Mitte Januar, kurz vor Redaktionsschluss, geht es im Neubau der Volksbank gleich neben der Dionysius-Kirche zu wie in einem Bienenstock. Elektriker verlegen die letzten Kabel, Maler streichen hier und da noch an den Wänden, und IT-Spezialisten kümmern sich um die Installation der komplexen EDV-Anlage. Mitten drin steht Klaus Geurden, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Krefeld. Mit uns spricht der 56-Jährige über die zurückliegenden Baumonate, große Herausforderungen in dieser Zeit und darüber, was sich durch den Umzug für die Kunden ändern wird.     

Nähe, Vertrauen, Transparenz - Die Volksbank Krefeld stößt in ein neues Zeitalter

Klaus Geurden, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Krefeld

// KR-ONE: Gehe ich recht in der Annahme, dass für Sie dieses Mal die weihnachtliche Bescherung in den Januar fällt? Klaus Geurden: Ja, das ist so. Im Moment sind wir zwar noch nicht ganz bei der Fertigstellung des Gebäudes angelangt, da derzeit noch fleißig gearbeitet wird, aber wenn die letzten Arbeiten abgeschlossen sind, ist für uns nach langer Planungs- und Bauzeit der große Moment der Eröffnung erreicht.

// Ein solches Großprojekt wie der Neubau der Volksbankzentrale durchläuft verschiedene Phasen. Sind Sie als Bauherr auch emotional involviert? Natürlich, aber das gilt nicht nur für mich, sondern für den gesamten Vorstand und auch für die Mitarbeiter. Für eine mittelständische Genossenschaftsbank ist ein solches Projekt etwas Besonderes, das eben auch mit der entsprechenden Vorsicht angegangen, umgesetzt und begleitet wird. Für mich persönlich war es faszinierend zu sehen, wie aus einer anfänglichen Vision Stück für Stück Realität wird. Zu beobachten, wie die Pläne des Architekturbüros Gerber im vorher festgelegten Zeitrahmen umgesetzt wurden und werden, war und ist tatsächlich ein Highlight. Wenn alles so weiter geht, werden wir wie geplant den Umzug Ende Januar in Gänze vollzogen haben.

//Krefelds innerstädtisches Bild erfährt derzeit eine rasante Veränderung. Wie fügt sich die Architektur des neuen Volksbankgebäudes in ihre Umgebung ein? Ich bin persönlich der Meinung, dass die Architektur sehr gut zur Umgebung der Dionysius-Kirche und des Platzes passt. Wir waren ja quasi mit dem ersten Spatenstich die Vorreiter der jetzt zu sehenden Veränderungen in der Innenstadt; noch weit vor dem Umbau des alten Horten-Gebäudes. Ich erhoffe mir, dass von unserer Investition ein positiver Effekt für den Platz vor der Dionysiuskirche ausgeht und weitere Investitionen folgen werden. Insgesamt finde ich die derzeitige Entwicklung Krefelds beachtlich. Ich glaube, dass im Rahmen unserer Maßnahmen weitere folgen werden. Solche Projekte wie das unsere setzen Impulse und haben Signalwirkung.

//Viele Krefelder sehen Parallelen zwischen der Erscheinung der Krefelder Primark-Dependance und Ihrem Neubau. Erkennen Sie diese auch? Ich bin zwar kein Architekt oder Bausachverständiger und deswegen stößt mein Urteil an gewisse Grenzen, aber ich kann das so nicht bestätigen. Die Fassaden sind nach meinem Dafürhalten von ihrer Ausstrahlung und ihrem Charakter völlig unterschiedlich. Auch die Architektur mit den bündigen Fenstern weicht stark von der des Primark-Gebäudes ab. Lediglich der Farbton der Fassade weist Gleichheiten auf.

