Am 1. September feierte die EGK, die Entsorgungsgesellschaft Krefeld, ihren 30. Geburtstag. Das sind 271.728 Stunden Einsatz für sauberes Trinkwasser, sichere Müllentsorgung und Energiegewinnung: Bei der EGK hat die Woche nämlich sieben Arbeitstage, ganz gleich, ob Heiligabend, Silvester oder Ostern ins Haus steht, und jeder Tag hat 24 Stunden. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

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Hermann-Josef Roos, EGK-Geschäftsführer, mit einigen seiner langjährigen Mitarbeiter

Der 30. Geburtstag ist für viele Menschen mit gemischten Gefühlen verbunden: Wehmütig blicken sie zurück und werden sich bewusst, dass die Jugend hinter ihnen liegt. Für Hermann-Josef Roos, den Geschäftsführer der EGK Entsorgungsgesellschaft Krefeld GmbH & Co. KG, bleibt für lange Rückschauen keine Zeit – und Grund zur Wehmut gibt es auch nicht: „Weiterentwicklung und Erneuerung sind bei uns ein ständig laufender Prozess“, erklärt er. Die Krefelder Müllverbrennungs- und Kläranlage hat sich seit der Inbetriebnahme im Jahr 1975 und der Privatisierung 1989 erheblich verändert. Und sie tut dies auch weiterhin, um den besonderen Eigenschaften des Standorts sowie den Anforderungen der Energiewende und des Klimaschutzes gerecht zu werden. „Nur drei Monate nach Gründung der EGK fiel die Mauer. Es war eine Zeit voller Veränderungen, die den Betrieb offensichtlich geprägt hat“, schmunzelt Roos.

Dabei war die Anlage dem Status quo schon bei ihrer Einweihung vor 44 Jahren weit voraus. Die politische Entscheidung zur Einstellung der Müllablagerung auf Deponien fiel 1993, die entsprechende Verordnung trat 2005 in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Müll der Krefelder Bürger bereits seit 30 Jahren verbrannt. „Seit 1989 haben wir annähernd 550 Millionen Euro in die Entwicklung der Anlage gesteckt“, gibt Roos einen Ein- blick in das Ausmaß der Veränderungen. „Dahinter verbergen sich im Wesentlichen umfassende Investitionen in den Umweltschutz, aber auch in den Ausbau der Kapazität, die Betriebssicherheit und die Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze.“ Die Zahl der Mitarbeiter hat sich in den ersten Jahren nahezu verdoppelt und liegt seitdem ziemlich konstant bei 250. Nicht wenige von ihnen waren schon dabei, als die Anlage noch von der Stadt direkt geführt wurde.

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„Eine der Herausforderungen, mit denen wir uns derzeit beschäftigen, ist die Bewältigung eines Generationswechsels, denn viele verdiente Mitarbeiter gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand“, erläutert Roos. Eine anspruchsvolle, aber lösbare Aufgabe, denn die EGK bietet ein breites Spektrum an spannenden Tätigkeiten, vor allem für naturwissenschaftlich und technisch interessierte Menschen, aber auch für Kaufleute, schließlich kommt es bei jährlichen Mengen wie 366.000 Tonnen Müll und 27 Milliarden Liter Wasser pro Jahr auf jeden Cent an. „Wer den Klimawandel und die Zukunft aktiv mitgestalten will, findet bei uns einen Arbeitsplatz, an dem das ganz direkt möglich ist“, wendet sich Roos an junge Menschen mit Ehrgeiz, Ambitionen und Anpacker-Mentalität.

Wer beim Anblick der charakteristischen „Ostereier“ – die Faultürme sind das Wahrzeichen der Anlage – oder der hoch in den Himmel ragenden Schornsteine ein ungutes Gefühl hat, sollte sich zu einer der regelmäßigen öffentlichen Führungen anmelden. Er könnte dabei nicht nur den 81-jährigen Ulrich Goll kennenlernen, ein echtes EGK-Urgestein, das seinem ehemaligen Arbeitsplatz auch nach 18 Jahren Ruhestand weiter die Treue hält, sondern sich auch ein Bild davon machen, welche große Rolle Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im täglichen Betrieb spielen. Hier wird nichts verschwendet: Das Biogas, das beim „Ausfaulen“ des Klärschlamms entsteht, kommt in der Müllverbrennung zum Einsatz, ebenso wie das Granulat, dass bei der Klärschlammtrocknung entsteht. Der Strom, den die Müllverbrennungsanlage erzeugt, wird wiederum in der Kläranlage genutzt, um das aus der Kanalisation zufließende Wasser auf das richtige Höhenniveau zu bringen und die Bakterien, die in den Becken ihrer Tätigkeit nachgehen, mit Sauerstoff zu versorgen. Der Müll, der verbrannt wird, besteht zur Hälfte aus Biomasse. „Wir produzieren mit der Anlage 50 Prozent Grünstrom“, fasst Roos die erstaunliche Tatsache in eine druckreife Botschaft. Mit Kraft-Wärme-Kopplung ausgestattet, deckt die Müllverbrennungsanlage zudem rund zwei Drittel des Fernwärmebedarfs von Krefeld. Die Rauchgasreinigung sorgt dafür, dass die Emissionen die vom Gesetzgeber geforderten Grenzwerte deutlich unterschreiten. Wer meint, in einer Müllverbrennungsanlage würde alles einfach blind in einen Ofen geschmissen und unbedacht in die Luft gepustet, der gerät angesichts der zahlreichen hochkomplexen Abläufe ins Staunen.

„Wir leisten mit unserer Anlage einen wichtigen Beitrag zur regenerativen witterungsunabhängigen Energiegewinnung. Die Menge an Strom, die wir bereitstellen, hat sich seit 2009 verdoppelt“, resümiert Roos eindrucksvoll, „aber mit Blick auf die Energiewende nehmen wir ständig weitere Optimierungen vor.“ Mittelfristig wird die Rauchgasreinigung, die derzeit noch sowohl im aufwändigen Nass- als auch im neueren, einfacheren Trockenverfahren vorgenommen wird, komplett auf die neue Technik umgestellt werden. Außerdem arbeitet die EGK in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein an dem Thema „Sektorenkopplung“, von dem sich alle Beteiligten für die Zukunft wichtige Impulse erhoffen. Es gibt so viel zu tun, dass auf eine große Feier im Jubiläumsjahr verzichtet wurde „Wir haben bewusst im ,kleinen’ Kreis unserer Mitarbeiter und ihrer Familien gefeiert“, berichtet der Geschäftsführer. Und vielleicht hatte der ein oder andere in solch beschaulicher Runde dann doch einmal Gelegenheit, auf das in den vergangenen 30 bis 40 Jahren Geleistete zurückzublicken – und ein kleines bisschen stolz zu sein.

EGK Entsorgungsgesellschaft Krefeld GmbH & Co. KG, Parkstraße 234, 47829 Krefeld, Telefon: 02151-495 500, egk@egk.de, www.egk.de