Zu Besuch bei der Unterwasser-Rugby-Mannschaft des DUCs Krefeld


Ein mit Salzwasser gefüllter Ball wird in die Mitte eines Schwimmbeckens gegeben. Der Anpfiff ertönt. Zwei gegnerische Mannschaften preschen nach vorne, springen in die Fluten und versuchen den Ball zu bekommen. Jede Mannschaft besteht aus sechs aktiven Spielern und sechs Auswechselspielern, die am Rand stehen und darauf warten, eingewechselt zu werden. Vom Beckenrand aus sieht der Zuschauer fast gar nichts von dem energiegeladenen Spiel. Warum nicht? Weil die Mannschaften nicht zu sehen sind. Es handelt sich nämlich um eine ganz besondere Sportart: Unterwasser-Rugby.

Korb, BallDienstagabend im Bockumer Schwimmbad. Trainingszeit der ersten und zweiten Unterwasser-Rugby-Mannschaft des Deutschen Unterwasserclubs Krefeld (DUC). Sebastian Grothaus ist zuständig für die Pressearbeit der beiden Mannschaften und selbst begeisterter Spieler. Der Kölner, der mittlerweile extra für die Trainingszeiten nach Krefeld pendelt, ist ursprünglich übers Wakeboardfahren zum Wassersport gekommen: „Das geht aber leider nur im Sommer, und ich wollte gerne etwas machen, was man auch im Winter machen kann.“ Als erstes ist er dann zum Schwimmen übergegangen. „Das war mir auf Dauer aber zu langweilig, und so bin ich zum Unterwasser-Rugby gekommen. Mit den richtigen Flossen kann man hier fast drei Meter pro Sekunde schaffen, das macht schon richtig Bock“, beschreibt Grothaus seine Faszination für die Sportart. Ein weiterer Vorteil sei die geringe Verletzungsrate, wie der Unterwasser-Rugby-Spieler erklärt: „Im Gegensatz zum Wakeboarden, wo ich mir schnell mal ein Band reiße, passiert hier außer blauen Flecken relativ wenig. Man schwebt ja quasi im Wasser.“ Das sei auch der Grund, warum die Sportart noch im höheren Alter relativ problemlos ausgeübt werden kann.

Eine gute Kondition ist das A und O beim Unterwasser-Rugby
Mittlerweile haben wir den Ort gewechselt. Um einen richtigen Einblick in den Sport zu bekommen, hat Grothaus mir ebenfalls eine Spielausrüstung mitgebracht. Flossen, eine Tauchmaske, einen Schnorchel und eine Kappe mit eingenähten Ohrschützern. Zu Beginn schwimmen die meisten Spieler einige Bahnen, um sich aufzuwärmen. Währenddessen erklärt Grothaus, dass die zwei Schiedsrichter, die bei Turnieren unter Wasser sind, die Einzigen sind, die eine Sauerstoffflasche haben. „Für uns Spieler bedeutet das, dass wir eine gute Kondition brauchen. Bei einem Strafstoß muss der Torwart zum Beispiel 45 Sekunden unter Wasser bleiben“, so Grothaus. Für mich als Laie undenkbar, aber „das ist größtenteils eine Sache der Psyche“, erklärt Christian Jakobs, Trainer der Mannschaft. Beim UWR (die gängige Abkürzung für Unterwasser-Rugby) sei es im Übrigen meistens so, dass der Trainer auch selbst mitspiele: „Beim Fußball kann man als Trainer vom Rand rufen: ‚Peter, spiel mal mehr rechts‘, beim UWR geht so etwas nicht“, so Jakobs lachend. Daher sei der Trainer eher jemand, „der die Meinungen aller Spieler sammelt und für etwas Ordnung sorgt.“

Mann, Ball, WasserZweimal 15 Minuten wird gespielt, wobei nach rund zwei Minuten ein Spielerwechsel stattfindet. Das Spiel ist geprägt von enormer Schnelligkeit und der Kondition der Spieler. Denn auch knapp zwei Minuten müssen die Spieler erst einmal ohne Sauerstoffflasche unter Wasser bleiben können. Und das alles noch mit einer Menge Action, wie ich nun feststelle. Der Ball liegt in der Mitte des Beckenbodens, und es kann losgehen. Die Spieler preschen vor, versuchen den Ball zu bekommen und in Richtung des gegnerischen Tores zu bringen. Durch die Flossen bekommen sie enormen Antrieb und können sich schnell von der einen Seite des Beckens zur anderen Seite bewegen. Gespielt wird auf einer Länge von maximal 22 Metern. Die Spieler kebbeln sich unter Wasser und versuchen, einander den Ball abzunehmen. Genau wie beim klassischen Rugby wird sich hier nichts geschenkt: „Von der Härte her ist es eigentlich dem klassischen Rugby sehr ähnlich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass wir unter Wasser auch nach vorne passen dürfen, wohingegen es beim klassischen Rugby nur nach hinten erlaubt ist“, erklärt Grothaus und fügt lachend hinzu: „Der größte Unterschied ist natürlich das Wasser.“

Männer, Ball, Taucherbrille1972 wurde die erste Deutsche Meisterschaft im Unterwasser-Rugby ausgetragen: „Die Idee war damals, beim Tauchen eine Abwechslung zu haben“, berichtet Grothaus. Entstanden ist die Idee direkt hier um die Ecke: in ­Mülheim und Duisburg. Das erste Unterwasser-Rugby-Spiel fand 1964 zwischen der DLRG Mülheim an der Ruhr und dem DUC Duisburg statt. ­Mittlerweile gibt es rund 2.500 aktive Unterwasser-Rugby-Spieler, unter ihnen auch die Spieler des DUCs Krefeld. Und auch deren Leistung kann sich durchaus sehen lassen: „Im letzten Jahr waren vier unserer Spieler mit bei der U-21-Europa-Meisterschaft und sind Zweiter geworden“, so Grothaus. In den letzten Jahren ist ein Wandel durch den Verein gegangen. Das bestätigt auch Martin Meskes, der bereits seit 14 Jahren Unterwasser-Rugby spielt: „Als ich angefangen habe, war noch die ältere Generation da. ­Mittlerweile sind viele Jüngere dazugekommen.“ Zu der älteren Generation gehört Uwe Lukas, der bereits Dritter bei einer Weltmeisterschaft und Europameister geworden ist. „Das ist halt der Vorteil an dieser Sportart. Man kann sie relativ lange spielen“, erinnert Meskes. Die Mischung von jüngeren und älteren Spielern macht ein gutes Team aus. „Momentan sind wir die Borussia Dortmund des Unterwasser-Rugbys“, erklärt Pressesprecher Sebastian Grothaus lachend.

Tum, Wasser, RugbyMittlerweile ist die eine Mannschaft unter Wasser zum Korb durchgekommen. Während von unterhalb des Wassers ersichtlich wird, welche Kämpfe am Korb ausgetragen werden, um ein Tor zu machen, erinnert das Szenario vom Beckenrand an die Fütterung von Fischen in einem Aquarium: In Windeseile tauchen immer wieder Spieler auf und unter und geben ihr Bestes, um ein Tor abzuwenden beziehungsweise eins zu machen. Bei der enormen Schnelligkeit der Pässe und Vorgänge bin ich froh, mir das Ganze von unter Wasser anschauen zu können. Wer sich von dieser Sportart begeistern lassen möchte, kann das am 13. und 14. Mai tun.
Dann findet nämlich die Deutsche Meisterschaft im Unterwasser-Rugby in Krefeld statt.

Badezentrum Bockum, Am Badezentrum 2, 47800 Krefeld

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