Ein Mehrfamilienhaus im Krefelder Dichterviertel. Das unauffällige weiß-rote Firmenlogo neben der Haustür lässt nicht erahnen, dass sich hinter der unscheinbaren Fassade ein europaweit agierendes karitatives Online-Unternehmen verbirgt, das trotz seines erst zweijährigen Bestehens bereits rund 100.000 Facebook-Fans und einen Guinness-Weltrekord für sich verbuchen kann – dank einer genialen Idee und einem großen Herz für Tiere.

Tierschutz-shop.de - Tierschutz ohne Grenzen

„Für Tiere geben wir alles!“ Das Team des Tierschutz-Shops

Betritt man die Räumlichkeiten des Tierschutz-Shops hinter einer Wohnungstür im ersten Stock, wird man lautstark von Mira und Scotty begrüßt. Die beiden Rehpincher-Mischlinge gehören ebenso zum Unternehmen wie die zehn Mitarbeiter, die auf drei Etagen des Wohnhauses ihre Büros eingerichtet haben. Mehr noch, die kleine Hundedame Mira mit ihren niedlichen langen Ohren und braunen Kulleraugen spielt eine zentrale Rolle in der Unternehmensgeschichte, wie Geschäftsführerin Hanna Czenczak erzählt: „Nachdem mein Mann und ich Mira adoptiert hatten, wollten wir dem Tierheim zusätzliches Geld spenden. Doch wie es eben so ist mit den guten Vorsätzen, schob ich das Vorhaben immer weiter auf. Eines Tages kam mir dann die Idee, dass es toll wäre, wenn ich einfach beim Futterkauf etwas spenden könnte – ganz nebenbei.“ Nach intensiver Recherche folgte dann die Erkenntnis, die das Leben der 36-jährigen Krefelderin auf den Kopf stellen sollte: Entgegen aller Erwartung gab es eine solche Möglichkeit tatsächlich noch nicht. „Mein Mann und ich haben nicht lange überlegt, unsere bisherige Arbeit als Web-Designer aufgegeben und uns an die Umsetzung der Idee gemacht“, berichtet Czenczak von ihrem mutigen Schritt ins Ungewisse.

Das ursprüngliche Prinzip des seit Mai 2014 verfügbaren Online-Shops ist gleichsam einfach wie genial: Tierbesitzer können über die Internetseite Futter, Spielzeug, Pflegeprodukte und Zubehör für ihre Haustiere bequem online bestellen und zusätzlich ein Tierschutz-Projekt auswählen, das sie unterstützen möchten. Der Tierschutz-Shop zahlt dann 10 Prozent des Netto-Umsatzes als Prämie an die ausgewählte Einrichtung. So kann sich der Käufer aktiv für den Tierschutz engagieren ohne zusätzlichen finanziellen oder zeitlichen Aufwand. In gerade einmal zwei Jahren sind so bereits über 250.000 Euro zusammen gekommen, wie die digitale Spendenuhr des Online-Shops verrät. „Möglich wird das vor allem durch den unermüdlichen Einsatz unserer Mitarbeiter. Hier lässt niemand den Stift um 17:00 Uhr fallen“, sagt der 42-jährige Marco Wibben, der für die Finanzen zuständige Ehemann der Geschäftsführerin und ergänzt: „Jeder der hier ist, macht seine Arbeit aus Überzeugung. Natürlich müssen auch wir unsere Rechnungen bezahlen, aber hier will niemand einen Porsche fahren. Wir haben andere Ziele.“

Eines dieser Ziele erreichte der Tierschutz-Shop im vergangenen Dezember. Zur Weihnachtszeit hatten sich die Krefelder Tierschützer vorgenommen, innerhalb von 30 Tagen unglaubliche 200.000 Kilogramm Futterspenden zu sammeln – eine Weltrekordmenge. „Zu Weihnachten wollten wir viele Leben retten und die Aktion zudem dazu nutzen, die Öffentlichkeit auf das Thema Tierschutz aufmerksam zu machen. Die Resonanz war gewaltig. Es haben 20.000 Menschen mitgemacht, und es kam ein richtiges Gemeinschaftsgefühl auf. Manche Facebook-Fans haben geschrieben, dass sie vor Freude geweint haben“, berichtet die 26-jährige Social-Media-Beauftragte Svenja Gruszeczka, die am letzten Tag des Rekordversuchs mit ihren Kollegen bis tief in die Nacht hinein im Büro saß und mitfieberte.

Längst sind Spendenaktionen wie der geglückte Weltrekord wichtiger geworden als das ursprüngliche Prämiensystem des Tierschutz-Shops, denn eines der größten Probleme von Tierheimen ist es, über einen bedarfsgerechten Bestand an Futter zu verfügen. „Auch deutsche Tierheime sind auf Spenden angewiesen, die Situation in Ländern wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien oder Spanien ist allerdings katastrophal. Tierheime mit tausenden hungernden Tieren sind dort keine Seltenheit und es mangelt an allem“, klagt Czenczak und ergänzt: „Bereits im August 2014 haben wir unseren Internetauftritt deshalb um die sogenannte Wunschlisten-Funktion erweitert. Unsere mehr als 600 Partner-Tierheime in ganz Europa haben in ihren Wunschlisten dringend benötigte Produkte hinterlegt. Besucher unseres Shops können mit einem Click das gewünschte Produkt kaufen und wir sorgen dafür, dass die Ware das Tierheim erreicht und versenden als Beweis Fotos und Videos der angekommenen Lieferungen.“ War es zuvor noch recht aufwändig, an deutsche Tierheime zu spenden und äußerst kompliziert, ausländische Tierheime zu unterstützen, ist dies nun per Mausklick möglich – eine weitere revolutionäre Idee. An Ideenreichtum und Engagement mangelt es den Krefeldern ohnehin nicht. Innerhalb der kurzen Unternehmensgeschichte haben die authentischen Tierschützer bereits zahlreiche europaweit wahrgenommene Aktionen durchgeführt, große Industriepartner gewonnen, eine riesige Community aufgebaut und sogar ein eigenes Print-Magazin mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren aus der Taufe gehoben. Längst geht es dem Tierschutz-Shop nicht mehr nur um finanzielle Unterstützung für Tiere in Not, sondern auch um Aufklärungsarbeit – ein ganzheitlicher Ansatz. „Unsere Vision ist es, dass kein Tier in Europa mehr hungern muss“, sagt die Geschäftsführerin selbstbewusst, verlässt den Raum und kehrt mit einem kleinen Korb in ihren Händen zurück. Unter einer flauschigen Wolldecke liegt Manni, ein schwächelnder Jungigel, der sich vor wenigen Tagen in den Garten im Erdgeschoss des Wohnhauses verirrt hatte und nun aufgepäppelt wird. „Irgendwann wollen wir die Räumlichkeiten hier verlassen und auf einen Gnadenhof umziehen, um tagtäglich Tieren wie Manni ein Zuhause geben zu können“, träumt Marco Wibben während er den kleinen Igel betrachtet. Es ist offensichtlich: Die Tierliebe der Krefelder ist wahrhaftig grenzenlos.

Tierschutz-Shop TSS GmbH & Co. KG, Lessingstr. 7, 47799 Krefeld,
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