Beim Schlendern entlang der Wiedenhofstraße fällt ein kleines, charmantes Geschäft direkt ins Auge. Das Schaufenster scheint auf den ersten Blick künstlerisch angehaucht. Am oberen Ende rahmt ein weißer Bogen das Schaufenster ein. Am unteren Ende stehen vier Vitrinen, in denen ausgefallene Schmuckstücke zu sehen sind. In der Mitte der Scheibe steht ein schlichter weißer Schriftzug: Thiemann Schmuckdesign.

Gerd Thiemann

Gerd Thiemann öffnet voller Elan die Tür zu seinem Geschäft. Ein Geschäft, das einer kleinen Zauberwelt ähnelt, denn mitunter entstehen hier aus Edelmetallen wie Platin, Gold und Silber wahre Kunstwerke. Deshalb will Thiemann auch gar nicht lange reden, sondern zeigt uns direkt eines seiner wichtigsten Stücke: „Das war das Abschlussstück meiner Meisterprüfung.“ Dabei sieht der futuristisch anmutende Armreif so aus, als wäre er erst vor Kurzem entstanden. So vermuten es auch die meisten Betrachter, denen der Goldschmied das Schmuckstück zeigt. Thiemann freut das, und er erklärt: „Ich war der Zeit damals nicht voraus, sondern einfach nur zeitgemäß.“ Rund 250 Stunden Arbeit hat der gebürtige Krefelder in dieses Schmuckstück gesteckt. Der Armreif hat für den Goldschmied auch heute noch eine besondere Bedeutung, weil er den Beginn seiner kreativen Laufbahn kennzeichnet.

Seit 25 Jahren ist Thiemann in Krefeld für außergewöhnlichen Schmuck bekannt: „Der Clou an meinen Schmuckstücken ist, dass man sie vielfältig nutzen kann“, bringt der Goldschmied das Alleinstellungsmerkmal seiner Handwerkskunst auf den Punkt. Ein Ring wird so zum Beispiel mit einem Handgriff zu einem Anhänger für eine Kette. „Ich baue Sachen, die ausgefallen, aber unbedingt alltagstauglich sind“, erklärt Thiemann. Aber eigentlich gehe es bei Schmuck ja auch genau darum, wie der Kunsthandwerker findet: „Wenn ich ein schönes Schmuckstück trage, will ich das doch auch voller Stolz zeigen, mich damit schmücken und mich nicht damit verstecken, oder?“ Verstecken braucht sich der Kunde mit Thiemanns Schmuckstücken definitiv nicht. Jedes Stück ist genauso ein Unikat, „wie der Mensch, der es trägt“, so Thiemann.

Dem Goldschmied geht es vor allem darum, den Kunden mit seinen Ideen zu überraschen. Seinen „Spieltrieb“, wie Thiemann es nennt, hat er in seiner Gesellenzeit erlernen können: „Besonders in zwei Goldschmieden in Düsseldorf habe ich viel gelernt und viel ausprobieren können. Danach war ich infiziert“, sagt er lachend.

Kommt ein Kunde mit einer Vorstellung oder einem Wunsch, lautet die Antwort vom Goldschmiedemeister in den seltensten Fällen „nein“: „Ich probiere eigentlich immer alles aus. Manchmal entstehen sogar Ideen aus Resten, mit denen ich herumexperimentiere“, so der Goldschmied, dessen Augen bei neuen Herausforderungen zu leuchten beginnen. Die Lust am Ausprobieren steht bei Thiemann im Vordergrund. Reines Abarbeiten gibt es bei ihm nicht, im Gegenteil: Jedes Schmuckstück entsteht mit viel Liebe zum Detail und mit Witz. Wie ein kleines Kind freut sich der innovative Kopf, „wenn ein Kunde dann verblüfft merkt, dass er sein Schmuckstück noch anderweitig verwenden kann. Ein bisschen Spaß muss auch sein.“

Ursprünglich wollte Thiemann 1982 nur ein Praktikum in einer Goldschmiede machen. „Ich wollte gerne Kunst und Handwerk verbinden, war aber noch nicht auf einen Bereich festgelegt“, erklärt er. Eine Woche später hatte er dann aber bereits den Lehrvertrag in der Tasche: „Ich habe mich wohl ganz gut angestellt.“ Die Lehre sei zwar eine gute Möglichkeit, einen Einblick in den Beruf zu bekommen, richtig viel gelernt habe Thiemann aber erst in seiner Gesellenzeit. „Als ich nach Düsseldorf ging, hatte ich das Gefühl, ich hätte vorher noch gar nichts gemacht“, gesteht der Feingeist nachdenklich.

Thiemann, der seit 15 Jahren an der Wiedenhofstraße zu finden ist, zeichnet sich vor allem durch seine ganz eigenen Ideen aus: „Ich bin Idealist. Ich versuche nicht, mit dem Strom zu schwimmen, sondern mein eigenes Design zu machen“, bringt er seine Art und Weise zu arbeiten, auf den Punkt. Dafür braucht Thiemann vor allem eines: seine Hände. „Meine Hände sind mein Werkzeug. Aber auch etwas Kraft kann nicht schaden, wenn man an der Walze arbeiten muss. Das ist mein Fitnessstudio“, gesteht er lachend.

Für den gebürtigen Krefelder sind seine Schmuckstücke nicht nur irgendwelche Dinge, die er am Ende sowieso verkauft. Bei jedem Auftrag entfacht Thiemanns Herzblut, und er versucht, etwas Besonderes daraus zu machen. „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich mir etwas ausdenken und Lösungen für die Wünsche der Kunden finden kann“, so Thiemann. Während wir uns verabschieden, bestätigt sich übrigens unser Anfangsverdacht: Der Eindruck, dass das Schaufenster künstlerisch angehaucht ist, entspricht der Realität, wie Thiemann bestätigt: „Das Schaufenster wurde genau nach meinen Wünschen und Vorstellungen errichtet“. Nach den Wünschen eines kreativen Idealisten.

Thiemann Schmuckdesign, Wiedenhofstraße 58, 47798 Krefeld,
Telefon: 02151-772398, www.gerd-t.de