Im Fischelner Gewerbegebiet an der Breuershofstraße erwartet man spontan keinen Weltmarktführer und doch ist hier mit der Wirtz Werkzeugbau GmbH ein solches Unternehmen beheimatet. Geschäftsführer Thomas Wirtz ist Sohn des Firmengründers Theo Wirtz, der den Familienbetrieb 1979 ins Leben rief. Voller Stolz zeigt er auf eine vorbeifahrende Audi-Limousine: „Sehen Sie die Dachreling und die Zierleisten? Die sind mit unseren Maschinen hergestellt worden. Wir sind Experten für alles, was beim Auto glänzt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich unser Unternehmensschwerpunkt vom klassischen Werkzeugbau hin zur Herstellung von High-Tech-Sondermaschinen. Wir sind für die Produktionsautomatisierung in vielen Automobilzulieferungsbetrieben zuständig. Indirekt arbeiten wir so für alle namhaften Autohersteller.“ Neben Zierelementen fertigt die Firma Wirtz unter anderem Maschinen und Produktionsvorrichtungen für Dichtungselemente, Fahrwerkskomponenten und die Fahrzeug-Innenausstattung. Überall, wo Aluminiumprofile in Großserie gespannt, gebogen, gestanzt, gefräst oder sonst wie umgeformt werden müssen, kommen High-Tech-Maschinen aus Fischeln zum Einsatz.

Werkzeugbau Wirtz - 
Eine Fischelner Familiengeschichte

Unternehmer in zweiter Generation: Thomas Wirtz

 

In drei unspektakulär wirkenden Hallen werden Wirtz Spezialmaschinen hergestellt. Direkt an den Verwaltungstrakt schließt sich die Produktion an. Hier werden die Maschinenkomponenten, zum Beispiel Metallträger und Gehäuse, zugeschnitten, bearbeitet und lackiert. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die Montage. In dieser Halle stehen Maschinen und Komponenten in unterschiedlichen Fertigungsphasen. Aus Roboterarmen schauen Drähte und Leitungen heraus. Man kann sich gut vorstellen, dass die Entwicklung und Produktion dieser Präzisionstechnik eine hohes Know-how und langjährige Erfahrungen bedarf. In einer dritten Produktionshalle werden die komplexen Schaltungen zur Steuerung der Maschinen gebaut. Eine vierte Halle dient vor allem der Lagerung und Logistik. Wirtz würde seine Produktionsanlagen gerne in einer einzigen, modernen Halle zusammenfassen, aber da das Unternehmen auch in der gewachsenen Struktur gut arbeitet, wird solch ein Kraftakt wohl erst einmal unterbleiben.

Der Weg von Thomas Wirtz in die Welt des mittelständischen Maschinenbaus wirkt im Nachhinein folgerichtig, war aber nicht von Anfang an vorgezeichnet. „Als Jugendlicher wollte ich gerne Medizin studieren“, erzählt er. „Aber dann habe ich mich in der elften Klasse entschieden, das Gymnasium abzubrechen, um bei uns im Betrieb eine Lehre als Werkzeugmacher anzufangen. Mein Vater war erst gar nicht begeistert, hat mir dann aber meinen Wunsch unter der Voraussetzung, dass ich mein Abitur nachmache und später meinen Maschinenbautechniker abschließe, erfüllt. So ist es dann auch geschehen. In den Betrieb war ich schon vor meiner Lehre Stück für Stück hineingewachsen. Ich habe an meinem Fahrrad und später an meinem Mofa herumgebastelt, immer wieder im Betrieb gearbeitet und Geld verdient. Da hat sich bei mir die Lust entwickelt, auch hier zu arbeiten.“ Wer jetzt denkt, der Sohn des Chefs hätte im Betrieb ein leichtes Leben gehabt, irrt sich gewaltig. Im Gegenteil. „Mein Vater hat von mir immer am Meisten verlangt, immer noch etwas genauer nachgeprüft und mich oft ein, zwei Stunden länger als die anderen im Betreib behalten“, erzählt der heutige Geschäftsführer. „Da gab es natürlich auch mal Reibereien. Heute sehe ich sein Verhalten als hart, aber fair. Mein Vater wollte sehen, ob ich bereit war, die Pflicht anzunehmen.“

