Meilensteine bei der Entwicklung der eigenen Kinder bleiben Eltern ein Leben lang in Erinnerung. Wenn Thomas Schlösser an den wohl wichtigsten Tag seines Sprösslings denkt, sprudelt es aus ihm heraus: „11. September 2009, 1:1 gegen den KFC vor 7.500 Zuschauern. Ich war morgens um acht Uhr im Bett.“ Nicht nur weil die Ehe mit seiner Frau kinderlos blieb, bezeichnet Schlösser den VfR als sein „Baby“. Bereits als Siebenjähriger wurde er Teil des Vereins, spielte zunächst selbst  in der Fußballabteilung und durchlief anschließend ab 1979 alle Funktionärs-Ebenen. Die rasante sportliche und ökonomische Entwicklung des VfR ist zwar nicht ausschließlich, aber vornehmlich an seinen Namen gekoppelt. Nach über zwei Dekaden als Erster Vorsitzender empfindet Schlösser zurecht Elternstolz für sein ehrenamtliches Lebenswerk.

Im Clubhaus des Oberligisten sitzt Thomas Schlösser im Lounge-Bereich gleich unter der Sponsorentafel. Es ist ein bedeutungsträchtiges Bild; es offenbart das Erfolgsrezept auf einen Blick. Ein starker Kopf mit einem starken Netzwerk. Dass diese Konstellation der größte Garant für langfristigen Erfolg ist, hat Thomas Schlösser bereits von seinem Vater Wilhelm gelernt, der auch das Fischeln-Virus auf seinen Sohn übertrug. „Mein Vater war hier in jedem Verein aktiv, er liebte diesen Stadtteil heiß und innig. Diese Leidenschaft habe ich von klein auf eingesogen. Nicht zuletzt deswegen, weil mein Vater die prägendste Figur in meinem Leben war“, erzählt Schlösser mit leuchtenden Augen und einer Phonetik in der Sprache, die dem preußischen Stechschritt gleicht.

Blutgruppe Fischeln, Rhesusfaktor VfR Thomas Schlösser


Blickt Schlösser in seiner Vita zurück, sagt er über sich selbst: „Ich war als Kind ein Arschloch; ein Großkotz!“ Der großgewachsene Kaufmann ist wahrlich nicht um drastische Formulierungen verlegen. Auch heute, obwohl er die Verhaltensweisen aus Kindertagen abgelegt habe, polarisiere er. Für manche ist sein Auftreten schlicht zu selbstbewusst und sein Anspruch zu hegemonial. Für die meisten ist Schlösser allerdings eine Fischelner Integrationsfigur. Ein Macher, der gerne Verantwortung übernimmt, das Herz am rechten Fleck hat und selbiges auf der Zunge trägt. Seinen Geburtsort zu verlassen, käme für Schlösser nur dann infrage, wenn ihn Uli Hoeneß persönlich zum FC Bayern München kommandieren würde. Bis es so weit ist, tut er alles in seiner Macht stehende, um den Deutschen Serienmeister zumindest zum 100. Jubiläum für ein Freundschaftsspiel nach Fischeln zu lotsen. „Ich schreibe jedes Jahr einen Brief an den FC Bayern. Steter Tropfen höhlt den Stein. Es wäre ein Traum, der in Erfüllung ginge“, erklärt Schlösser, der große Sympathien für den ehemaligen Präsidenten der Münchner hegt.

Die Maxime „Wenn du etwas tust, dann mache es richtig“ verfolgt Schlösser nicht nur bei seiner Tätigkeit im Verein für Rasensport. Auch sein beruflicher Werdegang ist vom steten Aufstieg geprägt. Angefangen als kleiner Kaufmann bei Von Aschenbach & Voss, leitet Schlösser heute mehrere Firmen im Konsortium von Pentair. Als Managing Director ist er dort für ganz Zentral-Europa und die Beneluxländer verantwortlich. „Als Sohn einer Kaufmanns-Dynastie habe ich schon als Kind das Ziel gehabt, mindestens einmal Prokurist zu werden“, erzählt er rückblickend, „dass es dann doch so weit ging, hat zum einen mit Glück  und zum anderen mit Hartnäckigkeit zu tun. Ich war nie ein Ja-Sager und habe immer alles so gemacht, wie ich es für richtig hielt. Zum Glück konnte ich mit dieser Art einige Menschen für mich gewinnen, deren Vertrauen in mich auch immer belohnt wurde. Wirklich jeder meiner Chefs ist während unserer Zusammenarbeit befördert worden, wovon ich dann letztlich auch profitiert habe.“

