Restaurant. Nach dem Realschulabschluss begann er eine staatlich geförderte Ausbildung als Elektriker, die er jedoch schon sechs Monate später wieder auf Eis legen musste. „In meiner Heimat war Waffenstillstand, ich hätte also nach Sri Lanka zurückgekonnt und bekam deshalb vom deutschen Staat keine Unterstützung mehr“, erzählt er. Inbarajah entschied sich trotzdem für Deutschland: „Sri Lanka war mir inzwischen fremd geworden, Deutschland hingegen völlig vertraut, ich habe dieses Land in mein Herz gelassen, alle meine Freunde hatte ich mittlerweile hier. Ich wollte nicht schon wieder einen Bruch.“ Er jobbte in Berlin in einem Club, einer Bar, einem Biergarten, verdiente fleißig Geld. 2005 besuchte er seinen Cousin Rameshkumar, der in Krefeld lebte, in der Seidenstadt die „Anjuna-Bar“ betrieb. Ein exotischer Fleck im hiesigen Nachtleben: mit Palmen, Buddhastatuen, karibischen Cocktails, indischen Snacks ebenso wie mit knarrendem Holzbode und  deutschem Bier. „Mein Cousin fragte mich, ob ich nicht in der Bar mithelfen wolle“, erzählt Inbarajah. Er war gekommen, um zu bleiben: „2009 wechselte mein Cousin als Koch ins Restaurant Namaste – da habe ich die Anjuna-Bar übernommen.“ Er hatte sich verliebt, in die Location, wie auch in Krefeld. „Die Anjuna-Bar könnte ich mir in keiner anderen Stadt vorstellen.“

Cocktail des Lebens - Szene-Tipp: Anjuna-Bar


Deshalb hat er sie jetzt grundrenoviert. Dazu gibt es neue Gerichte, die auf Wandtafeln beworben werden, zum Beispiel Pizza, gebacken aus Naan, dem klassisch-indischen Brot. Aber natürlich wird auch Bewährtes beibehalten, wie der beliebte Bier-Sonntag, an dem es Bier schon ab einem Euro gibt oder die TV-Vollausstattung mit Sky. Ein heißer Tipp übrigens mit Blick auf die baldige EM – die hoffentlich genauso gut läuft, wie Inbarajahs persönliche Erfolgsstory.

 

Cocktail des Lebens - Szene-Tipp: Anjuna-Bar


KR-ONE Cocktail
Die Anjuna-Bar hat einen Neuzugang auf ihrer Cocktailkarte – den KR-ONE-Cocktail: Weißer Rum, Gin und Kokossirup treffen auf Maracujasaft, gekrönt von Sahne, garniert mit schwarzen Strohhalmen, einem orangegelben Schirmchen und einer Orangenspalte. Fertig ist der KR-ONE-Cocktail in den typischen KR-ONE-Farben, schmeckt super: Die Fruchtsüße des Maracujasaftes und die leichte Schärfe des Alkohols legen miteinander einen heftigen Flirt hin, dem die Sahne das Häubchen aufsetzt. Prost!

 

Anjuna-Bar, Mühlenstraße 36, 47798 Krefeld, geöffnet täglich ab 15 Uhr (Happy Hour mit Cocktails ab vier Euro von 15 bis 21 Uhr sowie von 23 Uhr bis Open End), Tel.: 02151 – 621 435, www.anjunabar.de