Werkzeugbau Wirtz - 
Eine Fischelner Familiengeschichte

Seit Thomas Wirtz Lehrzeit Mitte der 80er Jahre hat sich sowohl der Betrieb als auch die gesamte Marktsituation grundlegend geändert. In der Gründungsphase hatte Wirtz Werkzeugbau nicht mehr als sieben bis acht Mitarbeiter. Inzwischen sind es fast 70. Vor über 30 Jahren arbeitete das Unternehmen noch vorwiegend für regionale und nationale Kunden. Heute finden Wirtz Maschinen beinahe weltweit Einsatz, von Europa bis in die USA, von China bis Mexiko. „Unser Vorteil ist, dass wir sichtbare Designteile für die Autos produzieren“, erklärt Wirtz. „Diese Qualität ist in China derzeit noch nicht möglich. Der Trend zur Produktionsauslagerung nach Asien trifft uns aber auch. Wir müssen immer wach sein, immer auf dem neuesten Stand. Und parallel zum Tagesgeschäft darüber nachdenken, in welche Richtung wir unser Unternehmen entwickeln können.“

Eines hat sich trotz rasendschneller Entwicklungen in der Breuershofstraße aber nicht verändert: Wirtz Werkzeugbau ist nach wie vor ein Ausbildungsbetrieb. „Durchschnittlich arbeiten in unserem Betrieb fünf bis acht Auszubildende, zwei bis drei pro Lehrjahr“, erklärt der Geschäftsführer. „Zurzeit bilden wir Werkzeugmacher, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Mechatroniker aus. Wir sehen unsere Mitarbeiter als unser wichtigstes Kapital an und setzen sehr viel daran, sie auch nach der Ausbildung in unserem Betrieb zu halten.“ Dass das nicht immer leicht war, gab vor zehn bis fünfzehn Jahren den Anlass zu einem ganz anderen Engagement der Familie Wirtz: „Oft hatten wir Auszubildende, die weit entfernt wohnten, in Moers, Wesel oder sogar Kleve, die wollten dann nach dem Ende der Ausbildung oft wieder weg“, erinnert sich Thomas Wirtz. „Das Problem war, dass uns hier vor Ort kaum jemand kannte und sich deshalb auch nur wenige Krefelder oder gar Fischelner um einen Ausbildungsplatz bewarben.“

Thomas Wirtz und sein Vater Theo kamen auf die Idee, ihre private Sportbegeisterung auch beruflich zu nutzen, um so den lokalen Bekanntheitsgrad zu steigern. Thomas war aktiver Handballspieler und verfügte hier bereits über viele Kontakte. Sein Vater hatte mehr Spaß an Fußball. Also war die Arbeitsteilung klar. „Mein Vater unterstützt vor allem den VfR Fischeln, ich habe mich für die Handballer von DJK Adler Königshof engagiert und bin dort jahrelang zweiter Vorsitzender gewesen. Inzwischen bin ich Geschäftsführer bei der HSG Krefeld, dem Zusammenschluss der Handball-Teams von Bayer05 und DJK Adler. Hier kümmere ich mich vor allem um die wirtschaftlichen Belange. Seit wir in der Dritten Liga sind, ist hier noch einiges mehr zu tun.“ Die Sportförderung geht bei der Familie Wirtz also weit über rein finanzielles Sponsoring hinaus, auch wenn Geld für Sportvereine natürlich nach wie vor ein wichtiges Thema ist.

Werkzeugbau Wirtz - 
Eine Fischelner Familiengeschichte

Wie es aussieht wird Thomas Wirtz Sohn Tim die Familientradition in doppelter Hinsicht weiterführen. Zum einen ist er aktiver Handballspieler, zum anderen beginnt er gerade ein Maschinenbau-Studium mit der Absicht, auch beruflich in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Es sieht also ganz so aus, als ob sich eine Fischelner Erfolgsgeschichte auch in der dritten Generation fortsetzen wird.

Wirtz Wekzeugbau GmbH, Breuershofstrasse 19
(Gewerbegebiet Fichtenhain), 47807 Krefeld-Fischeln
Telefon: 0 21 51 / 3 19 70