Nähe, Vertrauen, Transparenz - Die Volksbank Krefeld stößt in ein neues Zeitalter

//Der Umzug einer gesamten Bank ist eine Mammut-Aufgabe. Wo sehen Sie dabei die größten Herausforderungen? In der Logistik. Das beginnt bei der sehr umfangreichen EDV-Anlage und geht dann stückweise über die verschiedenen Abteilungen. Wir haben extra an drei Wochenenden den Umzug in drei Wellen organisiert. Zuerst kommen das Marketing, Controlling, die Kreditabteilung, Vertriebsunterstützung, die Gebäudeverwaltung und Revision an den neuen Standort, danach folgen die Kundenbereiche. Bislang gehen unsere Pläne vollständig auf, so dass wir am 26. Januar 2015 eröffnen werden.

//Das Credo der Volksbank ist, immer besonders nah am Bürger zu sein. Inwiefern wird der Neubau dabei helfen, diesem Grundsatz Rechnung zu tragen? Wir werden mit einer Gesamtfläche von über 6.000 Quadratmetern nicht nur größer, sondern auch strukturierter. In den unteren Ebenen sind die Kundenabteilungen angesiedelt, die internen Abteilungen sind in den oberen Geschossen beheimatet. Es wird uns also zukünftig möglich sein, mehr Menschen gleichzeitig zu beraten. Und das klar gegliedert. Zudem wird es mittels moderner Medien  möglich sein, Finanzkonzepte besser zu visualisieren. Wir können unseren Kunden auf Monitoren zeigen, wie sich Pläne entwickeln. Abstrakte Prozesse können so viel besser dargestellt werden. Das trägt zur Transparenz und Verständlichkeit in der Kundenberatung bei. Damit schaffen wir eine noch größere Nähe und fördern das Vertrauen.

//Vertrauen ist ein gutes Stichwort. Das Bankwesen unterliegt seit 2008 einem Generalverdacht. Geht es für Sie immer noch darum, Vertrauen zurückzugewinnen? Es gibt tatsächlich noch einen Generalverdacht, der uns als Genossenschaftsbank allerdings weniger trifft, da wir die Geldanlagen unserer Kunden aus der Region entgegennehmen und diese in Form von Krediten an Firmen und Privatkunden unserer Region weitergeben. Unsere primäre Aufgabe ist es eben nicht, mit den Geldern unserer Kunden weltweit zu spekulieren. Das ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal. Unsere Kunden würdigen diese vorsichtige Geschäftspolitik. Diese Aspekte müssen wir zukünftig sicherlich noch transparenter und nachhaltig nach außen tragen.

//In Zeiten fast gegen Null laufender Zinsen stecken viele Menschen ihr Erspartes lieber in den Sparstrumpf, als es zur Bank zur bringen. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig und sinnvoll, sein Geld bei der Bank anzulegen? Es ist richtig, dass die Zinsen derzeit sehr niedrig sind, allerdings haben wir auch eine sehr geringe Inflation. Es gibt nicht nur den einen Grund, der für eine Bank spricht. Strukturierung von Vermögen bringt auch in Zeiten niedriger Zinsen bessere Renditen. Zum einen steigen die Einbruchszahlen stetig. Große Bargeldsummen zuhause zu deponieren, kann also gefährlich sein. Zum anderen haben wir ein Wirtschaftssystem, das auf die Vergabe von Krediten angewiesen ist. Wer sein Geld bei uns anlegt, hilft dabei, die Wirtschaft der Region zu stärken.

Nähe, Vertrauen, Transparenz - Die Volksbank Krefeld stößt in ein neues Zeitalter

//Sie appellieren also an das Solidarprinzip?
Ja, genau. Nur so kann es funktionieren.

//Der Jahresanfang bietet Platz für gute Vorsätze. Welche Ziele haben Sie für 2015? Für uns geht es jetzt in erster Linie darum, nach dem Umzug gut in das neue Geschäftsjahr durchzustarten. Danach ist es unser vorrangiges Ziel, unsere Mitglieder und Kunden noch umfangreicher in allen Geldangelegenheiten zu beraten und zu betreuen. Desweiteren wollen wir Neukunden gewinnen, um so noch besser und breiter aufgestellt hier in Krefeld arbeiten und helfen zu können.

// KR-ONE: Vielen Dank für das Gespräch.
Interview: David Kordes