Blutgruppe Fischeln, Rhesusfaktor VfR Thomas Schlösser


„Mein Vater war hier in jedem Verein aktiv, er liebte diesen Stadtteil heiß und innig. Diese Leidenschaft habe ich von klein auf eingesogen. Nicht zuletzt deswegen, weil mein Vater die prägenste Figur in meinem Leben war.“

Trotz seiner beruflichen Ambitionen hat Schlösser immer die Zeit gefunden, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Mein Vater hat mir eingebläut, dass die Welt von Menschen lebt, die mehr tun als ihre Pflicht. Das klingt zwar sehr nach Aufopferung, aber wenn wir mal ehrlich sind, dann ist das doch auch immer mit einer Menge Spaß verbunden“, sagt er und lacht. Spaß hatte Schlösser zeitlebens nicht nur beim Sport, sondern auch in der Bürger-Schützen-Gesellschaft 1451 Fischeln. Mit 23 Jahren wurde er gar zum jüngsten Schützenkönig überhaupt gekrönt. 25 Jahre später schoss Schlösser dann wieder den Vogel ab. „Während meine Mutter fast ausgerastet ist, sagte mein Vater nur: ‚Ich habe nichts anderes von meinem Sohn erwartet’“, erzählt er wieder mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

Haltung, Blick und Sprechweise ändern sich bei Schlösser dann, wenn er über den Tod seines Vaters spricht. „Das war der größte Verlust meines Leben“, sagt er nachdenklich. Trotz aller Trauer finde er allerdings Zuversicht in der Tatsache, dass der Mann, den die Bild-Zeitung einst den Preußen Fischelns nannte, nur wenige Tage im Seniorenheim verweilen musste, ehe er entschlief. „Er wurde auf der Clemensstraße geboren und starb auch dort, ich glaube, besser hätte er es sich nicht wünschen können“, so Schlösser weiter. Stolz wird er ob der Entwicklung seines Sohnes gewiss gewesen sein, der ihm in seiner Verbundenheit zum größten Ortsteil Krefelds in nichts nachstand. Um das Gesicht Fischelns so zu erhalten, wie es auch sein Vater kannte, hat sich Thomas Schlösser sogar zusammen mit 12 weiteren Anteilseignern dazu entschlossen, den Burghof Gietz zu kaufen. „Der gehört einfach zu Fischeln und muss erhalten werden, deswegen war das für mich eine Ehrensache“, erklärt der Mann mit der bisweilen schroffen Fassade und dem sensiblen Kern.

Wenn Schlösser an die Zukunft denkt, hat er eigentlich nur einen Wunsch: „Alles soll so bleiben, wie es ist.“ Diesen Satz bezieht er nicht nur auf die Gesundheit von sich und seiner Frau sowie auf seine berufliche Situation, sondern auch auf den VfR Fischeln. „Für uns geht es darum, den Verein auf diesem Niveau zu stabilisieren. Mit dem Kunstrasenplatz, dem neuen Clubhaus und den anderen Veränderungen auf dem Vereinsgelände haben wir mehr erreicht, als viele für möglich gehalten hätten. Würden wir jetzt noch eine Liga aufsteigen, müssten wir ganz andere Bagger herausholen“, sagt er mit Blick auf die Regionalliga-Vorgaben des DFB. Allerdings wäre Thomas Schlösser nicht der, der er ist, hätte er dafür nicht auch schon den Plan B in der Schublade. Meilensteine zu erreichen, ist nun mal seine Motivation, vor allem, wenn es um sein Baby geht.